Erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass sich der Weltraum gegenwärtig beschleunigt ausdehnt. Dafür machen die meisten Kosmologen eine mysteriöse Dunkle Energie verantwortlich (bild der wissenschaft 8/2003, „Phantom-Energie zerreißt das Weltall”). Doch der Grund könnte auch ein ganz anderer sein.
Ann Nelson, David Kaplan und Neal Weiner von der University of Washington haben vorgeschlagen, dass die Dunkle Energie von einem neuen, bislang unentdeckten Typ von Elementarteilchen vorgetäuscht wird – den so genannten Acceleronen (von englisch „ acceleration” = Beschleunigung). Ihre Wechselwirkung mit Neutrinos – aber nicht mit gewöhnlicher Materie – soll den Weltraum auseinander treiben, weil sich die Neutrinos aufgrund des Einflusses der Acceleronen gegenseitig abstoßen.
Neutrinos sind Elementarteilchen mit nur geringer Ruhemasse, die bei der Kernfusion in Sternen erzeugt werden und fast lichtschnell durchs All flitzen, aber fast nie mit Materie inter- agieren. Pro Sekunde schwirren über eine Milliarde Neutrinos durch jeden von uns.
Das Modell der Acceleronen ist spekulativ, aber überprüfbar – und zwar hier auf der Erde. Es sagt nämlich voraus, dass die Masse der Neutrinos von ihrer Umgebung abhängt und sich verändern kann. Je nachdem, ob sie sich durch Wasser, Luft, Prismen oder Felsen bewegen, müssten sie unterschiedliche Massen haben. Das würde sich bereits mit den bestehenden Neutrino-Detektoren messen lassen, sind die Forscher überzeugt.
Der Hypothese zufolge wird die beschleunigte Expansion des Alls nicht ewig währen. „Irgendwann sind die Neutrinos zu weit auseinander und zu massereich, um noch stark genug beeinflusst zu werden”, sagt Nelson. „Es muss nicht zu einem Endknall kommen, aber die Expansionsrate wird immer weiter abnehmen.”





