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Mit „Kopf-Arbeit“ zu sportlicher Höchstleistung

Reines Muskeltraining reicht nicht – das Gehirn der Athleten muß ausgetrickst werde

„Höher-schneller-weiter“ – nach diesem Motto werden in wenigen Wochen Spitzenathleten aus aller Welt um olympische Medaillen kämpfen. Ob sich dabei die Hoffnung auf das begehrte Gold erfüllt, hängt von vielen Faktoren ab. Doch für Wissenschaftler der Universität Arkansas ist klar: Für eine sportliche Höchstleistung muß ein Athlet nicht nur seinen Körper trainieren, sondern auch sein Gehirn.

Dies zumindest ist die Philosophie von Prof. Barry Brown, Sportwissenschaftler und Trainer aus Fayetteville, Arkansas. Seit gut 20 Jahren beschäftigt er sich mit der Symbiose von Körper und Geist und entwickelt spezielle Trainingsprogramme, die dieses Konzept umsetzen. Brown geht davon aus, daß ein Sportler immer dann eine neue Höchstleistung vollbringt, wenn er R.O.N.I. austrickst. Brown meint damit bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn und Rückenmark: Sobald unser Körper seine Muskeln heftig spielen läßt, setzt das Gehirn die zwei Neurotransmitter Glyzin und Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) frei. Diese Botenstoffe dämpfen die Signale, mit denen Nervenzellen bei einer normalen Belastung die Muskelzellen antreiben. „Ein solcher Mechanismus schützt uns vor Überanstrengung – und damit vor Verletzungen“, erklärt Brown. Doch unter Streß oder in lebensgefährlichen Situationen wird R.O.N.I unterdrückt. Dann sind „übermenschliche“ Kraftanstrengungen möglich. Ziel von Browns Trainingsprogrammen ist es, diesen Schutzmechanismus abzuschwächen. „Wir wollen das Gehirn dazu bringen, weniger Glyzin und GABA auszuschütten“, erklärt der Forscher. „Oder es muß vermehrt stimulierende Substanzen wie Acetylcholin oder Norepinephrin freisetzen, um die Muskelaktivität anzuregen.“ Browns Studien haben gezeigt, daß diese leistungssteigernden Vorgänge dem Gehirn antrainiert werden können. Sein Rezept: Der Athlet braucht Konzentration, Motivation, harte Trainingsziele, Feedback, und vor allem Visualisierung. So landen Browns Basketballspieler 15 Prozent mehr Freiwürfe, wenn sich die Sportler vor dem Strafwurf die gewünschte Flugbahn des Balles vorstellen.

Browns erfolgreichstes Programm, das Exploder-System, setzt diese psychologischen Elemente um. Der Exploder ist ein simples Trainingsgerät. An einem höhenverstellbaren Arm hängt ein Ball mit flexibler Schnur. Die Sportler müssen unter Anleitung des Trainers zu dem Ball hochspringen, ihn berühren oder herunterziehen. „Mit diesem Drill wird eine mentale Verbindung zwischen Training und Wettkampf hergestellt – eine Eigenschaft, die bei den meisten Trainingsaufgaben fehlt“, so Brown. Das Resultat: In kurzer Zeit verbessert sich die Schnellkraft und anaerobe Leistung. So steigerte ein Basketballspieler seine Sprunghöhe innerhalb von nur fünf Wochen um 15 auf 95 Zentimeter. Brown ist überzeugt, daß hier nicht nur „die Übung den Meister macht“, sondern vor allem die mentale Stimulans. Ob sie jedoch tatsächlich die biochemischen Vorgänge im Gehirn verändert, konnte der Forscher nicht beweisen. Immerhin konnte er bei Experimenten mit Ratten deren Hochsprungkraft erheblich steigern. Unter den US-Athleten, die in wenigen Wochen um ihre sportliche Ehre kämpfen, haben einige am Exploder trainiert. Bleibt abzuwarten, ob sie damit tatsächlich höher, schneller und weiter kommen.

R.O.N.I.

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(Release Of Neural Inhibitors), zu deutsch „Freisetzung von Nerven-Hemmstoffen“. R.O.N.I. schützt den Körper vor physischer Überlastung. Bei Streßsituationen wird R.O.N.I unterdrückt, so daß extreme Anstrengungen möglich sind. Früher machte man plötzliche Adrenalin-Schübe für derartige Leistungen verantwortlich.

Exploder

ist ein Trainingsgerät, bei dem Athleten zu einem Ball an einem höhenverstellbaren Arm hochspringen. Es hilft aber nicht nur Ballsportlern auf die Sprünge. Auch Leichtathleten – insbesondere Weitspringer und Läufer – sowie Schwimmer und Turner erreichen neue Bestleistungen. Der Preis: etwa 2500 US-Dollar.

Anaerob

bedeutet „ohne Sauerstoff“. Der Körper hat zwei Möglichkeiten zur Energiegewinnung: Entweder verbrennt er Glucose mit Sauerstoff (aerob) oder ohne Sauerstoff (anaerob). Muß der Körper in kurzer Zeit große Kraftanstrengungen leisten, zum Beispiel beim 100-Meter-Lauf, dann werden durch die anaerobe Verbrennung Energiereserven schneller mobilisiert.

Désirée Karge

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