Das Geheimnis des steinernen Blitzes - wissenschaft.de
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Das Geheimnis des steinernen Blitzes

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Bei einem Blitzeinschlag in den Sand entstehen die meist röhrenförmigen Fulguriten. Foto: Luna04/Wikipedia
Versteinerte Blitze können Aufschluss über die Vegetationsgeschichte einer Region geben, haben Forscher aus Mexiko gezeigt. Diese wurzelähnlichen so genannten Fulguriten entstehen, wenn ein Blitz in Wüstensand einschlägt und diesen durch die hohen Temperaturen zum Schmelzen bringt. Zurück bleibt ein karottenförmiges Gebilde aus einem glasähnlichem Material. Anhand der darin eingeschlossenen Gasbläschen lässt sich der Pflanzenbewuchs zur Zeit des Einschlags rekonstruieren, erklären die Wissenschaftler um Rafael Navarro-Gonzales. Diese Blitzmethode kann ihrer Ansicht nach andere Verfahren zur geschichtlichen Einordnung von Vegetationsperioden ergänzen.

Bei der Untersuchung eines Fulguriten aus der Libyschen Wüste fielen den Forschern kleine hohle Bläschen auf, die in dem zu Quarzglas umgeschmolzenen Sand eingeschlossen waren. Sie öffneten die Bläschen mit einem Laserstrahl und fanden die eingeschlossenen Gase Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Stickstoffmonoxid. Aus dem Verhältnis bestimmter Erscheinungsformen dieser Stoffe, den so genannten Isotopen, und dem Kohlenstoffanteil in den Proben konnte der Chemiker Navarro auf den Pflanzenbewuchs zur Zeit des Blitzeinschlags schließen. Demzufolge war das südwestliche Ägypten mit leichter Vegetation bewachsen, wie es heute im südlicher gelegenen Sahel typisch ist.

Mit einem chemischen Verfahren bestimmten die Forscher das Alter des Fulguriten auf 15.000 Jahre. Damit war bestätigt, dass die so genannten halbtrockenen Klimabedingungen der Sahelzone sich damals bis auf 24 Grad nördlicher Breite ausdehnten. Heute hat die Sahara diese auf 17 Grad nördlicher Breite zurückgedrängt.

Der zu Quarz umgeschmolzene Sand ist ein seltener Fund in Wüstengegenden. Trotzdem zählen die Fulguriten zu begehrten Souvenirs von Touristen. Die auch Blitzröhren genannten Minerale haben meist eine karotten-, wurzel- oder röhrenartige Form. Die größten Funde erreichen eine Länge von bis zu drei Metern.

Science, Online-Dienst Originalarbeit der Forscher: Rafael Navarro-Gonzalez (Nationaluniversität Mexiko City) et al.: Geology, Bd. 35, S. 171 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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