von THORSTEN DAMBECK
Die gewaltigen Vulkane sind ein charakteristisches Merkmal des Mars. In der nach einem biblischen Land benannten Tharsis-Region residiert Olympus Mons. Er ist der größte Marsvulkan und überragt das mittlere Planetenniveau um 21,9 Kilometer. Die Ausdehnung seines Vulkanschilds entspricht der Landfläche Polens. Zudem gehört er zu den höchsten Bergen im Sonnensystem. (Nur auf dem Planetoiden Vesta ragt ein Gipfel 600 Meter höher empor; er wurde erst im vergangenen Jahrzehnt von der NASA-Sonde Dawn vermessen.)
Bevor Teile seiner Flanken einstürzten, war der Marsolymp sogar noch größer. Fotos von Satelliten zeigen, dass bei Bergrutschen im Norden und Westen kilometertiefe Abgründe entstanden sind. Dort fällt das Gelände fast senkrecht ab. Vielleicht ging es früher, bevor die Lavaströme das Höhenniveau etwas nivellierten, sogar bis zu zehn Kilometer abwärts, vermutet Fabio Vittorio De Blasio von der Universität Mailand.
Eine verdächtige Wolke
In der Tharsis-Region ragen noch weitere Vulkane in den Himmel. Darunter ist Arsia Mons – mit 11,7 Kilometern ebenfalls sehr stattlich. Obwohl längst nicht so bekannt wie Olympus Mons, schaffte auch er es in die Schlagzeilen populärwissenschaftlicher Medien: Auf Fotos der europäischen Mars-Express-Sonde von September und Oktober 2018 zeigte sich eine seltsam längliche Wolkenfahne, die von dem Vulkan ausging. Sie war noch 1800 Kilometer entfernt sichtbar. Hatte die Bordkamera quasi in flagranti einen Vulkanausbruch abgelichtet?
Sieben Instrumente auf vier aktiven Marssatelliten haben das verdächtige Gebilde seither ins Visier genommen. Ein Team um Jorge Hernández Bernal von der Universität im spanischen Bilbao berichtete im Dezember 2020 im Journal of Geophysical Research, dass die Wolke keine einmalige Erscheinung war, sondern im marsianischen Frühjahr und Sommer für einige Monate immer wiederkehrte. Dabei folgte sie einem täglichen Rhythmus: Sobald der Morgen dämmerte, formierte sie sich in etwa 45 Kilometer Höhe und breitete sich dann für etwa zweieinhalb Stunden nach Westen aus – mit bis zu 600 Kilometer pro Stunde beachtlich schnell. Fotos aus den folgenden Stunden zeigten, wie die Wolke turbulenter und dünner wurde. Und noch bevor es Mittag wurde, hatte sie sich wieder aufgelöst. Auf älteren Fotos, als das Gebiet vor allem Nachmittags observiert wurde, ist die Wolke nur selten zu sehen.
Wie die jüngsten Analysen gezeigt haben, besteht die Wolke aus Wassereis, das sich wahrscheinlich bildet, wenn feuchte Luft von den Aufwinden an den Berghängen in höhere, also kältere Luftschichten getragen wird und gefriert. Dort entsteht der obere Teil der Eiswolke, den starke Höhenwinde dann westwärts in die Länge ziehen. Arsias Wolke ist also nicht vulkanischer Natur, sondern eine Wetterkapriole.





