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Viel Wirbel um Hale-Bopp

Hale-Bopp war einer der hellsten Kometen dieses Jahrhunderts, obwohl er 200 Millionen Kilometer weit an der Erde vorbeizog. Auch aus dieser großen Entfernung konnten die Astronomen Spannendes über sein Innenleben herausfinden.

Er war zwar nicht der Jahrhundertkomet, dennoch übertraf Hale-Bopp alle Erwartungen – nicht nur in Sachen Helligkeit, sondern auch, was das öffentliche Interesse angeht.

Die Europäische Südsternwarte ESO verzeichnete Ende März und Anfang April, als der Komet eindrucksvoll am Abendhimmel stand, täglich mehr als 50000 Aufrufe ihrer Kometen-Seite im Internet.

Um 5 Uhr 19 Mitteleuropäischer Zeit am Morgen des 1. April passierte Hale-Bopp den sonnennächsten Punkt seiner Bahn. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich noch etwa 137 Millionen Kilometer von der Sonne und rund 202 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Trotzdem schaffte er es auf der Rangliste der hellsten Kometen unseres Jahrhunderts auf Platz acht – noch vor dem Kometen Halley, der im Jahr 1910 nahe an der Erde vorbeiflog.

Vergleicht man die Bahndaten von Hale-Bopp mit früheren hellen Kometen, so steht der neue Komet gut da. Halley erreichte 1910 seine maximale Leuchtstärke in einem Sonnenabstand von 86 Millionen Kilometern und einer Erddistanz von 36 Millionen Kilometern. Absolut gesehen war Hale-Bopp hundertmal heller als Halley.

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Nur wenige von Hale-Bopps Vorgängern waren deutlich heller – sie zogen meist dicht an der Sonne vorbei: Der Komet Ikeya-Seki, der im Oktober 1965 mehr als 100mal heller als Venus leuchtete, gehörte zu den sogenannten „Sungrazern“, die bis auf wenige Millionen Kilometer an der Sonne „vorbeikratzten“ und dort fast verglühten.

Als Hale-Bopp Anfang April seinen sonnennächsten Punkt passierte, besaß er zwei ausgeprägte Schweife, die sich von der Erde aus gesehen über einen Winkel von mehr als 20 Grad (für den Ionenschweif) beziehungsweise 10 Grad (für den Staubschweif) erstreckten. Berücksichtigt man die perspektivische Verkürzung, so besaß der Gasschweif eine Länge von mehr als 100 Millionen Kilometern.

Was für ein Spektakel wäre es gewesen, wenn Hale-Bopp seine größte Sonnennähe etwa fünf Monate früher erreicht hätte: Er wäre dann Anfang Januar in einem Abstand von lediglich 16 Millionen Kilometern an der Erde vorbeigezogen, und wir hätten einen Himmelskörper noch heller als die Venus erlebt, mit deutlich längeren und helleren Schweifen.

Obwohl Hale-Bopp die Erde in respektvollem Abstand passierte, haben die Wissenschaftler eine Menge über ihn in Erfahrung gebracht. So konnten Kurt Birkle vom Max-Planck-Institut für Astronomie und Hermann Böhnhardt von der Universitäts-Sternwarte München schon recht früh die Rotationsperiode des Kometenkerns auf etwa 11,5 Stunden bestimmen. Wie schnell Kometenkerne rotieren, hat man im März 1986 zum ersten Mal mit der Sonde Giotto am Kometen Halley gemessen.

Die Aufnahmen der Astronomen mit verschiedenen Filtern zeigten unter anderem eine spiralförmige Struktur der Kometenkoma. Sie entsteht, wenn einige wenige aktive Gebiete an der Oberfläche des Kerns herumgewirbelt werden und dabei die in schmalen Bändern abdriftende Materie wie bei einem rotierenden Rasensprenger „aufgewickelt“ wird.

Die frühe Entdeckung von Hale-Bopp mehr als anderthalb Jahre vor dem Erreichen des sonnennächsten Punktes ist der starken Aktivität des Kometen zu verdanken. Sie ist den Messungen zufolge auf einen ungewöhnlich hohen Anteil an gefrorenem Kohlenmonoxid zurückzuführen, das bereits bei wesentlich geringeren Temperaturen als Wasser vom festen in den gasförmigen Zustand übergeht. So bildete Hale-Bopp bei seiner Annäherung an die Sonne schon früh eine leuchtende Koma aus Kohlenmonoxid-Gas.

Für die Radioastronomen war Hale-Bopp eine wahre Goldgrube: Sie konnten mehr als 30 verschiedene Molekülsorten in der Gashülle des Kometen identifizieren, darunter HCN (Blausäure) und CS (Kohlenmonosulfid), CH3CN (Methylcyanid) und HCOOH (Ameisensäure), CH3OH (Methanol) und C2H2 (Acetylen) – Moleküle also, die aus interstellaren Gas- und Staubwolken seit langem bekannt sind und die den interstellaren Ursprung des Sonnensystems bestätigen. Sie fanden aber auch Schwefeldioxid – zum erstenmal überhaupt bei einem Kometen.

Die „Produktionsrate“ für Kohlenmonoxid lag Anfang März bei etwa 21,5 Tonnen pro Sekunde; die für Wasser war etwa 12mal so hoch. Das übertraf die „Verdunstungsrate“ des Kometen Halley um mehr als das Zehnfache. Anhand dieser Zahlen schätzt Richard West von der Europäischen Südsternwarte, daß der vermutlich etwa 20 Kilometer große Kern von Hale-Bopp solche Verluste immerhin rund 265 Jahre ohne Pause würde durchhalten können, bis er sich völlig aufgelöst hätte. Da der Komet seine Aktivität aber nur über einige Wochen bis Monate auf einem solch hohen Niveau hält, könnte er leicht 1000 Umläufe vollenden, bis er aus dem Sonnensystem verschwunden ist.

Wiederkehren wird Hale-Bopp in etwa 2380 Jahren. Sollte er dann noch näher an Jupiter herankommen – diesmal waren es etwa 110 Millionen Kilometer – würde seine Bahn vielleicht so stark verändert, daß er zu einem kurzperiodischen Kometen würde, der dann alle paar Jahre als leuchtend heller Schweifstern am irdischen Firmament auftaucht.

Infos im Internet Mehr über Hale-Bopp: http://www.ESO.org/comet-hale-bopp/

Hermann-Michael Hahn

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