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Dürre als Zündfunke für den syrischen Bürgerkrieg?

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Syrien - Opfer einer Rekorddürre? (Columbia University)
Was löste den Bürgerkrieg in Syrien aus? Und warum eskalierte der Konflikt gerade im Jahr 2011? Ein entscheidender Faktor dafür könnte der Klimawandel gewesen sein, wie US-Forscher herausgefunden haben. Denn er führte dazu, dass Syrien in den drei Jahren vor dem Bürgerkrieg die schwerste Dürre seit Beginn der Aufzeichnungen erlebte. Durch politische Fehlentscheidungen verschärft, kollabierte die Landwirtschaft im Nordosten des Landes und Millionen von Menschen verloren ihre Lebensgrundlage. Eine massenhafte Landflucht und chaotische Verhältnisse ließen dann die schwelenden Konflikte eskalieren.

Die Geschichte zeigt, dass ungünstige Klimaperioden Konflikte schüren und sogar ganze Kulturen zu Fall bringen können. So schreibt man dem Klima eine entscheidende Rolle unter anderem beim Niedergang der Maya in Mittelamerika oder der Induskultur in Südasien zu. Von Dürren ausgelöster Wassermangel und Ernteausfälle können zu sozialen Unruhen führen oder bereits bestehende Konflikte eskalieren lassen. Schon länger befürchten Forscher zudem, dass sich gerade in akut von den Folgen des Klimawandels bedrohten Regionen der Erde, darunter auch dem Nahen und Mittleren Osten, Wasserkonflikte verschärfen könnten. Welche Rolle das Klima für den Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien spielte, haben Colin Kelley von der University of California in Santa Barbara und seine Kollegen nun untersucht. Anhand von Klimadaten, Modellen und Informationen zur Landwirtschaft und Politik der Region rekonstruierten sie die Vorgeschichte des Krieges.

Rekorddürre direkt vor Kriegsausbruch

Wie die Forscher feststellten, bahnte sich der Konflikt bereits in den Jahren vor 2011 an: Trotz zunehmender Wasserknappheit sorgte die Regierung damals dafür, dass die Landwirtschaft in Syrien intensiviert wurde. Weil es in vielen Gegenden nicht genügend Regenwasser gab, um die Felder zu versorgen, wurden zusätzliche Brunnen gebohrt. Das jedoch führte zu einer Übernutzung der Grundwasserreserven, Gewässer versiegten und Brunnen fielen trocken. „Die verringerten Grundwasservorräte erhöhten Syriens Anfälligkeit für Dürre dramatisch“, berichten die Forscher. Denn dadurch war in vielen Gebieten der Regen die einzige Wasserquelle.

Parallel führte der Klimawandel dazu, dass sich das Klima immer weiter verschlechterte, wie die Auswertungen ergaben: Seit 1900 sind die Durchschnittstemperaturen um ein bis zwei Grad Celsius gestiegen, gleichzeitig nahmen die Niederschläge um rund zehn Prozent ab. Im Winter 2006/2007 begann dann eine drei Jahre lang anhaltende Rekorddürre: Sie war die schwerste und langanhaltendste in dieser Region seit Beginn der Klimaaufzeichnungen. „Mehrjährige Dürren, ausgelöst durch natürliche Ursachen, gibt es im fruchtbaren Halbmond häufiger“, sagen Kelley und seine Kollegen. „Aber es ist unwahrscheinlich, dass diese Dürre ohne den Klimawandel so extrem geworden wäre.“ Wie die Wissenschaftler nachweisen, ist eine solche Trockenperiode durch den anthropogenen Einfluss inzwischen doppelt so wahrscheinlich wie noch vor hundert Jahren.

Landflucht lässt Konflikt eskalieren

Die Folgen waren verheerend: Durch Dürre und Wassermangel brach die Landwirtschaft im Nordosten des Landes, dem „Brotkorb“ Syriens komplett zusammen. „Innerhalb eines einzigen Jahres stiegen die Preise für Weizen, Reis und Futtermittel um mehr als das Doppelte“, berichten die Forscher. „Die Dürre vernichtete fast alle Viehherden.“ Statt den Bauern zu helfen, hatte Bashar al-Assad zudem Subventionen gekürzt, was die Krise noch verschärfte. Bis zu 1,5 Millionen Syrier wurden durch die Dürre aus den ländlichen Gebieten vertrieben und flüchteten in die Städte, schätzen Kelley und seine Kollegen. Dort verstärkte dieser Flüchtlingsstrom die Probleme, die schon durch die zwischen 2003 und 2007 eingewanderten Flüchtlinge aus dem Irak begonnen hatten: „Überfüllung, schlechte Infrastruktur, Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Korruption wurden durch das Assad-Regime ignoriert und verstärkten sich“, schildern Kelley und seine Kollegen die Situation.

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Nach Ansicht der Forscher war die durch den Klimawandel verursachte Rekorddürre damit letztlich der Katalysator, der den Konflikt eskalieren ließ. „Wir sagen damit nicht, dass die Dürre allein den Krieg verursacht hat“, betont Koautor Richard Seager von der Columbia University in New York. „Aber wir sagen, dass sie dazu beitrug, die Probleme zu einem offenen Konflikt zu verschärfen.“ Und eine weitere Verschärfung der klimatischen Bedingungen ist bereits absehbar: Klimamodelle sagen für den östlichen Mittelmeerraum eine weitere Zunahme von Hitze und Trockenheit voraus – keine guten Aussichten für den notorisch konfliktträchtigen Nahen Osten.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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