Spurensuche im Niemandsland: „Alzheimer" von Michael Jürgs - wissenschaft.de
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Spurensuche im Niemandsland: „Alzheimer“ von Michael Jürgs

Ein Viertel aller Deutschen über 85 leidet an der Alzheimer-Krankheit. Michael Jürgs hat über das todernste Thema ein spannendes, hochinformatives und sehr persönliches Buch geschrieben.

Ein Viertel aller Deutschen leidet an der Alzheimer-Krankheit. Michael Jürgs hat über das todernste Thema ein spannendes, hochinformatives und sehr persönliches Buch geschrieben. Weil die Medizin große Fortschritte macht, gibt es viele Alzheimer-Kranke – eine Million allein in Deutschland. Paradox? Nein, einfach zu erklären: Die moderne Medizin läßt den Durchschnittsdeutschen heute 76 Jahre alt werden. Und das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter rapide. Unter den 65- bis 70jährigen leiden rund 2 Prozent, unter den über 85jährigen rund 25 Prozent an der Krankheit, die das Gehirn langsam, aber unaufhaltsam verfallen läßt und alle Erinnerungen auslöscht. Michael Jürgs, Ex-Chefredakteur des „Stern“ und Autor von Bestsellern wie „Der Fall Romy Schneider“ und „Der Treuhänder“, nähert sich dem sensiblen Thema mit einem Kunstgriff: Er legt im Prolog offen, daß er fast nichts über das Hirnleiden wußte, bevor er daran ging, ein Buch darüber zu schreiben. Anschließend nimmt er den Leser mit auf den verschlungenen Pfaden seiner Recherche-Tour, wobei er und der Leser scheinbar meist gleichzeitig Neues erfahren – ein Prinzip, nach dem viele Krimis gestrickt sind. Jürgs geht der Frage nach, was die Wissenschaft heute über die Ursachen des Altersschwachsinns weiß. Er besucht die Labors der Pharmaindustrie und befragt Experten, welche Ansatzpunkte es gibt, um die Alzheimer-Krankheit stoppen oder gar heilen zu können. Er erfährt, wie spezialisierte Pflegeheime mit den Kranken umgehen. Besonders aber interessiert sich Jürgs für die Biographie des Mannes, nach dem die Krankheit benannt ist: von Alois Alzheimer, einem Irrenarzt aus Bayern, der von 1864 bis 1915 lebte. Durch Gespräche mit dessen Enkeln und durch einen Blick in zahlreiche Archive enthüllt Jürgs dem Leser nach und nach fesselnde Medizingeschichte. Weil er auch dem Schicksal der Kinder Alzheimers während des Dritten Reiches nachforscht – Alzheimers Frau war Jüdin –, endet die Historie im Buch nicht mit der Kaiserzeit. Zeitzeugen und wissenschaftliche Schüler haben übrigens nicht geahnt, daß es die Alzheimer-Krankheit ist, die einmal das Interesse auf die Person Alzheimer lenken würde. Sie hielten die Forschung des Psychiatrie-Professors zur Epilepsie und zum Syphilis-Schwachsinn für wesentlicher. Früher starben die Menschen eben nicht nach Jahren des geistigen Zerfalls an der Hirnerkrankung, sondern zum Beispiel an einer Lungenentzündung oder im Krieg. Weil Jürgs Biographie, Geschichte, aktuelle Wissenschaft und Krankenalltag sensibel miteinander verknüpft, informiert sein Buch nicht nur, sondern unterhält auch gekonnt. Dr. Frank Frick ist freier Wissenschaftsjournalist und hat selbst umfassend über das Thema Alzheimer recherchiert.

Michael Jürgs ALZHEIMER List Verlag München 1999 350 S., DM 39,90

Frank Frick / Michael Jürgs

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