von RÜDIGER VAAS
Beim Anblick der Sterne verfalle ich ins Träumen, genauso wie ich bei den schwarzen Punkten ins Träumen komme, die auf einer Landkarte Städte und Dörfer markieren“, hat der Maler Vincent van Gogh einmal gestanden. „Warum, frage ich mich, sollten die leuchtenden Punkte am Himmel nicht genauso erreichbar sein wie die schwarzen Punkte auf der Landkarte von Frankreich.“ Und von dem Poeten Ralph Waldo Emerson stammt das Dichterwort „zum Himmelreich hinan / in einem Sprunge dann“.
Doch zu den Sternen ist es weit! Proxima Centauri, das nächstgelegene Gestirn, ist bereits 40,5 Billionen Kilometer von der Sonne entfernt – über 270.000-mal weiter als die Erde. Selbst das Licht mit seiner ungeheuren Geschwindigkeit von 299.792,458 Kilometern pro Sekunde braucht für diese Strecke 4,3 Jahre. Eine Saturn V-Rakete, mit der die Apollo-Astronauten zum Mond geflogen sind, wäre dafür über 800.000 Jahre unterwegs – dann würde sich der Stern aber aufgrund seiner Eigenbewegung gar nicht mehr dort befinden, wo er sich heute aufhält.
Das sind keine guten Aussichten für Science-Fiction-Fans, falls diese noch zu Lebzeiten einen anderen Sonnenschein genießen wollten. Doch in der harten Physik gibt es durchaus Möglichkeiten für superluminale, das heißt überlichtschnelle Geschwindigkeiten.
Die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit
Eine der – bislang experimentell vorzüglich bestätigten – Grundannahmen von Albert Einsteins Spezieller Relativitätstheorie von 1905 lautet: Die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum ist in allen Bezugssystemen identisch. In einem unveröffentlichten Manuskript formulierte Einstein einige Jahre später das Prinzip so, „dass die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes weder von dem Bewegungszustande der Lichtquelle noch vom Bewegungszustande der den Fortpflanzungsraum umgebenden Körper abhänge. Die Frage, inwieweit dieser Satz als gesichert gelten kann, ist von fundamentaler Bedeutung für die Relativitätstheorie.“
Damit war die Annahme unnötig, dass ein „ruhendes“ Bezugssystem irgendwie grundlegend oder etwas Besonderes sei. Doch nicht alles ist relativ. Die Lichtgeschwindigkeit, die Einstein im Gegensatz zu allen relativen Orten, Bewegungen und Geschwindigkeiten als konstant erkannt hat, ist unabhängig vom Bezugssystem. Sie ist eine universelle Naturkonstante, die überall und in allen Bezugssystemen denselben Wert hat, nämlich 299.792,458 Kilometer pro Sekunde im Vakuum. Sie ist das fundamentale Bindeglied von Raum, Zeit, Materie und Energie. Und sie gilt absolut. Insofern hätte die Relativitätstheorie auch „Absoluttheorie“ genannt werden können.
Für Einstein war die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit freilich kein dogmatischer Glaubensakt. Naturwissenschaft ist eine empirische Angelegenheit, die sich nach den – hoffentlich erkennbaren – Eigenschaften des Universums zu richten hat, nicht nach Vorurteilen oder Wunschvorstellungen. Einstein hinterfragte seine Grundannahme auch später noch mehrfach. 1911 erwog er sogar vorübergehend eine variable Vakuum-Lichtgeschwindigkeit.





