Kosmischer Riese - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik

Kosmischer Riese

14-03-12-riese.jpg
Diese künstlerische Darstellung zeigt den gelben Hyperriesen HR 5171 A (ESO)
Gegen sie ist die Sonne nur ein winziges Lichtpünktchen: Gelbe Hyperriesen gehören zu den größten und hellsten Sternen im gesamten Kosmos. Jetzt haben Astronomen den bisher größten Vertreter dieser Riesensterne entdeckt: Er ist 1.300 Mal größer als die Sonne und eine Million mal heller als sie. Der HR 5171 A getaufte Hyperriese gehört damit zu den zehn größten bekannten Sternen überhaupt. Überraschenderweise ist der Gelbe Hyperriese nicht allein: Er hat einen viel kleineren Partner, der dem Hyperriesen so nahe steht, dass er ihn sogar berührt.

Gelbe Hyperriesen sind sehr selten, nur zwölf von ihnen kennt man in unserer Milchstraße. Das bekannteste Beispiel ist Rho Cassiopeiae, ein Stern mit der 500.000-fachen Leuchtkraft der Sonne, der 10.000 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Cassiopeia liegt. Die Besonderheit dieser Hyperriesen ist neben ihrer Größe ihre Instabilität: Sie geben fortwährend große Mengen Materie ab, die als starker Sternenwind ins umgebende All hinaus strahlt. Dadurch entsteht eine Art Halo, eine Pseudoatmosphäre aus ausgestoßenen Gasen, die den eigentlichen Stern umgibt. Diese Materieabgabe hat aber auch weitere Folgen für den Stern: Er bleibt wahrscheinlich nur rund 10.000 Jahre in diesen Stadium. Dann explodiert er entweder direkt in einer Supernova oder er verliert zunächst seine gesamte Hülle und macht eine kurze Phase als sogenannter Wolf-Rayet-Stern durch, bis er dann in einer Supernova endet.

Überraschend riesig

Der Stern HR 5171 A ist schon länger bekannt. Wie groß er aber ist und in welcher Lebensphase er sich befindet, war bisher unklar. Er liegt rund 12.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Centaurus. Mit einer Helligkeit von 6,1 bis 7,3 ist er sogar mit bloßem Auge gerade noch sichtbar. Beobachtungen zeigen, dass dieser Stern in den letzten 40 Jahren immer größer und heller geworden ist. Mit Hilfe des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile haben Olivier Chesneau vom Obervatiore de la Côte d’Azur in Nizza und seine Kollegen HR 5171 A genauer untersucht. Sie nutzten dafür die Interferometrie, eine Technik, bei der das Licht mehrerer Einzelteleskope zusammengeschaltet wird. Dadurch entspricht ihre Leistung dem eines Riesenteleskops von 140 Metern Durchmesser.

Die neuen Beobachtungen zeigten, dass HR 5171 A deutlich größer ist als gedacht: Mit dem 1.300-fachen Radius der Sonne ist er der mit Abstand größte gelbe Stern, den man im gesamten Kosmos kennt, wie die Forscher berichten. Die bisher größten bekannten gelben Sterne, die Gelben Superriesen, erreichen nur den 400- bis 700-fachen Radius der Sonne. Der Gelbe Hyperriese HR 5171 A zählt außerdem zu den zehn größten bekannten Sternen überhaupt, er ist immerhin 50 Prozent größer als der berühmte rote Überriese Beteigeuze und etwa eine Million mal heller als die Sonne.

Kleiner, heißer Begleiter

Doch der Stern hat noch eine Besonderheit: „Die neuen Beobachtungen haben auch gezeigt, dass dieser Stern einen sehr nahen Doppelsternpartner hat, was eine ziemliche Überraschung war“, berichtet Chesneau. Helligkeitsänderungen des Sterns hatten verraten, dass es sich bei HR 5171 A um ein Doppelsternsystem handelt, bei dem der kleinere Partner auf seiner Umlaufbahn vor und hinter dem größeren Stern vorbeiläuft. Der kleinere Begleitstern ist etwas heißer als HR 5171 A und benötigt für einen Umlauf um seinen großen Partner 1.300 Tage. „Die beiden Sterne stehen so nah beieinander, dass sie sich berühren“, erklärt Chesneau. Das gesamte System ähnele ein wenig einer Erdnuss.

Anzeige

Der kleinere Partner könnte eine wichtige Rolle für das weiter Schicksal des Gelben Hyperriesen spielen, wie die Forscher erklären. Denn der Außenbereich des instabilen Hyperriesen bildet nur noch eine relativ lose, immer wieder Materie verlierende Hülle. Der kleinere Partner könnte diesen Prozess beschleunigen und dem Hyperriesen zusätzlich Materie absaugen, wie die Forscher erklären. Dann könnte der Gelbe Hyperreise seine Hülle komplett verlieren und nach einer Zeit sogar in einem gewaltigen Gammastrahlenausbruch enden. Behält er zumindest einen Teil seiner Hülle, dann könnten beiden Partner zu einem neuen Gleichgewicht finden.

„HR 5171 A ist daher ein wichtiges System, das wir mitten im Akt des Massentransfers und des Verlierens seiner Hülle erwischt haben“, schreiben die Astronomen. Weil der Gelbe Hyperreise uns relativ nahe ist, könnte er wertvolle Informationen über die weitere Entwicklung dieser exotischen Sterne liefern. HR 5171 A würde damit dabei helfen, die Entwicklungsprozesse massereicher Sterne im Allgemeinen besser zu verstehen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Liken und keine News mehr verpassen!

Anzeige

Klimafolgen: Es kommt geballt

Viele Regionen könnten bald von bis zu sechs Klimafolgen gleichzeitig betroffen sein weiter

Forscher entdecken neues Mineral

Extrem seltenes Kupfermineral Fiemmeit findet sich nur in den Dolomiten weiter

Warum Ant-Man ersticken müsste

Geschrumpfte Superhelden hätten ein Problem mit der Sauerstoffversorgung weiter

Warum Katzen sich so effektiv putzen

Katzenzunge sorgt für Kühleffekt und Reinigung bis auf die Haut weiter

Wissenschaftslexikon

Alz|hei|mer  〈ohne Artikel; Med.; kurz für〉 Alzheimerkrankheit

Schlacht|kreu|zer  〈m. 3; Mar.〉 schwerer Kreuzer

Ei|chen|sei|de  〈f. 19; unz.; Textilw.〉 vom nicht züchtbaren Tussahspinner (indischer Eichenspinner, Antheraea mylitta), früher in Europa auch vom Eichenspinner (Lasiocampa quercus) gewonnene grobe Seide von bräunlicher Farbe; Sy Tussahseide ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige