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„Kellogg’s-Produkte enthalten

„Kellogg’s-Produkte enthalten zu viele Vitamine“, sagt Paolo Drostby von der dänischen Lebensmittelbehörde DVFA. Mit dieser absurd wirkenden Begründung hat die Behörde dem Lebensmittelgiganten Mitte August den Verkauf von 18 Produkten verboten. Die Entscheidung basiert auf einer Risikoanalyse des Dänischen Instituts für Lebensmittel- und Veterinärforschung DFVF. Sie ergab, dass die zugesetzten Vitamine und Mineralien zuviel des Guten sind. Anhand dänischer Essgewohnheiten errechneten die DFVF-Forscher, dass die Beimengen an Eisen, Kalzium, Folsäure und Vitamin B6 und B12 in Kellogg’s-Produkten wie Cornflakes oder Coco Pops zu Gesundheitsschäden von Leber und Nieren führen können. Besonders Kinder sind dadurch gefährdet. Immerhin nehmen 70 Prozent der dänischen Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren über Getreideflocken, Milchmixgetränke und andere Produkte regelmäßig Lebensmittelergänzungen zu sich.

„Bei Kindern ist noch wenig darüber bekannt, welche Höchstmengen an Vitaminen und Mineralstoffen sie ohne schädliche Auswirkungen vertragen „, erklärt Dr. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Wie die Dortmunder Forscher in ihrer so genannten DONALD-Studie feststellten, konsumieren deutsche Kinder ebenfalls viele zugesetzte Nährstoffe: Mehr als 90 Prozent der 2- bis 18-Jährigen Kinder verzehren innerhalb von drei Tagen mindestens einmal mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Fertigprodukte.

Das Dortmunder Instituts hatte seit 1985 das Ernährungsverhalten von Kindern analysiert. Wie sich herausstellte, ist die wichtigste Quelle für zugesetzte Nährstoffe Getränke und Getränkepulver. Häufig verzehrt werden auch Produkte, die explizit als „Kinderlebensmittel“ beworben werden und dem Geschmack der jungen Kundschaft entsprechend stark gezuckert sind. Es sind vor allem Getreideprodukte, meist so genannte Frühstücks-Cerealien. Mithilfe einer Markterhebung hat das Dortmunder Institut herausgefunden, dass 7- bis 9-Jährige auf diese Weise je nach Nährstoff 200 bis 700 Prozent der von der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfohlenen Tagesdosis zu sich nehmen.

Dabei rät das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung: Die über angereicherte Nahrungsmittel aufgenommenen Vitamine sollten nicht mehr als das Dreifache der von der DGE empfohlenen täglichen Vitaminzufuhr betragen. Bei Mineralien sollte sogar die einfache DGE-Empfehlung nicht überschritten werden. Entsprechende Höchstmengen sind in Dänemark jetzt verbindlich, in der übrigen EU werden sie nur empfohlen. „Da deutsche Kinder aber viel zugesetzte Vitamine und Mineralien zu sich nehmen und ein ernährungsphysiologisch sinnvolles Konzept bei der Anreicherung meist nicht erkennbar ist – wie unsere DONALD-Daten zeigen –, wäre es sinnvoll, ähnlich rigide wie in Dänemark vorzugehen“, sagt Kersting.

Das deutsche Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft arbeitet nach eigenen Angaben selbst an Vorschlägen. Generell ist es schwierig, in Deutschland den Handel von Produkten mit stark angereicherten Nährstoffen zu verbieten. Denn in der EU gelten die Regeln des freien Warenverkehrs. Nach EU-Recht darf Deutschland nur die Produkte verbieten, die nachweislich die Gesundheit gefährden oder deren Werbeaussagen als irreführend gelten. Zwar überschreiten viele ausländische Produkte das Limit des Bundesinstituts für Risikoforschung, aber da es sich nur um Empfehlungen handelt, haben die Gesundheits- und Verbraucherschutzbehörden keine juristische Grundlage zum Handeln. Die EU-Kommission versuchte im November letzten Jahres in Europa einheitliche Obergrenzen für nährstoffangereicherte Lebensmittel festzulegen, scheiterte aber im Europa-Parlament. Kellogg’s befürchtet nun offenbar einen Präzedenzfall und will den dänischen Beschluss gerichtlich prüfen lassen. Anika Fiebich

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