Ein doppelter Sonnenaufgang – Fans der Science-Fiction-Saga “Krieg der Sterne” können sich gut vorstellen, wie das aussehen könnte, denn in einer Filmszene erscheinen die beiden Sonnen des Planeten “Tatooine”, der Heimat von Luke Skywalker. Jetzt haben Astronomen gleich zwei Planeten im Sternbild Schwan entdeckt, die jeweils ein Doppelsternsystem umkreisen. Solche Systeme sind also vermutlich weitaus häufiger als bisland gedacht.
Erst im September vergangenen Jahres war der erste Planet entdeckt worden, der wie “Tatooine” zwei Sonnen hat. “Es ist immer wieder amüsant festzustellen, dass Visionen von Science-Fiction-Autoren sich als Wirklichkeit herausstellen”, sagt Josh Carter, einer der beteiligten Wissenschaftler vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Er und seine Kollegen haben nun mit dem Weltraumteleskop Kepler zwei weitere dieser sogenannten zirkumbinären Planeten gefunden. Eigentlich hatten Astronomen lange angenommen, die Bedingungen rund um ein Sternenpaar seien zu chaotisch, als dass sich solche Planeten bilden könnten. “Jetzt, da wir bereits drei solcher Systeme entdeckt haben, wissen wir, dass es möglich ist und dass es im Weltall vermutlich viele solcher Konstellationen gibt”, sagt Studienleiter William Welsh von der San Diego State University.
Verwandte von Saturn
Mit dem erdähnlichen Planeten Tatooine aus “Krieg der Sterne” haben Kepler-34b und Kepler-35b, wie die neuen Himmelskörper genannt werden, wenig gemeinsam, denn es handelt sich um etwa saturngroße Gasriesen. Kepler-34b umkreist zwei sonnenähnliche Sterne, die etwa 4.900 Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Er umrundet das Doppelsystem in 289 Tagen, und die beiden Sterne selbst umkreisen sich gegenseitig alle 28 Tage. Kepler-35b stammt ebenfalls aus dem Sternbild Schwan, ist aber noch etwas weiter von der Erde entfernt – etwa 5.400 Lichtjahre. Er befindet sich in einer Umlaufbahn um zwei Sterne, von denen der eine 80 Prozent und sein Tanzpartner 89 Prozent der Masse unserer Sonne besitzt. Kepler-35b benötigt 131 Tage für einen Umlauf, und seine Muttersterne umkreisen sich gegenseitig in 21 Tagen.
Die Genauigkeit dieser Daten wird durch die enorme Leistungsfähigkeit des Weltraumteleskops Kepler in Kombination mit computergestützten Analyse vieler astronomischer Daten ermöglicht. So konnten Astronomen bereits viele Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, sogenannte Exoplaneten, entdecken. Die zentrale Fähigkeit von Kepler ist dabei, winzige Schwankungen in der Helligkeit von Sternen erfassen zu können, die entstehen, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen genau vor seinem Heimatstern vorbeizieht. Aus dieser Informationsquelle können Astronomen auf die Existenz von Planeten schließen und viele Eigenschaften eines fernen Sternensystems bestimmen.
Neue faszinierende Planeten-Kategorie
Zirkumbinäre Planeten repräsentieren den Forschern zufolge nun eine ganz neue Kategorie von Exoplaneten mit spannenden Eigenschaften: Sie sind durch das Wechselspiel der doppelten Energieversorgung stark schwankenden Temperaturen und Gravitationskräften ausgesetzt. Vor allem für erdähnliche Planeten, die sich in einer Entfernung zu den Zentralsternen befinden, in der Leben theoretisch möglich ist, könnte das bizarre Auswirkungen haben. Nach solchen Kandidaten halten die Astronomen nun natürlich besonders intensiv Ausschau. “Die Effekte enormer Klimaschwankungen auf eine Atmosphäre und die mögliche Evolution von Leben auf zirkumbinären Planeten sind natürlich faszinierende Aspekte, die wir gerne erforschen würden”, sagt William Welsh.
William Welsh (San Diego State University) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nature10768 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg





