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Astronomie+Physik

Jahrhundert-Mondfinsternis und Mars-Opposition

Totale Mondfinsternis
Blutmond: Vollmond während einer totalen Mondfinsternis (Foto: ozgurdonmaz/ iStock)

Am Freitagabend – quasi zur besten „Sendezeit“ – erwartet uns ein Schauspiel der Extraklasse am Himmel: Wir können die längste totale Mondfinsternis dieses Jahrhunderts bestaunen. Fast zwei Stunden lang wird der blutrot verfärbte Mond über den Südost-Horizont erstrahlen. Schräg unter ihm leuchtet die zweite Attraktion des Abends: der Mars. Er steht an diesem Tag in Opposition und ist der Erde dabei so nah wie selten. Dadurch überstrahlt der Rote Planet momentan alle Sterne und selbst den hellen Jupiter – ein beeindruckender Anblick.

Eine totale Mondfinsternis ist per se nicht sonderlich selten: Etwa zweimal im Jahr zieht der Erdtrabant durch den Schatten der Erde und wird durch diesen vom Sonnenlicht abgeschirmt. Passt dabei die Himmelsgeometrie so präzise, dass der Mond genau die kegelförmige Spitze des irdischen Kernschattens passiert, ereignet sich eine totale Mondfinsternis. Dabei wird der Mond nicht nur verfinstert, sondern färbt sich blutrot. Doch am Abend des 27. Juli 2018 fällt die Mondfinsternis besonders spektakulär aus. Denn der „Blutmond“ wird diesmal 103 Minuten lang am südöstlichen Himmel erstrahlen – fast zwei volle Stunden. Eine längere Mondfinsternis wird es erst wieder im Jahr 2123 geben.

Mondfinsternis-Ablauf
Zeitlicher Ablauf der Mondfinsternis (Grafik: NASA/ gemeinfrei)

Der Ablauf der Mondfinsternis

Die Mondfinsternis beginnt bereits, bevor der Mond bei uns gegen 21:00 Uhr im Südosten aufgeht: Für uns nicht sichtbar, tritt der Erdtrabant schon gegen 19:15 Uhr in den Halbschatten der Erde ein und beginnt langsam, immer dunkler zu werden. Um 20:24 Uhr taucht er in den Kernschatten ein – sein Rand beginnt nun, sich leicht rötlich zu verfärben. Wenn der Mond bei uns am Südosthorizont aufsteigt, ist er daher bereits halb verfinstert und schimmert zur Hälfte rötlich. Während dieser Zeit ist der Himmel noch aufgehellt, da die Dämmerung gerade erst begonnen hat. Die Sonne steht erst wenige Grad unter dem Horizont. Gegen 21:30 Uhr beginnt die Phase der Totalität – der Mond ist nun komplett in den Kernschatten der Erde eingetaucht und verfärbt sich blutrot. Gleichzeitig hat seine Helligkeit um das rund 100.000-Fache abgenommen.

Die rote Färbung des verfinsterten Mondes ist ein Effekt der Erdatmosphäre. Denn sie bricht das Sonnenlicht und streut den roten Anteil des Lichts in den Erdschatten hinein. Je mittiger der Erdtrabant dabei den Kernschattenkegel durchläuft, desto weniger Restlicht bekommt er und desto dunkler erscheint sein Rot. Zusätzlich sorgen Staub und Asche in der Hochatmosphäre für die sattrote Farbe, die die Mondfinsternis zu einem spektakulären Ereignis werden lässt. Ein Astronaut auf dem Mond würde beim Blick Richtung Erde die Nachtseite unseres Planeten sehen, umsäumt von einem rötlich schimmernden dünnen Lichtsaum – für ihn wäre dieses Ereignis eine totale Sonnenfinsternis.

