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Astronomie+Physik

Rotiert unser Universum?

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Strudel im All: Nicht alle Galaxien haben denselben Drehsinn, aber eine Richtung scheint zu überwiegen. Im Bild eine kombinierte Röntgen-, Infrarot- und optische Aufnahme vom Spiralgalaxien-Paar NGC 2207 (rechts) und IC 2163, das im Sternbild Großer Hund rotiert, 130 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. (Foto: NASA/CXC/SAO/STScI/JPL-Caltech)
Am kommenden Dienstag, dem 15. Dezember, erscheint das neue Heft von bild der wissenschaft. Das Titelthema, verfasst von Physik- und Astronomie-Redakteur Rüdiger Vaas, ist diesmal besonders brisant: Eine große Galaxiendurchmessung deutet nämlich darauf hin, dass das Weltall eine Achse hat. Das aber würde die Kosmologie revolutionieren.

Forscher haben entdeckt: Etwas läuft falsch in Einsteins Universum. Galaxien drehen sich zu einseitig, und Hunderte von Galaxienhaufen strömen auf einen ominösen Punkt zu. Während manche Astrophysiker meinen, die kosmischen Anomalien seien bloß Zufall oder gespenstische Messfehler, wähnen sich andere einem großen Geheimnis auf der Spur. So könnte das Universum ein gigantisches Karussell sein. Und der ominöse „Dunkle Fluss“ verweist vielleicht auf gigantische Urknall-Relikte jenseits unseres kosmischen Horizonts – oder sogar  auf andere Universen.

Das All ist nicht mehr der „Fixsternhimmel“ der antiken Astronomen, sondern unterliegt einer wirbelnden Dynamik. Inzwischen können Astrophysiker Teile dieser kosmischen Raserei ziemlich genau quantifizieren: Die Erde kreist mit 29,78 Kilometern pro Sekunde um die Sonne. Mit dieser zusammen strebt sie beim über 220 Millionen Jahre dauernden Umlauf um das Zentrum der Milchstraße. Und diese Milchstraße wird mitsamt ihren Nachbargalaxien mit rund 400 Kilometer pro Sekunde in Richtung des „Großen Attraktors“ gezogen. Das ist ein 100 Millionen Lichtjahre ferner gewaltiger Galaxiensuperhaufen im Sternbild Winkelmaß, hinter dem sich zudem noch der Shapley-Superhaufen in über 400 Millionen Lichtjahren Distanz verbirgt. Relativ zur Kosmischen Hintergrundstrahlung – dem überall im All vorhandenen „Nachleuchten“ des Urknalls vor 13,8 Milliarden Jahren –, strebt das Sonnensystem mit 370 Kilometern pro Sekunde auf den Rand des Sternbilds Löwe zu. Dies alles ist eingebettet in die mit dem Urknall begonnene Ausdehnung des Weltraums.

Ist die Milchstraße Teil des Dunklen Flusses?

Darüber hinaus scheint es noch eine weitere Bewegungskomponente zu geben, die völlig rätselhaft ist, schreibt Rüdiger Vaas: Millionen Galaxien in einer Entfernung von bis zu drei Milliarden Lichtjahren rasen mit über 700 Kilometer pro Sekunde in Richtung des Sternbilds Wasserschlange. Kosmologen sprechen von einem „Dunklen Fluss“ –  einer finsteren Strömung, weil die Quelle beziehungsweise Zielrichtung unklar ist. „Vielleicht müssen die Kosmologen ihr Standardmodell revidieren oder zumindest um neue Faktoren ergänzen“, sagt Vaas. „Kosmologen streiten noch über die Interpretation der Messungen – und vor allem über deren Erklärung. Doch wenn die raffinierten Messungen mithilfe von rund 1000 Röntgen-Galaxienhaufen richtig sind, müsste die Milchstraße ein Teil des Dunklen Flusses sein. Dann würde auch die Erde in dieser kosmischen Strömung mitschwimmen.“

Damit nicht genug: Sogar das ganz Universum könnte sich bewegen, also der Raum selbst. Darauf deutet eine Analyse von über 100.000 Galaxien hin. Ihr Drehsinn scheint nicht zufällig verteilt zu sein, sondern auf eine kosmische Vorzugsrichtung zu verweisen. Das wäre eine Sensation, denn es ist nicht vereinbar mit der Lieblingstheorie der Kosmologen. Es ließe sich aber durchaus in Einklang mit Einsteins Relativitätstheorie bringen. Zum 100. Geburtstag dieser grandiosen Theorie der gekrümmten Raumzeit sowie ihren Grenzen und ihrer künftigen Überwindung hat Vaas gerade das umfangreiche Buch “ Jenseits von Einsteins Universum – Von der Relativitätstheorie zur Quantengravitation“ veröffentlicht. „Allerdings charakterisiert nicht jede mögliche Lösung der Einstein-Gleichungen die Welt, in der wir leben, meint er.“

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Neues Verständnis von Raum und Zeit?

Die Januar-Ausgabe von bild der wissenschaft beschreibt, wie Kosmologen auf die Idee gekommen sind, dass sich das Universum wie ein Karussell drehen könnte – oder zumindest rotierend geboren wurde. Das würde nicht nur die Vorstellung von der großen Welt, in der wir leben, in einen Taumel versetzen. Es hätte auch drastische Auswirkungen für das Verständnis von Raum und Zeit und vom Urknall selbst.

© wissenschaft.de
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