Die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein bildet bis heute die Grundlage unseres physikalischen Weltbilds. In ihr beschrieb der Physiker die Gravitation und ihre Wirkungsweise auf völlig neue Art – als eine direkte Folge der Raumzeit-Geometrie. Die extrem große Masse eines Schwarzen Lochs krümmt demzufolge die Raumzeit in ihrem Umfeld so stark, dass selbst Licht dadurch abgelenkt und beeinflusst wird. Weil das Licht Energie verliert, wenn es diese Schwerkraftsenke wieder verlässt, verschiebt sich seine Wellenlänge in den roten, energieärmeren Bereich, so Einsteins Vorhersage. Im Lichtspektrum lässt sich diese Gravitations-Rotverschiebung daher leicht erkennen – vorausgesetzt man hat ein geeignetes Testobjekt.
Stern als Testobjekt
Genau dieses Testobjekt haben Astronomen mit dem Stern S0-2, kurz S2. Denn er umkreist Sagittarius A*, das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, sehr nah auf einem exzentrischen Orbit. Bei seiner nächsten Annäherung im Mai 2018 trennten den Stern nur rund 14 Milliarden Kilometer von diesem Schwerkraftgiganten – das entspricht dem dreifachen Abstand des Planeten Neptun von der Sonne. In diesem geringen Abstand wirkt die Gravitation des Schwarzen Lochs so stark, dass sie den Stern zwar beschleunigt, sein Licht aber messbar dehnen müsste. Tatsächlich ließ sich dieser Effekt beobachten: Forscher der GRAVITY-Kollaboration gelang es, den Stern S0-2 während seiner nächsten Annäherung mit dem Very large Telescope zu verfolgen und die Veränderung seines Lichtspektrums zu messen. Ihren im Juli 2018 veröffentlichten Daten zufolge bestätigten das Verhalten des Sterns Einsteins Relativitätstheorie.
Allerdings: Diese Studie erfasste nur einen zeitlich relativ kurzen Ausschnitt der insgesamt 16 Jahre dauernden Umkreisung von S0-2 ums Schwarze Loch. “Wenn wir aber Sterne über ihren kompletten Orbit verfolgen, bietet uns dies eine umfassendere Möglichkeit, fundamentale Physik zu testen”, sagt Co-Autorin Andrea Ghez von der University of California in Los Angeles. Sie und ihr Team haben deshalb den Orbit von S0-2 über insgesamt 24 Jahre hinweg verfolgt – dies entspricht rund eineinhalb Umkreisungen des Schwarzen Lochs. Ihre Daten erfassen sowohl die nächste Annäherung, als auch die Bahnpunkte, an denen der Stern seine größte und kleinste Geschwindigkeit entlang der Sichtlinie erreicht. “Wir haben damit seinen kompletten Orbit in allen drei Dimensionen”, so Ghez. Sie führten ihren Spektralmessungen mit Teleskopen des W.M. Keck-Observatoriums auf Hawaii durch – und liefern damit den zweiten, unabhängigen und bisher umfassendsten Test von Einsteins Gravitationsverschiebung an einem Schwarzen Loch.
Rotverschiebung passt zur Theorie
Die Auswertungen bestätigten: “Einstein behält Recht – zumindest bis jetzt”, sagt Ghez. “Unsere Beobachtungen stimmen mit Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie überein.” Den Messungen zufolge führte die Passage von S0-2 am Schwarzen Loch vorbei zu einer Rotverschiebung von 0,88. “Das ist mit der Signifikanz von einem Sigma konsistent mit der Allgemeinen Relativitätstheorie, schließt aber die Newtonsche Theorie um mehr als fünf Sigma aus”, berichten die Astronomen. Gleichzeitig liefern ihre Werte auch eine unabhängige Bestätigung der Messungen der GRAVITY-Kollaboration. “Zwar ist die Gravitations-Rotverschiebung zuvor schon mit hoher Präzision innerhalb des Sonnensystems gemessen worden, unsere Ergebnisse zusammen mit denen der GRAVITY-Kollaboration erweitern diese nun aber den Bereich starker Gravitation um ein massereiches kompaktes Objekt wie dieses Schwarze Loch”, konstatieren die Forscher.





