Bislang war allerdings unklar, wann der Meeresspiegel auf etwa 50 Meter unter dem heutigen Niveau anstieg, so dass Beringia unterging. Da im Arktischen Ozean an vielen Stellen nur wenig Sediment abgelagert wurde ? etwa ein Zentimeter in tausend Jahren ? ließ sich die Geschichte des versunkenen Subkontinents nicht im Detail nachvollziehen. Die Forscher um Keigwin bohrten nun während einer Expedition im Jahr 2002 mit dem Eisbrecher “Healy” mehrere Kerne aus dem Meeresboden der nordwestlich von Alaska gelegenen Tschuktschensee. Dort waren die Ablagerungen viel dicker als bisherige Proben vom Meeresboden, so dass die Forscher nun recht genau sagen können, wann sich die Meerespassage zum Nordpolarmeer öffnete.
Der Untergang der Landbrücke ereignete sich ungefähr zur gleichen Zeit, als nach Meinung vieler Anthropologen die Ureinwohner Amerikas von Asien aus einwanderten. Womöglich waren sie schon gezwungen, mit Booten von einem Kontinent zum anderen überzusetzen, vermuten nun die Forscher um Keigwin.
Die Klimaforscher stellten außerdem fest, dass sich in der Arktis während der Eiszeit wesentlich mehr Eis bildete als bislang angenommen. “Wir haben tiefe Canyons im Kontinentalschelf entdeckt, die entstanden, als die Eisschilde schmolzen. Auch die erhöhte Sedimentationsrate brachte uns zu dieser Erkenntnis”, berichtet Mitverfasser Neill Driscoll vom Scripps-Institut für Ozeanographie. Vor etwa 7.000 Jahren waren alle Gletscher geschmolzen, seit dieser Zeit lagerte sich kaum noch Sediment in der Tschuktschensee ab. Die Öffnung der Landbrücke ist für die Klimageschichte des Nordpolarmeers ein wichtiges Ereignis, da die Arktis dadurch mit dem Nordpazifik verbunden wurde.





