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Long Covid: Mit Allergiemittel und Gichtmedikament gegen die Fatigue?
Gesundheit & Medizin

Long Covid: Mit Allergiemittel und Gichtmedikament gegen die Fatigue?

Virale Spätfolgen: Long Covid äußert sich bei vielen Betroffenen in chronischen Erschöpfungszuständen. · Foto: © wildpixel/ iStock

Bisher gibt es für Long Covid kein Heilmittel. Doch zwei gängige Medikamente gegen Allergien und Gicht können die schwere Erschöpfung der Betroffenen zumindest lindern, wie eine Studie in Großbritannien zeigt: Die Kombination aus einem Antihistaminikum und dem Entzündungshemmer Colchicin verringerte bei Long-Covid-Patienten die Schwere der Fatigue signifikant. Ein Blutverdünner zeigte hingegen keine Wirkung.
Autor
Nadja Podbregar
09. Juli 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Die Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 hat bei vielen Betroffenen Spätfolgen hinterlassen: Sie leiden unter Kurzatmigkeit, Muskelschmerzen, Gedächtnisstörungen oder chronischer Erschöpfung. Wie beim Chronischen Fatigue Syndrom (ME/CFS) wird die Erschöpfung bei Long-Covid-Patienten durch Anstrengung schlimmer, im Extremfall führt diese postexertionelle Malaise sogar zu einem kompletten Kollaps. Die Ursachen der auch als Post-Covid bezeichneten Spätfolgen sind bisher unklar, ein wirksames Heilmittel gibt es nicht.

Gängige Arzneimittel im Test

Doch es gibt Hoffnung: Zwei gängige Arzneimittel könnten die Long-Covid-Erschöpfung zumindest in Teilen lindern, wie ein Team um Amitava Banerjee vom University College London herausgefunden hat. An ihrer klinischen Studie nahmen knapp 800 Long-Covid-Patienten mit Fatigue aus zwölf Kliniken in England und Schottland teil. Alle Betroffenen litten schon seit mehr als einem Jahr unter schweren Erschöpfungszuständen.

Die Teilnehmenden wurden in mehrere Gruppen eingeteilt und erhielten zwölf Wochen lang drei verschiedene Medikamente einzeln oder in Kombination. Zu den getesteten Arzneimitteln gehörten das gegen Allergiesymptome wirkende Antihistaminikum Amotidin/Loratadin, der Blutverdünner Rivaroxaban sowie der gegen Gicht eingesetzte Entzündungshemmer Colchicin. Einige Long-Covid-Patienten dienten als Kontrollgruppe: Sie erhielten keines der drei Medikamente und wurden weiter behandelt wie zuvor.

Das Ergebnis: Nach zwölf Wochen hatte sich die Fatigue bei allen Teilnehmenden leicht gebessert – um 4,3 von 40 Punkten. Dies galt auch für die Kontrollgruppe. „Es ist ermutigend, dass die Betroffenen aller Gruppen eine signifikante Verringerung ihrer Fatigue verspürten“, sagt Co-Autorin Melissa Heightman vom Klinikum des University College London. „Der Effekt ist größer als man allein durch das Verstreichen der Zeit erwarten würde.“ Sie sieht darin die positive Wirkung einer gezielten medizinischen Betreuung von Long-Covid-Patienten.

Verstärkter Effekt durch Wirkstoff-Kombination

Doch die Kombination von zwei der getesteten Medikamente erreichte mehr: Sie bewirkte eine zusätzliche Linderung der Fatigue. Betroffene, die das Antihistaminikum zusammen mit Colchicin einnahmen, senkten ihre Erschöpfung um weitere 1,5 Punkte, wie das Team berichtet. „Sowohl Antihistaminika als auch Colchicin beeinflussen das Immunsystem“, erklärt Banerjee. „Es könnte daher sein, dass sie die durch Long Covid gestörte Immunabwehr bessern. Aber es ist mehr Forschung nötig, um den potenziellen Mechanismus dafür zu verstehen.“

Die positive Wirkung der Medikamenten-Kombination hielt allerdings nicht über das Ende der zwölfwöchigen Einnahmezeit hinaus an. „Diese Wirkstoffe allein reichen demnach nicht, um die Symptome auch langfristig zu verbessern“, sagt Banerjee.

Wichtiger Ansatzpunkt für die Forschung

Dennoch sehen die Forschenden in ihren Resultaten einen wichtigen Fortschritt: „Dass diese sicheren, günstigen und für andere Krankheiten gebräuchlichen Medikamente zumindest eine leichte Wirkung zeigen, ist unglaublich wichtig“, kommentiert Danny McAuley vom National Institute for Health and Care Research (NIHR). „Denn dies kann helfen, die evidenzbasierte Behandlung dieses komplexen Leidens zu verbessern.“

Der Grund: Wenn ein Arzneimittel einen noch so kleinen Effekt zeigt, kann dies wertvolle Hinweise auf die zugrunde liegenden Mechanismen und mögliche Ansatzpunkte für eine noch wirkungsvollere Therapie liefern. „Dies hilft uns, die Biologie von Long Covid und seine immunologischen und entzündlichen Prozesse zu verstehen“, erklärt Co-Autorin Emma Wall von der Queen Mary University of London.

Keine Wirkung durch die Blutverdünnung

Dass ein solcher Hinweis auch in einem Negativ-Resultat bestehen kann, demonstrierte das dritte in der Studie getestete Medikament: Der Blutverdünner Rivaroxaban besserte die Fatigue der Long-Covid-Patienten nicht mehr als bei der Kontrollgruppe. Er zeigte demnach keine über die allgemeine Betreuung hinausgehende Wirkung. Interessant ist dies, weil Störungen der Blutgerinnung und Mikrothrombosen als mögliche Ursache für Long Covid gelten.

Aber zumindest dieser Blutverdünner scheint gegen die Long-Covid-Fatigue nicht zu helfen. „Unsere Resultate liefern keine Argumente für eine Einnahme von Antikoagulanzien gegen Long Covid“, sagt Banerjee.

Quelle: Amitava Banerjee (University College London) et al., The Lancet Infectious Diseases, 2026; doi: 10.1016/S1473-3099(26)00242-2

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