Was funktioniert, ist real: "Leben im Netz" von Sherry Turkle - wissenschaft.de
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Was funktioniert, ist real: "Leben im Netz" von Sherry Turkle

Wie kommt es, daß Menschen sich einem Computertherapie-Programm namens „Depression 2.0“ anvertrauen? Warum konstruieren sich ungezählte Internetbesucher in Online-Rollenspielen anonyme Identitäten und erschaffen komplexe Räume und Welten, in denen sie sich treffen, virtuelle Hochzeiten feiern und virtuellen Sex haben?

Für immer mehr Menschen findet heute ein beträchtlicher Teil ihres Lebens auf dem Computerbildschirm statt. Was für sie den Reiz des Mediums ausmacht, und wie Computer Leben und Kultur verändern, hat die Psychologin und Soziologin Sherry Turkle in rund 1000 Interviews mit Jugendlichen und Erwachsenen erkundet.

Anschaulich und stets nachvollziehbar beschreibt sie die Entwicklungen in der Forschung zur Künstlichen Intelligenz bis hin zu lernfähigen Programmen. Wenn Besucher einer virtuellen Spielwelt dem interaktiven Computerprogramm „Julia“ zweideutige Angebote machen, so ist das nur ein Beispiel für die von Turkle beobachtete Auflösung der Grenzen zwischen Mensch und Maschine, die sich in der Entwicklung und Programmierung künstlicher Lebensformen ebenso beobachten läßt, wie in den Diskussionsforen des Internet.

Turkle wertet die gegenwärtige Computerkultur als eine „Kultur der Simulation“, in der das Wissen um die Arbeitsweise der Maschine immer häufiger an der (Benutzer) Oberfläche bleibt. „In der Kultur der Simulation gilt, daß etwas real ist, wenn es funktioniert.“ Die Frage nach dem „Wie?“ wird von der Mehrzahl der Anwender gar nicht gestellt. Doch Turkle sieht im Netz auch ein großes Soziallabor, einen Freiraum für die persönliche Weiterentwicklung und Selbsterfahrung. Und sie liegt sicher nicht falsch, wenn sie voraussagt, daß Computer und virtuelle Realität in unserem Leben weiterhin an Einfluß gewinnen werden – Grund genug, das „Leben im Netz“ ernst zu nehmen.

Sherry Turkle LEBEN IM NETZ Identität in Zeiten des Internet Rowohlt Reinbek 1998 543 S., DM 48,-

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Susanne Webel / Sherry Turkle

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