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Lässt der Mond die Erde beben?

Gezeitenkräfte walken die beiden Himmelskörper kräftig durch. Und die Erde lässt immer wieder die Mondkruste erzittern. Gilt das auch umgekehrt?

Geologisch ist der Mond tot, hieß es lange – doch das ist eindeutig widerlegt. Die Apollo-Astronauten hatten bei ihren Kurzbesuchen zahlreiche Messgeräte zurückgelassen, darunter auch Bebenmesser. Diese bildeten ein automatisches seismisches Netzwerk. Alle vier Instrumente waren auf der Mondvorderseite installiert. 1977 wurden die Messungen aus Kostengründen eingestellt. Rund 13 000 Mondbeben hatten die Forscher bei ihrem jahrelangen Lauschangriff bis dahin aufgespürt. Im Datenwust fanden die Planetologen schon bald auffällige Korrelationen: „ Mondbeben häufen sich in monatlichen Zyklen“, sagt Martin Knapmeyer vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt. Dabei spielen der Abstand zur Erde sowie die Kreuzungspunkte zwischen Mond- und Erdbahnebene eine besondere Rolle. Ist damit auch bewiesen, dass die Mondbeben von den Gezeitenkräften der Erde bewirkt werden? So weit will der Berliner Bebenforscher nicht gehen: „Dieser Punkt gilt als offen. Es könnte sein, dass die Erde nur als Auslöser von Mondbeben fungiert, die ohne irdischen Einfluss auch irgendwann stattgefunden hätten.“

Der Mond verformt die Erdkruste

Verglichen mit den Beben auf der Erde sind die Mondbeben sehr schwach. Die meisten erreichen kaum Stufe 2 der Richterskala. Der Erdtrabant ist also zwar geologisch nicht tot, aber doch sehr, sehr ruhig. Anders unser Heimatplanet: „Auf der Erde entstehen viele Beben durch die Plattentektonik“, vergleicht Knapmeyer. Bei diesem Prozess verschieben sich die Platten der äußeren Gesteinsschichten gegeneinander und verzahnen sich dabei immer wieder. Spannungen bauen sich auf, die sich plötzlich entladen können – dann bebt die Erde. Aber hat auch der Mond etwas damit zu tun? Klar ist, dass die Gezeitenkräfte, an denen hauptsächlich der Mond, aber auch die Sonne mitwirken, nicht nur Ebbe und Flut verursachen. Die feste Erdkruste wird ebenfalls leicht verformt, allerdings wesentlich geringer als das Wasser der Ozeane. Die Stärke dieses Effekts ist ortsabhängig. Laut Jochen Zschau vom GeoForschungsZentrum Potsdam bewirkt er in Extremfällen einen Hub von fast einem halben Meter. Kann der kleine Mond wirklich die 81 Mal so massereiche Erde so stark beeinflussen, dass Erdbeben ausgelöst werden? Diese Frage verneinen die meisten Geophysiker. Manche Forscher haben zwar nach statistischen Korrelationen zwischen Gezeiten und Erdbeben gesucht. Doch ihre Resultate sind umstritten. „Das Problem ist, aus der Fülle der Erdbeben diejenigen herauszufiltern, bei denen der Mond einen Einfluss gehabt haben könnte“, meint Knapmeyer.

Doch jüngste Untersuchungen könnten eine Wende bedeuten: Analysen aus der Erdbebenzone vor Sumatra weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Beben und den Gezeiten hin. Nach den Plattenverschiebungen, die das fatale Tsunami-Beben Ende 2004 – Stufe 9,0 auf der Richterskala – dort bewirkt hat, sind solche Korrelationen zwar nicht mehr feststellbar. Doch verdächtig ist der Mond weiterhin. ■

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