Unsere Milchstraße hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seit ihrer Entstehung vor rund 13 Milliarden Jahren durchlebte sie immer wieder Verschmelzungen und Kollisionen. Der dramatischste Zusammenstoß ereignete sich vor rund zehn bis elf Milliarden Jahren, als unsere Galaxie mit ihrem damaligen Nachbarn, der Gaia-Sausage-Enceladus-Zwerggalaxie kollidierte. Dieses Ereignis zerriss die Nachbargalaxie völlig, gleichzeitig bekam die Milchstraße dadurch ihren zentralen Bulge.
Rätsel um „langsamen“ Halo
Doch wie sich jetzt zeigt, könnte die Kollision mit der Gaia-Sausage-Galaxie die Milchstraße noch in anderer Hinsicht verändert haben. Entdeckt haben dies Kirill Batrakov von der Durham University in England und sein Team, als sie eigentlich einer anderen Frage nachgingen: Warum der Halo der Milchstraße so langsam rotiert. Denn Messungen zeigen, dass dieser gasreiche, von alten Sternen erfüllte Außenbereich unserer Galaxie eine Netto-Rotation von nur 10 bis 20 Kilometer pro Sekunde aufweist – für einen galaktischen Halo ist dies nicht viel.
„Aber der Grund für diese schwache Rotation blieb bisher ein Rätsel“, erklären die Astronomen. Um dieses Rätsel zu lösen, haben sie Simulationen der Auriga-Suite genutzt, um die Entwicklung von 25 Milchstraßen-ähnlichen Galaxien über Milliarden Jahre nachzuvollziehen. Die hochauflösenden Auriga-Modelle rekonstruieren die kosmologischen und physikalischen Prozesse bei der Galaxienentwicklung bis ins Detail und bilden auch Interaktionen zwischen Galaxien ab.
Frontalkollision und Disk-Flip
Die Simulationen enthüllten: Wie schnell der stellare Halo einer Galaxie rotiert, ist kein Zufall. Denn wie die Astronomen feststellten, haben Galaxien mit einem besonders langsam rotierenden stellaren Halo zwei Gemeinsamkeiten: Sie durchlebten in ihrer Vergangenheit eine frontale Kollision mit einer Nachbargalaxie und sie kippten um. „Bei einem solchen Disk-Flip-Ereignis ändert die Sternenscheibe ihre Rotationsachse um mehr als 90 Grad“, erklären Batrakov und seine Kollegen.






