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Spinne fängt Ameisen mit Katapultnetz
Erde & Umwelt

Spinne fängt Ameisen mit Katapultnetz

Die Ballista-Spinne baut eine katapultartige Falle, die von ihrer Beute selbst ausgelöst wird. · Foto: © Ajay Narendra

Eine neu entdeckte australische Spinnenart nutzt eine außergewöhnliche Jagdtaktik, um aggressive Ameisen zu fangen: Sie baut aus ihren Fäden eine Art Katapult, das von der Beute selbst ausgelöst wird. Sobald eine Ameise die Verankerung der Schleuderfäden angreift, wird sie vom Boden gerissen und ins Netz der Spinne geschleudert – mit einer Beschleunigung, die selbst Raketenstarts übertrifft.
Autor
Elena Bernard
24. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Ameisen sind für Spinnen als Beute eigentlich wenig attraktiv: „Ameisen verfügen über eine Reihe chemischer Abwehrmechanismen und sie nutzen Alarmsignale, um schnell Hunderte oder sogar Tausende Artgenossen als Verstärkung herbeizurufen, um potenzielle Fressfeinde abzuwehren“, erklärt Ajay Narendra von der Macquarie University in Sydney. Als eine besonders aggressive Art gilt die Grüne Weberameise (Oecophylla smaragdina), die unter anderem im Norden Australiens vorkommt. Die sozialen Insekten greifen Eindringlinge und Fressfeinde zu Hunderten mit schmerzhaften Bissen an.

Aufgespannte Falle

Doch ausgerechnet auf diese Ameisen hat sich eine Spinnenart spezialisiert, die Narendra und sein Team im Regenwald von Queensland in Nordaustralien entdeckt haben. Um dem koordinierten Angriff der aggressiven Insekten zu entgehen, hat die Ballista-Spinne eine außergewöhnliche Taktik entwickelt: Sie baut eine Art Katapult, das von den Ameisen selbst ausgelöst wird und sie ins weiter oben aufgespannte Netz der Spinne schleudert.

Tagsüber versteckt sich die Spinne unter einem Blatt eines von Grünen Weberameisen bewohnten Baums. Nacht kommt sie hervor und installiert ihre Falle an einer der Wanderrouten ihrer Beute. Dazu spannt sie 15 bis 60 Fäden zwischen ihrem höhergelegenen Hauptnetz und dem Substrat und verankert sie mit einer kegelförmigen Konstruktion. Im letzten Schritt umhüllt sie diesen Kegel mit Seidenfäden und zieht sich anschließend rasch nach oben zurück.

Extreme Beschleunigung

Kaum ist die Falle aufgestellt, kommt eine Ameisenarbeiterin, um das Gebilde zu untersuchen. Innerhalb von Sekunden geht sie zum Angriff über, stellt aggressiv ihren Hinterleib auf und beißt kräftig in den Kegel. Dadurch löst sich die Verankerung und der gespannte Faden schnellt innerhalb von Millisekunden nach oben. Die Ameise, die noch mit ihren Mundwerkzeugen am Kegel hängt, wird in die Höhe gerissen und ins Spinnennetz geschleudert. Dabei wird sie mit über 1300 Meter pro Quadratsekunde beschleunigt. Das entspricht einer Beschleunigung von 133 g. Zum Vergleich: Bei einem Raketenstart erreicht ein Mensch etwa vier bis fünf g.

„Die Falle speichert elastische Energie in den gespannten Seidenfäden und setzt sie schlagartig frei – ähnlich wie eine vorgespannte Feder“, erklärt Narendras Kollege Jonas Wolff. „Die dabei erreichten Leistungswerte liegen um mehrere Größenordnungen über dem, was Muskeln allein erzeugen könnten und übertrifft auch andere Spinnen mit katapultartigen Fangnetzen.“ Der Grund, warum eine solche extreme Leistungsdichte erforderlich ist, liegt dem Team zufolge wahrscheinlich darin, dass die Ameisen aufgrund von Haftpolstern an ihren Füßen nur sehr schwer vom Boden zu reißen sind. „Die Kontraktion des Spannseilbündels muss also eine Kraft überwinden, die ein Vielfaches des Körpergewichts der Ameise beträgt“, sagt Narendra.

Pheromone als Lockstoff?

Für die Spinne bietet diese Jagdstrategie den Vorteil, dass sie einzelne Ameisen von ihren Artgenossen isoliert. Sie muss sich ihrer wehrhaften Beute zudem erst nähern, wenn sich diese bereits in den Fäden des Netzes verstrickt hat. Das verringert ihr Risiko, selbst angegriffen zu werden. Soweit das Forschungsteam beobachten konnte, ernährt sich diese Spinne ausschließlich von Grünen Weberameisen. Andere Ameisenarten ignorieren die gespannten Fallen, selbst wenn sie unmittelbar daran vorbeikrabbeln.

Narendra und seine Kollegen vermuten deswegen, dass die Ballista-Spinne ihre Fallenkegel in der letzten Bauphase mit Pheromonen versieht, die gezielt Grüne Weberameisen anlocken und zum Angriff animieren. „Dies scheint der einzige bekannte Fall zu sein, in dem ein Spinnennetz darauf ausgelegt ist, eine einzige Beuteart zu fangen, und in dem der Mechanismus durch die Beute und nicht durch das Raubtier ausgelöst wird“, sagt Narendra. „Die Katapult-Falle verdeutlicht, wie eine extreme ökologische Spezialisierung die Entwicklung außergewöhnlicher biomechanischer Leistungsfähigkeit vorantreiben kann.“

Quelle: Ajay Narendra (Macquarie University, Sydney, Australien) et al., Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2026.04.066

AmeisenAustralienFangnetzRäuber-Beute-BeziehungSpinne

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