Neuer Mega-Dino entdeckt - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Neuer Mega-Dino entdeckt

14-09-04 Dreadnoughtus.jpg
Künstlerische Darstellung von Dreadnoughtus. Credit: Mark A. Klingler, Carnegie Museum of Natural History
So schwer wie zwölf Elefanten: Ein neu entdeckter Vertreter der Titanosaurier wog 65 Tonnen, berichten Paläontologen. Ihnen zufolge ist Dreadnoughtus schrani damit nun das schwerste bekannte Landlebewesen der Erdgeschichte in der Kategorie „verlässliche Gewichtsangabe“. Sein berühmter Verwandter, der Argentinosaurus, war zwar möglicherweise noch größer, seine Masse ist aber schwer einschätzbar, da es von ihm nur wenige Knochenreste gibt. Das überwiegend vollständige Skelett von Dreadnoughtus ermöglichte nun hingegen eine verlässliche Einschätzung, sagen Kenneth Lacovara von der Drexel University und seine Kollegen.

Ein massiger, tonnenförmigen Körper, ein langer Schwanz und Hals mit einem verhältnismäßig kleinen Kopf – das sind die Markenzeichen der Titanosaurier. So plump und antiquiert uns diese Pflanzenfresser heute auch erscheinen mögen, sie waren ein ausgesprochenes Erfolgsmodell der Evolution: Viele verschiedene Arten mit unterschiedlichen Ausmaßen existierten über Jahrmillionen hinweg bis zum großen Massensterben vor 65,5 Millionen Jahren.

Bisher wurde oft über den Daumen gepeilt

Als der absolute Gigant unter diesen Giganten gilt Argentinosaurus. Von seiner Existenz künden allerdings nur wenige Knochen – insgesamt sind etwa 10 Prozent des gesamten Skelettes bekannt. Anhand dieser Teile schätzten Paläontologen sein Gewicht auf bis zu 73 Tonnen. Doch diese Einstufung ist nicht verlässlich, da vor allem entscheidende Knochen der Gliedmaßen fehlen, sagen Lacovara und seine Kollegen. Der größte Dinosaurier, dessen Gewicht als gesichert gilt, war bislang der Titanosaurier Elaltitan mit 47 Tonnen. Diesen Riesen stellt Dreadnoughtus nun offenbar in den Schatten.

Die Fossilien des neuen Mega-Dinos wurden in Argentinien entdeckt. Es handelt sich um die Überreste eines großen und eines etwas kleineren Exemplars. Die Forscher legten insgesamt 100 einzelne Skelettteile frei. Die gefunden Knochen repräsentieren damit ungefähr 70 Prozent des gesamten Skeletts. Darunter befinden sich auch ein Oberschenkel- und ein Oberarmknochen, die für die Einschätzung der einstigen Masse des Tieres entscheidend sind. Durch Laser-Scans konnten die Forscher an einigen Knochen sogar noch die Ansätze der Muskeln identifizieren, die den Giganten vor etwa 77 Millionen Jahren in Bewegung versetzten.

Noch nicht einmal ausgewachsen

Die Auswertungen und Berechnungen der Forscher ergaben: Das größere der beiden Exemplare war etwa 26 Meter lang und wog 65 Tonnen – und dabei hatte der Koloss bei seinem Ableben offenbar noch nicht einmal seine maximale Größe erreicht, berichten die Forscher: Sie fanden nämlich Anzeichen dafür, dass sich das Tier noch im Wachstum befand. Dennoch hat der Youngster den Rekord in der Kategorie „gesichertes Gewicht“ gebrochen. „Er ist nun bei weitem das besterhaltenste Beispiel für die größten Tiere, die jemals über die Erde stapften“, sagt Lacovara.

Anzeige

Dreadnoughtus muss ein wahrhaft spektakulärer Anblick gewesen sein, sagen die Forscher. Um so groß zu werden, müssen die Tiere fortwährend enorme Mengen Pflanzenmaterial vertilgt haben. Vermutlich standen sie dazu lange Zeit an einem Fleck und mampften gemütlich die Baumkronen im Einzugsbereich ihres langen Halses ab. Anschließend stapften sie mit ihren säulenartigen Beinen einfach ein Stück weiter und fraßen den nächsten Radius kahl. Ausgewachsen hatten die Kolosse wohl keine Fressfeinde zu fürchten, sagen die Forscher. Deshalb haben sie ihnen den Namen Dreadnoughtus gegeben – er bedeutet: „Fürchtet nichts“. Doch Naturkatastrophen hatten die Kolosse offenbar doch zu fürchten: Das Sedimentgestein am Fundort weist drauf hin, dass die beiden Tiere im Rahmen einer Überflutung im Boden versunken waren. „Ihr Pech war unser Glück“, so Lacovara.

Mehr zum Thema:

 „Es gibt noch ganz viel zu entdecken“
Rico Stecher Im Beruf Lehrer, in der Freizeit Paläontologe: Der Schweizer Rico Stecher (*1971) sucht seit 20 Jahren in den Ostalpen nach Dinosaurier-Fossilien….

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung

Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Anzeige

Bücher

Wissenschaftslexikon

Ora|to|ri|um  〈n.; –s, –ri|en〉 1 zum Beten bestimmter, mit Kruzifix u. Altar ausgestatteter Raum in Klöstern, Schlössern, Privathäusern 2 durch Fenster abgeschlossene Empore im Chor od. Langhaus einer Kirche (für Fürsten u. hohe Persönlichkeiten) ... mehr

Ka|li|um|hy|dro|xid  auch:  Ka|li|um|hyd|ro|xid  〈n. 11; unz.; Chem.〉 hygroskopische Masse, die durch Elektrolyse von Kaliumchlorid entsteht; ... mehr

Wir|bel|kno|chen  〈m. 4; Anat.〉 = Wirbel (6)

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige