Der Minisaurier vom Gingkowald - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Der Minisaurier vom Gingkowald

saurier01.jpg
Der Mini-Flugsaurier Nemicolopterus könnte auf Bäumen gelebt haben. Bild: Michael Skrepnick
Wissenschaftler haben im Nordosten Chinas das Skelett des bisher kleinsten bekannten Flugsauriers entdeckt. Es ist zwischen 120 und 125 Millionen Jahre alt und zeigt eine Flügelspannweite von nur etwa 25 Zentimetern. Die Wölbung einiger Fußknochen lässt außerdem vermuten, dass der Saurier auf Bäumen lebte. Aus diesem Grund haben die Paläontologen um Xiaolin Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking den Mini-Flugsaurier „Nemicolopterus crypticus“ genannt, da dies soviel wie „versteckter fliegender Waldbewohner“ bedeutet.

Den ersten Flugsaurier, wissenschaftlich unter dem Namen Pterodactylus bekannt, entdeckten Paläontologen im Solnhofener Plattenkalk. Die Exemplare dort sind mit Flügelspannweiten von 50 bis 75 Zentimetern etwas größer als ihr chinesischer Verwandter und lebten an See- oder Flussufern, wo sie sich von Fischen und anderen kleinen Lebewesen ernährten. In den Steinbrüchen der bayerischen Gemeinde fanden die Forscher außerdem das bis dato kleinste Skelett eines Flugsauriers mit einer Spannweite von 18 Zentimetern, sehr fragilen Knochen und unvollständig geschlossenen Schädelknochen ? ein Jungtier. Wang und sein Kollege Alexander Kellner aus Rio de Janeiro dagegen sind sich sicher, ein erwachsenes Tier vor sich zu haben. Zwar zeigen auch bei diesem Flugsaurier schwache Stellen am Schädel ein jugendliches Alter zum Zeitpunkt des Todes an, doch die Bildung des Knochengewebes am Skelett ist so weit vorangeschritten, dass das Tier mit großer Sicherheit seine volle Größe erreicht hatte. Damit ist Nemicolopterus crypticus die bis dato kleinste bekannte Flugsaurierart.

Das Tier lebte wahrscheinlich auf Bäumen, so Wang und Kellner, da die mittleren Knochen in den Zehen beider Füße in einem für Pterodactylen ungewöhnlichen Winkel gebogen sind. Diese Form erleichtert das Sitzen auf Ästen. Außerdem sind die gewölbten Knochen länger als ihre unmittelbaren Nachbarn, was ein weiteres typisches Merkmal auf Bäumen lebender Vögel ist. Gefressen hat Nemicolopterus vermutlich Insekten, die es in den Wäldern des kreidezeitlichen Chinas zuhauf gab. Dafür spreche die geringe Größe des Tieres und der zahnlose Kiefer, meinen die Forscher. Anhand des Entwicklungsstatus des Skeletts reihen Wang und Kellner ihren Fund im Stammbaum der Flugsaurier etwa in der Mitte ein. Dies bedeute, so die Forscher, dass unter anderem der Riesenflugsaurier Quetzalcoatlus, mit mehr als zehn Metern Flügelspannweite das größte flugfähige Lebewesen aller Zeiten, von den kleinen zahnlosen Baumbewohnern abstammt.

Xiaolin Wang (Chinesische Akademie der Wissenschaften, Peking), Alexander Kellner (Universität Rio de Janeiro) et al.: PNAS, Band 105, S. 1983 ddp/wissenschaft.de ? Livia Rasche
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Tro|pen|kol|ler  〈m. 3; Med.〉 Erregungszustand bei Nichteinheimischen unter der Einwirkung des Tropenklimas, von Tropenkrankheiten, Alkohol u. a.

dis|si|mu|lie|ren  〈V. t. u. V. i.; hat; Med.〉 Krankheitszeichen verheimlichen; Ggs simulieren ( ... mehr

Ne|bel|kap|pe  〈f. 19; Myth.〉 = Tarnkappe

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige