Die Existenz unseres Universums ist so unwahrscheinlich, dass es eigentlich gar nicht existieren kann. Das bedeutet, dass wahrscheinlich ein fundamentales Prinzip der Physik bislang übersehen wurde, schreiben Forscher um Lisa Dyson von der Stanford University in Kalifornien im Vorabdruck eines wissenschaftlichen Artikels.
Vor vier Jahren entdeckten zwei Forschergruppen unabhängig voneinander, dass das Universum sich immer schneller ausdehnt. Diese Erkenntnis ist an sich seltsam genug. Gegenwärtig wird die Beobachtung dadurch erklärt, dass es eine Kraft gibt, die der Schwerkraft entgegenwirkt und deshalb die Ausdehnung des Kosmos beschleunigt, je größer er wird. Diese “kosmologische Konstante” führt aber, zusammen mit anderen Annahmen über die Natur des Universums, zu unlösbaren Paradoxien und Widersprüchen, schreiben Dyson und Kollegen.
So führt die Ausdehnung des Kosmos dazu, dass der “Horizont”, bis zu dem man von der Erde blicken kann, immer näher kommt, weil sich andere Galaxien so schnell von uns entfernen, dass man sie nicht mehr sehen kann. Theoretisch würde in jedem Teil des Universums, das von den anderen Teilen nicht mehr erreichbar ist, irgendwann alles Leben verlöschen, alle Sterne verglühen und sich selbst die Atome auflösen.
Doch wenn man lange genug wartet, so schreiben die Forscher, wird das Universum irgendwann wieder ungefähr in seinen Originalzustand zurückkehren, und alles beginnt von vorne. Doch bei diesen endlosen Wiederholungen sei es extrem unwahrscheinlich, dass genau das Universum entsteht, in dem die Menschen gerade leben. Es gibt alle möglichen anderen Universen, die auch Leben enthalten könnten, aber von ganz anderen Anfangszuständen ausgehen.
Das ließe nur den Schluss zu, dass die Menschheit gerade den allersten Lauf erlebt, bei dem die physikalischen Anfangsbedingungen von irgend einer äußeren Kraft eingestellt wurden. Diese Vorstellung halten die Forscher aber ebenfalls für zu wundersam, um wahr zu sein. Die naheliegendste Erklärung sei es, dass es gar keine kosmologische Konstante gebe. Doch warum dehnt sich der Kosmos dann aus?
Ute Kehse





