Das Ende von Beringia - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik Erde+Klima

Das Ende von Beringia

Die Landbrücke zwischen Asien und Nordamerika verschwand schon etwa ein Jahrtausend früher als bislang angenommen unter Wasser: Schon vor 11.000 bis 12.000 Jahren wurde die fruchtbare eiszeitliche Graslandschaft Beringia überflutet, haben Lloyd Keigwin von der Woods Hole Oceanographic Institution und seine Kollegen entdeckt.

Während der letzten Eiszeit, die ihren Höhepunkt vor etwa 20.000 Jahren erreichte, lag der Meeresspiegel 120 oder 130 Meter tiefer als heute. Die ausgeprägten Schelfgebiete zwischen Alaska und Sibirien waren damals nicht vom Meer bedeckt, sondern bildeten einen fruchtbaren Lebensraum, in dem sich Mammuts, Woll-Nashörner, Rentiere und Moschusochsen tummelten. Wegen des vorherrschenden trockenen Klimas konnten sich auf dem etwa 34 Millionen Quadratkilometer großen Areal keine Gletscher ausbilden.

Bislang war allerdings unklar, wann der Meeresspiegel auf etwa 50 Meter unter dem heutigen Niveau anstieg, so dass Beringia unterging. Da im Arktischen Ozean an vielen Stellen nur wenig Sediment abgelagert wurde ? etwa ein Zentimeter in tausend Jahren ? ließ sich die Geschichte des versunkenen Subkontinents nicht im Detail nachvollziehen. Die Forscher um Keigwin bohrten nun während einer Expedition im Jahr 2002 mit dem Eisbrecher „Healy“ mehrere Kerne aus dem Meeresboden der nordwestlich von Alaska gelegenen Tschuktschensee. Dort waren die Ablagerungen viel dicker als bisherige Proben vom Meeresboden, so dass die Forscher nun recht genau sagen können, wann sich die Meerespassage zum Nordpolarmeer öffnete.

Der Untergang der Landbrücke ereignete sich ungefähr zur gleichen Zeit, als nach Meinung vieler Anthropologen die Ureinwohner Amerikas von Asien aus einwanderten. Womöglich waren sie schon gezwungen, mit Booten von einem Kontinent zum anderen überzusetzen, vermuten nun die Forscher um Keigwin.

Die Klimaforscher stellten außerdem fest, dass sich in der Arktis während der Eiszeit wesentlich mehr Eis bildete als bislang angenommen. „Wir haben tiefe Canyons im Kontinentalschelf entdeckt, die entstanden, als die Eisschilde schmolzen. Auch die erhöhte Sedimentationsrate brachte uns zu dieser Erkenntnis“, berichtet Mitverfasser Neill Driscoll vom Scripps-Institut für Ozeanographie. Vor etwa 7.000 Jahren waren alle Gletscher geschmolzen, seit dieser Zeit lagerte sich kaum noch Sediment in der Tschuktschensee ab. Die Öffnung der Landbrücke ist für die Klimageschichte des Nordpolarmeers ein wichtiges Ereignis, da die Arktis dadurch mit dem Nordpazifik verbunden wurde.

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Lloyd Keigwin (Woods Hole Oceanographic Institution, Woods Hole, Massachusetts) et al.: Geology, Bd. 34, S. 861 Ute Kehse
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