Das Erdmagnetfeld schwächelt erst seit 1840 - wissenschaft.de
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Das Erdmagnetfeld schwächelt erst seit 1840

Das Magnetfeld der Erde nimmt erst seit etwa 150 Jahren stark ab, während es die Jahrhunderte zuvor vergleichsweise konstant war. Das haben Geophysiker um David Gubbins von der Universität in Leeds in einer Auswertung herausgefunden, in der neben Messdaten von Geologen auch historische Aufzeichnungen von Schiffskapitänen einflossen. Der derzeitige Trend, nachdem das Magnetfeld pro Jahrhundert um etwa fünf Prozent schwächer wird, sei daher nur ein erst seit kurzem auftretendes Phänomen. Hält diese Entwicklung jedoch an, wird das Erdmagnetfeld in ein bis zwei Jahrtausenden zumindest vorübergehend verschwinden.

Der Kompass war in China zwar bereits vor zweitausend Jahren bekannt, doch erst seit 1837 können Wissenschaftler die Stärke des Erdmagnetfelds präzise bestimmen. Damals maß der deutsche Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß mit einem so genannten Magnetometer erstmals exakt jene magnetische Kraft, die Kompassnadeln anzieht und die Erde vor geladenen Teilchen des Sonnenwindes schützt. Dieses Magnetfeld der Erde wird durch die Bewegung gewaltiger Mengen flüssigen Eisens im äußeren Erdkern erzeugt. Da die Bewegung durch die Drehung der Erde beeinflusst wird, sprechen Wissenschaftler auch vom Geodynamo.

Veränderungen dieser Eisenströme im Erdinneren führten in der Erdgeschichte etwa alle 250.000 Jahre zu einer Umpolung des Erdmagnetfelds, fanden Geophysiker bei der Untersuchung eisenhaltigen Gesteins heraus. Eine solche Umpolung, bei der das Magnetfeld kurzzeitig verschwindet, könnte der Erde nun wieder bevorstehen, vermuten viele Wissenschaftler. Sie stützen sich dabei auf die Beobachtung, nach der das Magnetfeld seit den ersten Messungen Mitte des 19. Jahrhunderts stark abgenommen hat.

Dieser Trend setzte jedoch erst damals ein, wie Gubbins und seine Kollegen nun nachwiesen. Die Forscher sammelten für ihre Analyse eine Fülle von Daten: In die Auswertung flossen Aufzeichnungen von Schiffskapitänen, die in ihren Logbüchern die Kompasskurse ihrer Segelrouten festhielten, ebenso ein wie Analysen vulkanischer Gesteine, bei denen sich Eisenpartikel beim Erkalten nach dem Erdmagnetfeld ausgerichtet hatten und so dessen Ausrichtung bis heute konservieren. Auch gewannen die Forscher Daten aus historischen eisenhaltigen Lehmziegeln. Für die Zeit von 1590 bis etwa 1840 ergeben die Daten nur eine sehr geringe Abnahme des Erdmagnetfelds, stellten die Forscher fest. Erst danach ging es mit dem Magnetfeld steil bergab. Unklar ist daher, ob die derzeit beobachtete Abnahme tatsächlich auf eine kommende Umpolung hindeutet.

David Gubbins ( Universität in Leeds): Science, Bd. 312, S. 900 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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