von THOMAS BÜHRKE
Das Sternbild Fornax (Chemischer Ofen) besteht nur aus wenigen lichtschwachen Sternen. Doch Kosmologen fanden dort den sprichwörtlichen Stein der Weisen. Gerade weil hier keine hellen Sterne den Blick ins All stören, war die Konstellation am Südsternhimmel ein Schwerpunktziel des Weltraumteleskops Hubble. Ihm gelang dort zwischen September 2003 und Januar 2004 das am weitesten ins All reichende Foto aller Zeiten: das Hubble Ultra Deep Field (HUDF). Mit einer gesamten Belichtungszeit von 11,3 Tagen im sichtbaren Licht und 4,5 Tagen im infraroten Bereich wurden auf einer Fläche, die etwa einem Zehntel der Vollmondfläche entspricht, rund 10.000 Galaxien sichtbar.
Wegen der endlichen Geschwindigkeit des Lichts sehen wir die unterschiedlich weit entfernten Galaxien zu verschiedenen Zeiten nach dem Urknall. Die jüngsten sandten die heute auf der Erde empfangene Strahlung aus, als das Universum gerade mal 800 Millionen Jahre alt war. „Mit Hubble sind wir nur einen Steinwurf vom Urknall entfernt“, veranschaulichte es 2003 der Projektleiter Massimo Stiavelli vom Space Telescope Science Institute im US-amerikanischen Baltimore.
Die Galaxien im HUDF wurden daraufhin über Jahre hinweg in allen verfügbaren Wellenlängen vom Radio- bis zum Röntgenbereich eingehend studiert. Ziel war es, die Entstehung und Entwicklung von Galaxien wie unserer Milchstraße über Jahrmilliarden hinweg zu rekonstruieren – ähnlich wie Paläontologen aus Fossilienfunden die Evolution des irdischen Lebens erforschen.
Extreme Empfindlichkeit
Einen gewaltigen Fortschritt erreichten Astronomen kürzlich mit dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA). Diese Anlage der Europäischen Südsternwarte ESO in den chilenischen Anden besteht aus 66 Parabolantennen, die alle gleichzeitig auf ein Himmelsfeld ausgerichtet werden können. Damit erzielt ALMA eine unerreichte Detailschärfe und Empfindlichkeit in Wellenlängen zwischen dem Infraroten und dem Radiobereich. Seit der offiziellen Inbetriebnahme im Jahr 2013 ist der Ansturm auf die Beobachtungszeit enorm. Anträge werden meist nur stundenweise genehmigt.
Doch 2019 erhielt eine internationale Forschergruppe von 40 Astronomen die Zusage über insgesamt 150 Stunden für Beobachtungen von Galaxien im HUDF. „Das war das bis dahin mit Abstand umfangreichste und aufwendigste Programm mit ALMA“, sagt Fabian Walter vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, einer der vier Projektleiter. „Weltweit ermöglicht nur ALMA derart empfindliche Untersuchungen.“
Mithilfe von ALMA konnten die Forscher bei diversen HUDF-Galaxien die Staub- und Gasmengen bestimmen. Diese Daten kombinierten sie mit der Sternentstehungsrate, die sich vor allem aus Hubble-Beobachtungen ergab. Die Messungen zeigen, wie mit fortschreitendem Alter und abnehmender Temperatur der Anteil des molekularen Wasserstoffs (H2) anstieg. Auch die Staubdichte nahm anfänglich zu – wichtig für die Entstehung neuer Sterne. Denn sie bilden sich aus Gas und Staub, wie man es in der Milchstraße etwa im Orion-Nebel beobachten kann.





