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Bruch durch Basel: Verwerfung des verheerendsten Erdbebens Mitteleuropas entdeckt

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Alle steinernen Häuser haben Schaden genommen, schrieb ein zeitgenössischer Chronist über das Erdbeben von 1356 in Basel, dem seit Menschengedenken verheerendsten in Zentraleuropa. In einem Umkreis von 200 Kilometern stürzten Häuser, Kirchen und Burgen ein. Forscher aus Frankreich und der Schweiz haben nun die Bruchzone südlich von Basel entdeckt. Der Bruch sei immer noch sehr aktiv, warnen die Geologen auf einer Pressekonferenz in Basel. Es sei jetzt an der Zeit, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Bei ihren Untersuchungen der Gesteinsschichten am Bruch fanden die Forscher, dass Basel alle 1.500 bis 2.500 Jahre von einem schweren Erdbeben geschüttelt wurde. Neben dem 1356er Beben hat die Erde im Raum Basel auch zwischen 890 n. Chr. und 850 v. Chr. und zwischen 850 v. Chr. und 6480 v. Chr. heftig gezittert, berichten die Geologen im Fachmagazin Science.

Damit werde Basel in diesem Jahrhundert möglicherweise kein massives Erdbeben erleben, sagt Peter Huggenberger von der Universität Basel. Der Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes, Domenico Giardini, macht aber klar, dass Zyklen von über 1.000 Jahren nur vermeintlich lange sind: „Wenn wir davon ausgehen, dass Basel irgendwann in den nächsten 1.000 Jahren von einem heftigen Erdbeben erschüttert wird, liegt das Risiko für einen heute Geborenen bei beinahe zehn Prozent.“ Und die Bauvorschriften seien nicht auf ein Erdbeben der Stärke des 1356er-Bebens ausgelegt. Schätzungen zufolge würden vier Prozent der Bauten einstürzen. Versicherungen und öffentliche Ämter gehen laut Giardini von Schäden in der Höhe von 60 bis 100 Milliarden Mark aus.

Die ersten Hinweise auf den Ort der Bruchzone fanden die Geologen in historischen Zeugnissen. So habe ein Priester aus Avignon Risse in der Erde erwähnt, sagt Mustapha Meghraoui von der Universität Strasbourg und Hauptautor der Studie. Zudem hatten die gut dokumentierten Schäden an Burgen den Weg zum Bruch gewiesen. Mit bodendurchdringendem Radar, Reflexionsseismik, Messungen des elektrischen Widerstandes und mehreren Sondierunggrabungen entdeckten die Forscher schließlich die Bruchzone, die sich mindestens vom Juragebirge über acht Kilometer bis nahe an Basel erstreckt. Wahrscheinlich aber stoße der Bruch gar mitten ins Herz der Rheinstadt, sagt Meghraoui.
Im ausgebaggerten Graben ist der Bruch deutlich zu erkennen. Eine gerade Linie trennt den grauen gepreßten Sand von der dunkelbraunen mit Steinen durchsetzten Erde. Der Sand sei Teil des einen Erdblocks, erklärt Bertrand Delouis von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Die Erde dagegen sei bei Erdstößen, durch Flussablagerungen und andere Prozesse aufgeschüttet worden und liege auf dem andern Erdblock, der rund fünfzig Meter tief liegt. Der Riß zwischen den beiden Erdblöcken aber dringe bis in 10 bis 15 Kilometer Tiefe, sagt Delouis. Die 50 Meter hohe Verwerfung hat sich in mehreren hunderttausend Jahren bei Erdbeben aufgetürmt. Die drei Beben in den vergangenen 8.500 Jahren hatten die Blöcke um beinahe zwei Meter gegeneinander verschoben, fanden die Forscher. In Basel ist in wenigen Jahren eine Abschätzung der Erdbebengefährdung von einzelnen Quartieren oder gar Häusern möglich. Die Forscher arbeiten zur Zeit an einer für die Schweiz einmaligen Mikrozonierung, die Aufschluß über den Untergrund unter Basels Häusern gibt. Die Zerstörungen der letzten großen Erdbeben in Los Angeles oder der Türkei hätten gezeigt, dass der lokale Untergrund die Belastungen der Bauten stark beeinflusse, sagt Huggenberger. So müßten Gebäude auf weichem Untergrund – als würden sie auf Pudding stehen – weitaus größeren horizontalen Auslenkungen stand halten als auf Fels gebaute Häuser. Dabei würden viele der heutigen Gebäude schon bei der durchschnittlichen Erdverschiebung des 1356er Bebens von rund zwanzig Zentimetern Schaden nehmen.

Marcel Falk
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