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Die Rekordspinne, die ein Skorpion war

Die vermeintlich größte Spinne aller Zeiten war gar keine Spinne, sondern ein See- oder Riesenskorpion. Das schließt ein britisch-argentinisches Forscherteam aus einer Untersuchung knapp 300 Millionen Jahre alter Fossilien aus der argentinischen Provinz San Luis. Das erste dieser Fossilien war 1980 entdeckt worden und bis vor kurzem der einzige Hinweis auf die Existenz der Riesenspinne. Die neue Analyse dieses Fundstücks und der Fund eines weiteren Exemplars zeigen jedoch, dass das versteinerte Tier zu den heute ausgestorbenen Eurypteriden und nicht zu den Spinnen gehörte. Das berichten Paul Selden von der Universität von Manchester und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2004.0272).

Seit ihrer Entdeckung galt Megarachne servinei als die größte Spinne aller Zeiten. Mit einer Körperlänge von knapp 34 Zentimetern und einer Beinspannweite von mehr als einem halben Meter ist sie deutlich größer als die nächstgrößere bekannte Spinnenart, die Riesenvogelspinne Theraphosa leblondi, deren Beinspannweite nur knapp 30 Zentimeter beträgt. Da die Riesenspinne keiner bekannten Art zugeordnet werden konnte, wurde sie in eine eigene Familie eingeordnet. Ihre Identifikation erfolgte unter anderem aufgrund der Form ihres Panzers, der Position eines zentralen Auges, der Form ihrer Mundwerkzeuge und ihres kreisrunden Bauchs.

Doch bereits kurz nach ihrer Entdeckung meldeten einige Wissenschaftler Zweifel an der Zuordnung an, da das Fossil Merkmale aufwies, die bei keiner anderen Spinnenart vorkommen. Weil das Fossil wegen ungeklärter Besitzansprüche im Tresor einer Bank eingeschlossen war, war eine genauere Untersuchung des Fundstücks lange Zeit nicht möglich. Vor kurzem wurde jedoch ein weiteres Exemplar ebenfalls in Argentinien entdeckt, und auch das ursprüngliche Fossil wurde zur Untersuchung freigegeben.

Diese neue Untersuchung bestätigte die Zweifel der Wissenschaftler: Die Tiere gehörten tatsächlich nicht zu den Spinnen, sondern zur Gruppe der Seeskorpione (Eurypterida), einer Schwestergruppe der Schwertschwänze. Diese Kieferklauenträger waren hauptsächlich Wasserbewohner und konnten bis zu zwei Meter lang werden. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass die vermeintliche Riesenspinne Megarachne große Ähnlichkeiten zu anderen Seeskorpionen aufweist, die in kohlehaltigen Felsen in Schottland und Südafrika entdeckt wurden.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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