Stellare Giftzwerge schlagen nach dem Leben - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Stellare Giftzwerge schlagen nach dem Leben

Ein "wilder" Roter Zwerg bläst einem Planeten die Atmosphäre weg. (Künstlerische Darstellung: NASA, ESA and D. Player (STScI))

Welche Sterne sind besonders lebensfreundlich? Junge Rote Zwerge offenbar eher nicht, geht aus einer Studie hervor: Sie verpassen den Planeten ihrer habitablen Zone offenbar regelmäßig potenziell zerstörerische Strahlenstürme, belegen Beobachtungen von heftigen Eruptionen. Für die Entwicklung von Leben sind dies schwierige Voraussetzungen: Die Strahlung kann die Atmosphäre von Planeten schädigen oder sogar wegblasen, erklären die Astronomen.

Wo könnte das Leben im All eine Heimat gefunden haben? Bei dieser Frage sind in den vergangenen Jahren zunehmend die Systeme der Roten Zwerge ins Visier der Forschung gerückt. Es handelt sich bei ihnen um die kleinsten, langlebigsten und vor allem häufigsten Sterne in unserer Galaxie: Etwa drei Viertel der Sterne der Milchstraße sind Rote Zwerge. Man geht zudem davon aus, dass viele von ihnen Planeten besitzen, von denen einige den Stern in der sogenannten habitablen Zone umkreisen – in einem Bereich, in dem die Temperaturen auf Planetenoberflächen so moderat sein können, dass dort flüssiges Wasser existieren kann. Es ist in diesem Zusammenhang bekannt, dass der sonnennächste Stern – der Roter Zwerg namens Proxima Centauri – einen Planeten in seiner habitablen Zone besitzt.

Rote Zwerge im Visier

Der Erforschung der Roten Zwerge und ihrer habitablen Zonen ist derzeit das Beobachtungsprogramm „HAZMAT“ gewidmet, das für „HAbitable Zones and M dwarf Activity across Time“ steht. Astronomen nehmen dabei mit dem Hubble-Weltraumteleskop Systeme von Roten Zwergen dreier Altersstufen ins Visier: jung, mittelalt und alt. Die Forscher um Parke Loyd von der Arizona State University berichten nun über die Erkenntnisse zu den jungen Vertretern. „Das Sammeln von Daten über junge Rote Zwerge ist besonders wichtig, weil diese Sterne in den ersten hundert Millionen Jahren nach ihrer Entstehung als besonders rabiat gelten“, so Loyd. Man nimmt an, dass sie durch Eruptionen – sogenannte Flares – häufig große Energiemengen freisetzen und damit Strahlenstürme hervorrufen, denen ihre Planetensysteme ausgesetzt sind.

Genau für diese Wildheit präsentieren die Forscher nun eindrucksvolle Belege. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten sie die Flare-Häufigkeit von zwölf jungen – 40 Millionen Jahre alten – Roten Zwergen. Wie sie berichten, beobachteten sie in nur kurzer Zeit 18 starke Flares, von denen einer besonders heftig war. Die entsprechende Strahlungswelle muss stärker gewesen sein als jede, die von der Sonne bekannt ist. „Wir haben diesen Superflare innerhalb nur eines Tage festgestellt. Das legt nahe, dass entsprechende Eruptionen täglich oder sogar ein paar Mal am Tag bei jungen Roten Zwergen vorkommen“, sagt Loyd. „Im Fall unserer Sonne kam es im Vergleich dazu in hundert Jahren nur zu zwei Flares, deren Ausmaß dem des nun beobachteten Superflares nahekommt.“

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Schwierige Voraussetzungen für das Leben

Wie er und seine Kollegen erklären, könnten solche starken Flares die Planeten in der habitablen Zone erheblich prägen. „Vermutlich sind die meisten der potenziell bewohnbaren Planeten in unserer Galaxie zumindest in Teilen ihrer Entwicklungsgeschichte diesen Schlägen ausgesetzt. Das ist ein ernüchternder Gedanke“, so Loyd. „Dauerbelastungen durch Flares, wie wir sie beobachten konnten, haben das Potenzial, die Atmosphäre von einem Planeten zu entfernen“. Er betont allerdings, dass dies die Entwicklungsmöglichkeiten von Leben nicht völlig ausschließt. „Es könnte sich um andere Lebensformen und Lebensräume handeln, als wir sie von der Erde kennen. Außerdem könnte es auch Prozesse geben, die eine Erholung der Atmosphären ermöglichen. Es ist sicherlich eine raue Umgebung, aber ich würde zögern, Leben unter diesen Bedingungen als unmöglich zu betrachten“, resümiert der Astronom.

Wie die Lage im Fall der mittelalten und älteren Roten Zwerge zu beurteilen ist, sollen nun die zukünftigen Ergebnisse des HAZMAT-Programms beleuchten. Rote Zwerge mögen zwar vergleichsweise ungestüm sein, dafür haben sie den Forschern zufolge aber auch einen positiven Aspekt zu bieten: „Planetensysteme haben aufgrund der Langlebigkeit dieser Sterne viel mehr Möglichkeiten, sich zu entwickeln“, sagt Co-Autorin Evgenya Shkolnik. Schätzungen zufolge können sie bis zu einer Billion Jahre brennen – für die Entwicklung von Leben steht demnach eine gewaltige Zeitspanne zur Verfügung. „Es ist großartig, dass wir in einer Zeit leben, in der wir die Technologie haben, um Fragen rund um das Thema Leben im All tatsächlich nachgehen zu können, anstatt nur darüber zu philosophieren“, sagt die Wissenschaftlerin abschließend.

