Während die meisten Planeten in unserem Sonnensystem sich von Westen nach Osten drehen, dreht die Venus sich genau andersherum. Forscher vom Centre National de la Recherche Scientifique in Paris kommen jetzt im Fachmagazin Nature zu dem Schluss, dass die dichte Atmosphäre der Venus die Drehumkehr verursacht hat.
Der atmosphärische Druck an der Venusoberfläche ist 92-mal so hoch wie der entsprechende Druck auf der Erde. Bewegungen in der Erdatmosphäre führen zu Schwankungen der Erddrehung, die die Tageslänge um maximal einige Tausendstel Sekunden verlängern oder verkürzen können. Alexandre Correla und Jacques Laskar haben jetzt gezeigt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit das Hin- und Herschwappen der Venusatmosphäre die Drehrichtung der Venus umgekehrt hat.
Die Forscher berücksichtigten in ihrer Modellrechnung sowohl die Reibungskräfte im Innern des Planeten als auch die Gezeiteneffekte der Atmosphäre. Ein Planet mit einer dichten Atmosphäre kann ihrer Berechnung zufolge vier verschiedene Bewegungszustände annehmen. Zwei davon haben die umgekehrte Drehrichtung.
Für die Venus sind jedoch die beiden Zustände, deren Drehrichtung der in unserem Sonnensystem vorherrschenden Richtung entspricht, instabil. Demnach ist für einen Planeten mit einer vergleichbar dichten Atmosphäre die Umkehr der Drehrichtung so gut wie unvermeidbar. Correla und Laskar rechnen damit, dass man in anderen Sonnensystemen ebenfalls Planeten mit umgekehrter Drehrichtung finden wird.
Axel Tillemans





