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Mythos Mammutsteppe

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Eiszeitliche Landschaft mit großen Pflanzenfressern dieser Zeit (Mauricio Anton)
Was fraßen die Mammuts und anderen großen Pflanzenfresser der Eiszeit? Die Antwort auf diese Frage lautete bisher schlicht: Gras. Denn Gräser dominieren auch heute noch die Steppen und Tundren des hohen Nordens. Aber das Bild einer grasreichen „Mammutsteppe“ ist ein Mythos, wie ein internationales Forscherteam jetzt belegt. Ihre DNA-Analysen fossiler Pflanzenreste belegen: Vor und während der Eiszeit wuchsen vorwiegend krautige Blütenpflanzen auf den Ebenen des Nordens, darunter Wegerich, Schafgarbe und Beifuß. Gräser waren dagegen eher Mangelware.

Bisher galt die Grassteppe als der Lebensraum der Mammuts und anderer großer Pflanzenfresser der Eiszeit. Vor 50.000 bis 21.000 Jahren, so glaubte man, zog diese Megafauna in Herden über die Ebenen des eurasischen Nordens und weidete dabei die baumlose, grasbewachsene Steppe ab. Das von Gräsern und Binsen dominierte Grasland erhielt sogar seinen Namen nach seinen Hauptbewohnern: Mammutsteppe wird dieser arktische Steppentyp der Eiszeit genannt. Dass damals dort vorwiegend Gräser wuchsen und kaum andere Blütenpflanzen, schlossen Forscher vor allem aus fossilen Pollen – dem über die Jahrtausende im Permafrost konservierten Blütenstaub der Gräser. Allerdings hat das ganze einen Haken, wie Eske Willerslev von der Universität von Kopenhagen und seine Kollegen erklären: Gräser produzieren unverhältnismäßig mehr Pollen als andere Blütenpflanzen. Sie könnten daher ein verzerrtes Bild der eiszeitlichen Pflanzenwelt im hohen Norden liefern.

Willerslev und seine Kollegen haben daher das Bild von der grasdominierten Mammutsteppe nun mit einem anderen Verfahren überprüft: Sie entnahmen an 21 Orten des arktischen Nordens Bodenproben – von Alaska über Nordkanada und Sibirien bis nach Skandinavien. Sie beprobten dabei jeweils die Schichten des Permafrostbodens, die aus der Zeit vor, während und nach dem Maximum der letzten Eiszeit stammten. Die Zeitspanne reichte dabei von vor 50.000 Jahren bis vor wenigen tausend Jahren. In allen Proben suchten die Forscher nach Erbgut  der damals dort wachsenden und im Boden konservierten Vegetation. Anhand bestimmter DNA-Abfolgen konnten sie so zuordnen, welche Pflanzengruppen in welcher Menge an den jeweiligen Standorten wuchsen.

Blühende Kräuter statt Gras

Das überraschende Ergebnis: Die von Gräsern dominierte Mammutsteppe ist ein Mythos. Denn vor und während der letzten Eiszeit machten Gräser nur rund 20 Prozent der Vegetation der nördlichen Steppen und Tundren aus. „Stattdessen dominierten damals krautige Blütenpflanzen die trockene Tundrenlandschaft“, so Willerslev und seine Kollegen. Darunter waren Wegeriche, Beifuß, Schafgarbe, Chrysanthemen, Kuhschellen, Silberwurz und sogar einige Weiden. Diese Dominanz der Nichtgräser änderte sich auch auf den Höhepunkt der letzten Eiszeit nicht, wie die Forscher feststellten. Auch in den Bodenproben aus der Zeit von vor 25.000 bis 15.000 Jahren überwog die DANN der krautigen Blütenpflanzen bei weitem. Erst vor rund 10.000 Jahren änderte sich dies und die Gräser bekamen die Überhand.

Um ihre Ergebnisse zu überprüfen, machten die Forscher einen Gegentest: Sie untersuchten fossilen Kot von acht Mammuts, Wollnashörnern, Bisons und Pferden, die in der Zeit zwischen 55.000 und 21.000 Jahren in Sibirien und Alaska lebten. Die Kotproben analysierten sie ebenfalls auf die DNA von Pflanzenresten. Und auch hier fand sich keine Spur der graslastigen Mammutsteppe: 63 Prozent der DNA stammte von krautigen Blütenpflanzen, nur 27 Prozent von Gräsern. „Dies deutet darauf hin, dass diese Megafauna sich mehr von proteinreichen Kräutern ernährte als sich auf Gras zu spezialisieren, wie es viele heutige große Pflanzenfresser tun“, erklären die Wissenschaftler.

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„Unsere Ergebnisse widerlegen damit die bisherigen, auf Pollen basierenden Rekonstruktionen dieser damaligen Lebenswelt“, konstatieren Willerslev und seine Kollegen. Eine graslastige Mammutsteppe im bisherigen Sinne gab es demnach vor und während der Eiszeit nicht. Das aber bedeutet auch: Mammut, Wollnashorn und Co waren gar keine reinen Grasfresser, sondern ernährten sich primär von den Kräutern der arktischen Landschaft. Für sie war dies vielleicht sogar ein entscheidender Vorteil: „Diese Kräuter sind nährstoffreicher und leichter verdaulich als Gräser“, sagen die Forscher. Das könnte erklären, warum sich damals so viele große Pflanzenfresser in den eher kargen Steppen und Tundren tummelten.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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