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Interstellarer Komet 3I/ATLAS ist zwölf Milliarden Jahre alt
Astronomie & Physik

Interstellarer Komet 3I/ATLAS ist zwölf Milliarden Jahre alt

Der interstellare Komet 3I/ATLAS in einer Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops vom Juli 2025. · Foto: © NASA/ ESA, D. Jewitt (UCLA); J. DePasquale (STScI), CC-by 4.0

Weitgereister Methusalem: Der interstellare Komet 3I/ATLAS ist fast dreimal so alt wie unser Sonnensystem – er könnte schon vor zwölf Milliarden Jahren entstanden sein, wie Astronomen ermittelt haben. Der Uralt-Komet stammt zudem aus einer weit entfernten, äußeren Region unserer Milchstraße und wurde in einer extrem kalten Umgebung gebildet. 3I/ATLAS ist damit ein Relikt aus der Anfangszeit des Kosmos und unserer Galaxie.
Autor
Nadja Podbregar
23. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Astronomie & Physik

Der am 1. Juli 2025 entdeckte interstellare Komet 3I/ATLAS ist erst der dritte in unserem Sonnensystem entdeckte interstellare Besucher. Er hat am 29. Oktober 2025 den sonnennächsten Punkt seiner Bahn passiert und ist seither auf dem Weg aus unserem Sonnensystem hinaus. Schon erste Beobachtungen zeigten, dass 3I/ATLAS der schnellste, größte und wahrscheinlich älteste der extrasolaren Objekte ist. Außerdem enthält seine Gashülle weit mehr Methan als für Kometen des Sonnensystems üblich.

Was Deuterium und Kohlenstoff-Isotope verraten

Jetzt gibt es Neues zum Alter und Ursprung des interstellaren Kometen. Astronomen um Martin Cordiner vom Goddard Space Flight Center der NASA das James-Webb-Teleskops genutzt, um das Spektrum des Kometen 3I/ATLAS im Dezember 2025 aufzuzeichnen. Die im Nahinfrarot sichtbaren Spektrallinien zeigten nicht nur, welche Elemente und Moleküle der interstellare Komet ausgaste. Sie liefern auch Informationen zu den Isotopenverhältnissen bei Wasserstoff und Kohlenstoff.

NIRSpec-Aufnahmen

Diese Aufnahmen des NIRSpec-Instruments am James-Webb-Teleskop zeigen die Strahlungssignaturen der Moleküle Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. — © NASA/ESA/CSA, STScI, Martin Cordiner (CUA, NASA-GSFC); Image Processing: Alyssa Pagan (STScI)

„Die Isotopenverhältnisse liefern unschätzbar wertvolle Einblicke in die physikalischen und chemischen Bedingungen, unter denen sich 3I/ATLAS bildete“, erklären Cordiner und seine Kollegen. So verrät das Verhältnis des schweren Wasserstoffisotops Deuterium zum normalen Wasserstoff unter anderem, bei welchen Temperaturen und Strahlungsbedingungen der interstellare Komet entstand. Das Verhältnis der Kohlenstoffisotope 12C/13C liefert Hinweise auf Ort und Alter seiner Ursprungsregion.

Anders als fast alle Himmelskörper unserer Nachbarschaft

Die Analysen enthüllten: „Beide Isotopenverhältnisse von 3I/ATLAS sind im Vergleich zu bekannten Kometen und anderen Objekten des Sonnensystems extrem ungewöhnlich“, berichten die Astronomen. Typisch für „heimische“ Himmelskörper ist demnach ein Kohlenstoff-Verhältnis von 12C/13C zwischen 89 und 98. Doch beim interstellaren Kometen liegt dieser Wert zwischen 129 und 191, wie die Spektralsignaturen verrieten.

Damit unterscheidet sich 3I/ATLAS stark von allen Himmelskörpern unseres Sonnensystems. „Selbst außerhalb des Sonnensystems sind 12C/13C-Werte von mehr als 100 sehr selten“, erklären die Astronomen. Ein so hoher Kohlenstoff-13-Anteil könnte aber in den äußeren Bereichen der Milchstraße und bei sehr alten Objekten vorkommen. Was das konkret für 3I/ATLAS bedeutet, ermittelte das Team mithilfe von astrophysikalischen Modellen und ergänzenden Analysen der Metallizität – des Anteils schwerer Elemente.

Zwölf Milliarden Jahre alt und aus weiter Ferne

Das Ergebnis: Der interstellare Komet 3I/ATLAS könnte bereits rund zwölf Milliarden Jahre alt sein – fast dreimal so alt wie unser Sonnensystem. Damit ist dieser „fremde Besucher“ ein Relikt aus der Frühzeit des Kosmos. Auch der Stern, in dessen protoplanetarer Scheibe 3I/ATLAS einst entstand, muss demnach zu den frühesten Sternenpopulationen unserer Milchstraße gehört haben.

Außergewöhnlich auch: Dieser Methusalem-Komet kommt nicht aus der galaktischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems, sondern von weit her: Die Isotopenverteilung von 3I/ATLAS legt nahe, dass der Komet und sein Herkunftssystem in einer weit entfernten, von starker Strahlung bombardierten interstellaren Wolke entstanden, wie Cordiner und seine Kollegen berichten. Diese war mit Kohlenstoff und Sauerstoff aus Supernovae angereichert. „3I/ATLAS entstand demnach nach einer Periode intensiver, früher Sternbildung“, so die Astronomen.

Isotopenwerte

Isotopenwerte des interstellaren Kometen 3I/ATLAS im Vergleich zu Himmelskörpern des Sonnensystems. — © NASA/ESA/CSA, Martin Cordiner (CUA, NASA-GSFC), Leah Hustak (STScI)

Deuterium zeugt von extremer Kälte

Und noch etwas verraten die neuen Spektraldaten: Sie zeigen, dass 3I/ATLAS auch einen rekordträchtig hohen Anteil schweren Wasserstoffs aufweist. „Das Wasser des Kometen ist mit Deuterium angereichert: Das Verhältnis von Deuterium zu Wasserstoff liegt bei 0,98 Prozent – das ist mehr als eine Größenordnung höher als bei bekannten Kometen“, schreibt das Team. Dies bestätigt zum einen, dass 3I/ATLAS in einer Region mit früher und intensiver Sternbildung gebildet wurde.

Zum anderen zeigen diese Werte, dass der interstellare Komet unter extrem kalten Bedingungen entstand. „Die Anreicherung von Wasser mit Deuterium ist in Sternbildungsgebieten dann besonders effizient, wenn die Staubtemperaturen unter 20 bis 30 Kelvin liegen“, berichten Cordiner und seine Kollegen. Das bedeutet: Das Wassereis von 3I/ATLAS muss bei eisigen Temperaturen von minus 243 Grad Celsius entstanden sein. Der interstellare Komet stammt demnach vom Rand eines am Rand der Milchstraße gelegenen Herkunftssystems.

3I/ATLAS ist damit nicht nur größer und schneller als seine interstellaren Vorgänger 1I/’Oumuamua und 2I/Borisov. Die neuen Daten bestätigen auch, dass er extrem alt und weit gereist ist. Wo genau seine Heimat jedoch lag, ist unbekannt.

Quelle: Martin Cordiner (NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, USA) et al., Nature, 2026; doi: 10.1038/s41586-026-10771-6

3I/ATLASDeuteriuminterstellarer KometIsotopeJames-Webb-TeleskopSonnensystemSpektrum

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