„Blutmond“ am Horizont

Während der Totalität bewegt sich der verfinsterte Mond am Himmel allmählich weiter nach Süden. Gleichzeitig steigt er von seiner Anfangsposition bis auf maximal 16 Grad über dem Horizont. Um einen guten Blick auf das Himmelsschauspiel zu haben, sollte man sich daher einen Platz mit freiem Blick auf den Südost-Horizont suchen. Die Mühe lohnt sich: der Horizont-Effekt sorgt dafür, dass der „Blutmond“ besonders groß und beeindruckend erscheint – obwohl der Erdtrabant momentan erdfern steht und daher eher klein erscheinen müsste. Der Grund für diese Illusion: Wir sehen den Mond am Horizont zusammen mit anderen Objekten – Häusern oder Bäumen. Im Vergleich zu ihnen erscheint der Mond dann sehr groß. Hoch am Himmel aber fehlt dieser Vergleich und der Mond sieht daher kleiner aus.

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Die Phase der Totalität endet erst gegen 23:13 Uhr – 103 Minuten lang werden wir damit den „Blutmond“ bestaunen können. Der Grund dafür: Der Mond zieht zurzeit durch einen erdfernen Teil seiner Bahn, dadurch bewegt er sich von uns aus gesehen am Himmel ein wenig langsamer. Zudem wandert er fast genau durch die Mitte des Erdschattens und muss daher dessen größte Ausdehnung durchqueren. Erst gegen 00:19 Uhr wird der Mond den Kernschatten der Erde komplett verlassen haben. Er leuchtet nun nicht mehr rot, sondern ist nur noch leicht grau verfinstert. Um 01:30 Uhr endet die Mondfinsternis mit dem Austritt des Mondes aus dem Halbschatten der Erde.

Mars in Perihel-Opposition

Doch das „Jahrhundertereignis“ hat noch mehr zu bieten: Schräg unterhalb des verfinsterten Mondes können wir ein weiteres astronomisches Ereignis bewundern: eine Perihel- Opposition des Mars. Der rötliche Lichtpunkt unseres Nachbarplaneten wird besonders während der Totalität gut zu sehen sein. Denn der Rote Planet überstrahlt momentan alle Sterne und auch den Planeten Jupiter und ist nach Mond und Venus das dritthellste Objekt am Nachthimmel. Der Grund ist das Zusammentreffen der Mars-Opposition mit einer besonders erdnahen Position des Planeten. Er steht am Morgen des 27. Juli von uns aus gesehen der Sonne genau gegenüber. Dies ereignet sich alle zwei Jahre und 50 Tage, wenn die Erde auf ihrer Innenbahn den langsameren Mars einholt und beim Überholen für kurze Zeit genau zwischen dem Roten Planeten und der Sonne steht.

Diesmal findet diese Mars-Opposition nahe dem sonnennächsten Punkt seiner Bahn statt – dem Perihel. Dadurch ist der Rote Planet auch der Erde momentan besonders nahe und erscheint sehr groß und hell. Der leuchtend-rötliche Lichtpunkt des Mars ist dadurch am Himmel kaum zu übersehen – und er leuchtet die gesamte Nacht hindurch. Seinen erdnächsten Punkt erreicht der Mars am Morgen des 31. Juli um 09:51 Uhr unserer Zeit. Er ist dann nur noch knapp 58 Millionen Kilometer von uns entfernt. So nah war er uns seit 15 Jahren nicht mehr. Näher als jetzt wird uns der Mars erst wieder am 11. September 2035 kommen.

Bleibt noch das Wetter: Nach Angaben der Meteorologen stehen die Chancen für eine erfolgreiche Beobachtung des zweifachen Himmelsschauspiels sehr gut: In weiten Teilen Deutschlands bleibt der Himmel fast wolkenfrei, so dass Mars und „Blutmond“ gut zu sehen sein werden. Etwas schlechter könnten die Bedingungen nur im Osten und Südosten Deutschlands werden, wo zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder durchziehen.

Quellen: DLR, NASA, Royal Astronomical Society, DWD

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