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Sensation: Forscher finden "Scrat"

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Vier Jahre dauerte es, bis die Forscher die fragilen Knochen von Cronopio dentiacutus aus dem Gestein befreit hatten. Das Fossil aus dem Erdmittelalter ist eins der wenigen Säugetier-Fossilien aus Südamerika. (c) University of Louisville
Wie eine Kreuzung aus Ratte und Säbelzahntiger ? so sah das Säugetier Cronopio dentiacutus aus, das vor 100 Millionen Jahren in Patagonien lebte. „Man kann es sich so ähnlich vorstellen wie Scrat, das Säbelzahn-Eichhörnchen aus dem Film Ice Age“, sagt Guillermo Rougier, der Entdecker der bislang unbekannten Art. Trotz des furchterregenden Gebisses gehörte Cronopio nicht gerade zu den führenden Raubtieren seiner Zeit: Der zehn Zentimeter kleine Winzling teilte seinen Lebensraum mit dem größten Landraubtier aller Zeiten, dem Zehn-Tonnen-Dinosaurier Giganotosaurus.

Obwohl von Cronopio nicht mehr übrig geblieben ist als einige zerbrechliche Schädel- und Kieferknochen, ist der Fund des frühen Säugetiers für Paläontologen etwas Besonderes. „Eine wirklich bemerkenswerte Entdeckung“, lobt etwa Rich Cifelli von der University of Oklahoma, ein Spezialist für die Säugetiere des Erdmittelalters. „Es sind die ersten wirklich informativen Schädelknochen einer wichtigen Säugetier-Gruppe.“ Südamerika ist für Säugetier-Paläontologen zudem ein fast unbeschriebenes Blatt. Bislang hatten die Forscher auf dem Kontinent bis auf vereinzelte Zähne kaum Säugetier-Fossilien aus dem Mesozoikum gefunden.

Cronopio (benannt nach bizarren Romanfiguren des argentinischen Autors Julio Cortázar) gehörte zu einer Gruppe von Säugetieren, die in der Kreidezeit weit verbreitet und eng mit dem letzten gemeinsamen Vorfahr der beiden modernen Säugetier-Gruppen – den Beuteltieren und den höheren Säugetieren, zu denen auch der Mensch zählt – verwandt war. Bislang war von dieser Gruppe, den Dryolestiden, noch kein Schädel gefunden worden, weshalb die Forscher wenig über die Verwandtschaftsverhältnisse sagen konnten. Sie stellten nun jedoch fest, dass Cronopio noch zahlreiche primitive Eigenschaften aufwies. Lediglich sein Mittelohr war schon wie das der modernen Säugetiere aufgebaut.

Insgesamt wies das mausgroße Tier eine ungewöhnliche Kombination von Eigenschaften auf: Seine Schnauze war extrem dünn, es besaß eine spezialisierte Kaumuskulatur und dazu die auffallend langen Eckzähne. Für die Forscher ist das bizarre Tier eine Bestätigung dafür, dass sich in Südamerika ganz andere Säugetiere entwickelten als auf den nördlichen Landmassen. „In den letzten Jahren ist klar geworden, dass die Südkontinente während des Zeitalters der Dinosaurier ihre eigenen endemischen Gruppen von Säugetieren beherbergten“, sagt Rich Cifelli. ?Die neuen Fossilien sind eine Art Rosetta-Stein, um den Stammbaum der frühen südamerikanischen Säugetiere zu verstehen.“

Südamerika war in der Kreidezeit nicht mit Nordamerika verbunden, wo sich damals bereits erste Beuteltiere und höhere Säugetiere ausbreiteten. In Südamerika tauchten diese beiden Gruppen, soweit man weiß, erst vor 64 Millionen Jahren auf, als es kurzzeitig eine Landbrücke zwischen den beiden Kontinenten gab.

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Guillermo Rougier (University of Louisville, Kentucky) et al.: Nature, Bd. 479, S. 78, doi:10.1038/nature10591 wissenschaft.de – Ute Kehse
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