Nur 20 Millionen Jahre, nachdem der Urvogel Archaeopteryx lebte, war der heutige Nordosten von China bereits von zahlreichen Piepmätzen bevölkert. Die meisten ernährten sich von Insekten oder kleinen Wassertieren, doch einige pickten wie heutige Vögel Samenkörner und verstauten sie anschließend in einem Kropf, berichten jetzt Forscher um Xiaoting Zheng. Die Forscher vermuten, dass der Körner-Konsum Hand in Hand mit dem Verlust der Zähne ging.
Die Forscher untersuchten mehr als hundert Fossilien verschiedener Vogelarten, die etwa 120 Millionen Jahre alt sind und damit aus der frühen Kreidezeit stammen. Bei drei gut erhaltenen Fossilien fanden sie Hinweise auf einen Kropf: Vor dem Brustkorb der drei Exemplare entdeckten die Forscher Ansammlungen eng zusammen gepresserter, versteinerter Körner. An der Stelle, wo sich die Körner befanden, liegt bei vielen heutigen Vögeln der Kropf.
Der Kropf ist eine Art Vorratskammer in der Speiseröhre. Enten, Tauben, Hühner oder auch Flamingos benutzen ihn als Zwischenlager für Samenkörner. Die Nahrung wird dort auch eingeweicht. Weil Vögel keine Zähne haben, können sie die Körner nicht im Mund zerkleinern. Diese Arbeit erledigt der so genannte Kau- oder Muskelmagen, ein oft mit Steinchen gefülltes, muskulöses Verdauungsorgan. Auch viele Reptilien, zum Beispiel Krokodile, besitzen einen Muskelmagen. Zheng und Kollegen fragten sich daher, wann sich das spezialisierte Verdauungssystem der Vögel mit Kropf entwickelt hat.
Die Entdeckung der Fossilien zeigt, dass die Vögel schon früh mit dem Verzehr von Körnern begannen. Denn eine der beiden Arten mit Kropf war Sapeornis chaoyangensis, ein urtümlicher Vogel, der noch Krallen an den Flügeln und Zähne im Oberkiefer besaß. Die andere Art, ein Watvogel namens Hongshanornis, war dagegen schon recht weit entwickelt und zählt zu den wenigen Arten der frühen Kreidezeit ohne Zähne. Die Art gehört zu der Linie, aus denen die modernen Vögel hervorgingen. Die Forscher vermuten, dass die Entwicklung des Kropfes und de Rückentwicklung der Zähne zusammenhingen.
Was für Samen die Urvögel verspeisten, können die Forscher nicht genau sagen. Die Blütenpflanzen, deren Früchte Vögel heute vielfach verspeisen, begannen sich damals erst zu entwickeln. Gräser gab es noch nicht. Die Forscher vermuten daher, dass die beiden Arten die Samen von Koniferen und Gingkos aufpickten. Allerdings passt die Größe der Körner im Kropf nicht zu bekannten Baumarten.
Xiaoting Zheng (Linyi Universität, China) et al.: Proceedings of the National Academy of Sciences Online-Vorabausgabe wissenschaft.de – Ute Kehse