Quelle: Arizona State University, Astrophysical Journal

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Zurzeit kriechen Verschwörungstheoretiker (oder besser: Verschwörungsmystiker) wieder aus allen Ecken, von ganz links und ganz rechts treffen sie sich zu gemeinsamen Demos (wie krass), lassen sich von einem Koch und einem geschassten Radiomoderator die Welt erklären oder leiden mit einem Deutsch-Soul-Sänger, der bitterliche Tränen vergisst.

Und viele von uns stehen nur fassungslos daneben und würden Ihnen gerne entgegenrufen: “Was ist los mit Euch?” Das lassen wir dann aber, weil wir auch noch anderes zu tun haben und fragen uns nur insgeheim: “Wie konnte das passieren?”

Wie ein Mensch auf solche Pfade geraten kann, hat der Redakteur Christoph Klein in einem beeindruckend offenen Twitter-Thread beschrieben. Damit das auch andere lesen können, die nicht bei Twitter sind, habe ich ihn um Erlaubnis gebeten, seine Geschichte hier online zu stellen.

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Wer mehr über Christopher erfahren möchte, der an der Ludwig-Maximilians Universität München Literaturwissenschaft, Linguistik und Soziologie studiert hat, hier geht es zu seiner Webseite.

Wer Links zu Artikeln oder Forschung zur Frage, wie man in diese Szene rutscht, hat, kann diese gerne in den Kommentaren unterbringen. Das hier ist natürlich nur eine von vielen Varianten, zeigt aber vielleicht auch das ein oder andere Typische solchre Laufbahnen. Vor allem zeigt es, dass es auch wieder rausgehen kann.

Der erste Tweet erscheint im Twitterformat, den Rest habe ich aus dem Format gelöst, der besseren Lesbarkeit wegen (es wird immer der vorherige Tweet mit angezeigt,  sodass jeder Tweet doppelt erscheint, was blöd ist.).

Wer den Thread und die Reaktionen auf Twitter lesen will, klicke einfach auf den ersten oder den letzten Tweet.

Anlass für Christopher war ein Thread der Autorin und Aktivistin Katharina Nocun zum Thema Verschwörungstheorien.

“Nach dem abgeschlossenen Studium (Germanistik) kam ich in die Agentur- und Medienwelt, stieg schnell auf und war ebenso schnell durch. Nach 6 Jahren in 2 Stellen ausgebrannt. Dann mit eigener Agentur selbstständig, große Kunden, doch ich merkte, ich kann nicht mehr. Unsicherheit.

Ich merkte, dass, egal, was ich (beruflich) mache, ich komme aus “dem System” nicht heraus. Ich fühlte mich ohnmächtig. Beschäftigte mich immer mehr mit “Systemkritik”. Das tat erst einmal gut, denn man kommt sich nicht alleine vor. Da sind andere.

Aber psychologisch wichtiger ist die Entlastung: ‘Es (Scheitern, innere Konflikte) liegt nicht an mir’. Und da ist ein mediales Angebot, das diese Entlastungserzählung untermauert: ‘Das System versklavt uns’. Vorsicht: Das hat nichts mit valider politischer Kritik zu tun.

Das Narrativ ‘Das System versklavt uns’ beinhaltet in sich unzählige Chiffren, die nicht mit stichhaltiger Kritik kommen, sie erklären nicht, sie verklären. Wenn man aber im Loch sitzt, merkt man das nicht. Es validiert das eigene Gefühl der Machtlosigkeit und schafft etwas:

Antriebslosigkeit, Scham wird umgewandelt in Wut. Und das ist in dem Moment der depressiven Stimmung sehr hilfreich. Es kanalysiert die eigene erlebte Machtlosigkeit auf einen Gegner: ‘Die Elite’. Ein Schlüsselmoment war ein Film über 9/11 und was “uns nicht erzählt wurde”.

Das hinterließ einen regelrechten Schock. “Wenn sie uns das vorspielen können, was noch?” Daher fungiert die Verschwörungstheorie um 9/11 wie ein Entry-Point. Ab da ist man so in seinem Weltbild verunsichert, dass man (fast) alles glaubt. Das war damals 2012 oder 2013.

Ab dem Zeitpunkt war ich offen für Daniele Ganser, KenFM, Mausfeld und viele mehr. Die Wut auf “die Medien” nahm zu: “Warum sagen die uns das nicht?” – “Und dafür soll ich GEZ zahlen?” Und plötzlich befindet man sich ganz konkret in der Auseinandersetzung mit Behörden.

Das verunsichert immer weiter, man kommt sich vor wie in einem Film, die Übersicht hatte ich da längst verloren. Denn alles, also wirklich alles, wird hinterfragt, und zu allem findet man etwas, nur einen Klick entfernt. 2014 war der Tiefpunkt, das Leben ein von “gierigen Eliten”

No|e|ma  〈n.; –s, –e|ma|ta; Philos.〉 1 Gedanke, Sinn, Begriff 2 Inhalt eines Gedankens ... mehr

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