Spezial: Klimaforscher Stefan Rahmstorf stellt klar: Versiegen des Golfstroms ist keineswegs wahrscheinlich - wissenschaft.de
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Spezial: Klimaforscher Stefan Rahmstorf stellt klar: Versiegen des Golfstroms ist keineswegs wahrscheinlich

Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf stellt auf seiner Homepage klar, dass ein Versiegen des Golfstroms innerhalb der nächsten Jahrzehnte und ein damit verbundenes Absinken der Temperaturen in Europa keineswegs wahrscheinlich ist. „Selbst unter den schlimmsten Annahmen zeigt unser Modell frühestens nach dem Jahr 2100 eine Abkühlung in Europa“, schreibt Rahmstorf.

Der bdw-Newsticker war wie viele andere Medien einer Falschmeldung des als zuverlässig geltenden britischen Wissenschafts-Magazins New Scientist aufgesessen. Zum Versiegen des Golfstroms wurden Rahmstorf dort folgende Worte in den Mund gelegt: „Bis vor drei Wochen hätte ich noch eingestehen müssen, dass das nur eine theoretische Rechnung ist. Aber jetzt haben wir Daten erhalten, die zeigen, dass der Strom seit 1950 um zwanzig Prozent abgenommen hat.“ Wie Rahmstorf bdw gegenüber bestätigte, ist dieses Zitat frei erfunden.

Tatsächlich hatte Rahmstorf während einer Pressekonferenz am Rande einer Amsterdamer Klimakonferenz auf das gerade im Fachmagazin Nature (Band 411, Seiten 927-930) veröffentlichte Ergebnis eines anderen Forscherteams hingewiesen. Bogi Hansen vom Faroese Fisheries Laboratory und seine Kollegen hatten theoretische Berechnungen zum Wasserdurchfluss durch den zwischen Island und Großbritannien gelegenen Faröbank-Kanal durchgeführt. Durch diesen Kanal fließt etwa ein Drittel des ins Nordmeer geströmten warmen Atlantikwassers nach seiner Abkühlung zurück in den Atlantik.

Aufgrund indirekter Überlegungen kommt Hansen zu dem Schluss, dass dieser Rückfluss seit 1950 um 20 Prozent abgenommen hat. Rahmstorf hält die Argumentation des Teams um Hansen zwar für plausibel, weist aber nachdrücklich darauf hin, dass es sich erstens nur um indirekte Schlussfolgerungen handelt und dass es zweitens nicht den Golfstrom selbst, sondern nur seinen Rückfluss und von diesem wiederum nur ein Drittel betrifft. Hansen selbst weist darauf hin, dass eine Schlussfolgerung auf den Golfstrom selbst nur unter der Annahme möglich wäre, dass der im Faröbank-Kanal verminderte Rückfluss nicht an anderer Stelle durch eine Verstärkung des Rückflusses wieder ausgeglichen wird.

Rahmstorf vergleicht die Erforschung mancher Klimarisiken mit der Untersuchung der Absturzgefahren bei einem Flugzeug. Zu einigen Szenarien wie beispielsweise dem Schmelzen des Westantarktischen Eisschildes sagte er auf der Amsterdamer Pressekonferenz: „Niemand glaubt, dass diese Dinge sehr wahrscheinlich sind. Aber wir müssen solche Risiken dennoch berücksichtigen, wenn wir Klimapolitik machen.“

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Die ursprüngliche Meldung des bdw-Newstickers finden sie hier. Die Originalpressemeldung des New Scientist finden sie hier.

Axel Tillemans
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