Reptilien, Amphibien und Co. lassen sich wärmen – bei vielen Lebewesen entspricht die Körpertemperatur ungefähr den Umgebungswerten. Doch bei den Säugetieren und Vögel ist das bekanntlich nicht der Fall: Durch ihren hohen Stoffwechsel halten sie ihren Körper konstant auf einer für sie optimalen Betriebstemperatur. Diese beiden wissenschaftlich als Ektothermie und Endothermie bezeichneten Konzepte haben dabei Vor- und Nachteile: Wechselwarme Tiere besitzen zwar einen vergleichsweise geringen Energiebedarf. Bei kühlen Bedingungen werden sie allerdings zunehmend träge. Durch ihre innere Heizung können Vögel und Säugetiere dagegen flink und vital bleiben. Allerdings benötigen sie vergleichsweise viel Nahrung, um sich den hohen Stoffwechsel leisten zu können.
Im Fall der Dinosaurier nahm man lange an, dass sie wie die Reptilien wechselwarm waren. Doch das Bild von den trägen Kaltblütern hat sich mittlerweile deutlich gewandelt. Es gibt zwar noch einige Unklarheiten zur Thermophysiologie der Dinosaurier, doch aus verschiedenen Hinweisen geht hervor, dass zumindest einige Vertreter warmblütig waren. Dies liegt vor allem bei den bereits gefiederten Dinosaurier-Vorfahren der Vögel nahe. Außerdem verweisen bestimmte Substanzen in Knochen und Eiern sowie charakteristische Wachstumsraten bei einigen Arten auf Endothermie. Einen weiteren Hinweis bildet der Aspekt, dass Fossilienfunden zufolge bestimmte Dinosaurierarten auch in kalten Regionen der Erde dauerhaft leben konnten.
Dem Ursprung der Entwicklung auf der Spur
Bisher ist allerdings unklar geblieben, wann es zu der Schlüsselentwicklung der Endothermie in der Entwicklungsgeschichte der Dinosaurier gekommen sein könnte. Dieser Frage haben sich nun die Forschenden um Alfio Alessandro Chiarenza vom University College London gewidmet. Das Team hat dazu Informationen zu Fossilien von verschiedenen Fundorten der Welt ausgewertet, die aus der gesamten Dinosaurierära von vor 230 bis 66 Millionen Jahren stammen. In dieser Zeitspanne hat sich das Gesicht der Erde durch die Plattentektonik stark gewandelt. Durch Modellierungen haben die Forschenden deshalb bestimmt, wo sich die Fundorte zu Lebzeiten der verschiedenen Dinosaurierspezies befunden haben und damit, unter welchen Klimabedingungen sie existierten.
Wie das Team berichtet, zeichneten sich in den Auswertungsergebnissen bei zwei wichtigen Entwicklungslinien der Dinosaurier charakteristische Trends ab. Es handelt sich dabei um die Theropoden, zu denen etwa die Tyrannosaurier und Velociraptoren gehörten, sowie die Ornithischia, deren prominente Mitglieder etwa Stegosaurus und Triceratops bilden. Beide Gruppen brachten während des frühen Jura-Zeitalters vor etwa 180 Millionen Jahren Vertreter hervor, die sich in damals relativ kalten Klimazonen der Erde ausbreiteten, berichten die Forschenden. Darin sehen sie einen deutlichen Hinweis darauf, dass sie dazu schon mit der Fähigkeit zur Entwicklung eigener Körperwärme ausgestattet waren.





