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Astronomie+Physik

Asteroiden im Dreierpack

Der bereits 1866 entdeckte Asteroid 87 Silvia reist nicht alleine durchs All, sondern wird von zwei kleineren Verwandten begleitet. Das hat ein amerikanisch-französisches Astronomenteam auf Bildern entdeckt, die das “ Very Large Telescope“-Array der europäischen Südsternwarte aufgenommen hat. Einer der beiden kleinen Asteroiden, die 87 Silvia wie zwei winzige Monde umkreisen, war schon im Jahr 2001 auf Aufnahmen des Keck-Teleskops aufgetaucht. Die Entdeckung des zweiten Begleiters macht die Gruppe nun jedoch zum ersten bekannten Dreifach-Asteroidensystem.

87 Sylvia gehört mit einem Durchmesser von knapp 300 Kilometern zu den größten Objekten des Asteroidengürtels , der sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter durch das Sonnensystem zieht. Er umkreist die Sonne auf einer Umlaufbahn, die dreieinhalb mal so weit von der Sonne entfernt ist wie die der Erde. Franck Marchis und seine Kollegen beobachteten den Kleinplaneten zwei Monate lang mithilfe von Yepun, einem der Teleskope des VLT-Arrays im chilenischen Paranal. Auf den 27 Aufnahmen, die das Teleskop lieferte, war jedes Mal der bereits bekannt kleine Begleiter zu sehen. 12 der Bilder zeigten jedoch einen weiteren, noch kleineren Weggefährten, berichten die Forscher.

Da 87 Sylvia nach Rhea Silvia, der mythischen Mutter der Romgründer Romulus und Remus benannt ist, schlugen die Astronomen vor, die beiden kleinen Asteroiden „Romulus“ und „Remus“ zu nennen. Der bereits 2001 entdeckte Romulus hat einen Durchmesser von etwa 18 Kilometern und umkreist Sylvia alle 87,6 Stunden in einer Entfernung von 1360 Kilometern. „Remus“, der neueste Familienzuwachs, misst nur 7 Kilometer im Durchmesser und benötigt für seinen Umlauf in 710 Kilometern Entfernung 33 Stunden.

Die neuen Bilder ermöglichten den Astronomen auch eine genauere Analyse von 87 Sylvia: Geformt wie eine unregelmäßige Kartoffel, besteht der Asteroid hauptsächlich aus Eis und Gesteinsstücken eines oder mehrerer anderer Kleinplaneten. Entstanden ist das ungewöhnliche Dreiergespann wahrscheinlich infolge einer Kollision zweier Asteroiden, schreiben die Forscher. Aus den großen Bruchstücken eines solchen Zusammenstoßes bildete sich demnach der große Mutterasteroid, während die Minimonde wahrscheinlich kleinere Trümmer der Kollision sind, die von dem neuen Asteroiden angezogen wurden. Sollte sich diese Entstehungstheorie bestätigen, müsste es nach Ansicht von Marchis und seinen Kollegen noch eine ganze Reihe weiterer Dreiersysteme unter den Asteroiden geben, die bislang nur noch nicht gefunden wurden.

Franck Marchis (University of California, Berkeley) et al.: Nature, Bd. 436, S. 822

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