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Ursprünglicher Dino entdeckt

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Marcelo Sánchez mit einem Modell von Laquintasaura venezuelae. Credit: Adrian Ritter/UZH
Ein Tropenbewohner, sozial-lebend und der älteste bekannte Vertreter einer prominenten Dinosaurier-Gruppe – diese drei Besonderheiten zeichnen eine bisher unbekannte Dinosaurierart aus, die Paläontologen in den venezolanischen Anden entdeckt haben. Seine Eigenschaften machen den hühnergroßen Zweibeiner zum Sensationsfund für Paläontologen. Sie nannten ihn Laquintasaura venezuelae.

Die kleinen Allesfresser lebten den Datierungen zufolge in der erdgeschichtlichen Übergangszeit von der Trias in den Jura. Aus dieser Zeit vor rund 200 Millionen Jahren sind bislang nur wenige Dinosaurier-Arten bekannt. „Der Fund mit diesem frühen Zeitfenster ermöglicht es nun, neue Erkenntnisse über die Evolution und Ausbreitung der ausgestorbenen Reptilien zu gewinnen“, sagt Marcelo Sánchez von der Universität Zürich.
Ihm und seinen Kollegen zufolge handelt es sich bei Laquintasaura venezuelae um den ältesten bisher bekannten Vertreter der Vogelbecken-Dinosaurier (Ornithischia). Neben den Echsenbeckensauriern (Saurischia) bildete diese Gruppe eine der beiden Hauptentwicklungslinien der Dinosaurier. In späterer Zeit brachten die Ornithischia beispielsweise prominente Vertreter wie die Stegosaurier hervor. „Die Geschichte der Vogelbeckensaurier ist wegen fehlender Funde bisher noch sehr lückenhaft“, so Sánchez. Für das Verständnis der Entwicklungsgeschichte dieser Sauriergruppe spielt diese frühe Art deshalb eine Schlüsselrolle.

Hinweis auf soziales Verhalten

Die reiche Fundstätte mit hunderten von Knochenelementen ergab auch Hinweise auf eine weitere Besonderheit von Laquintasaura venezuelae. Die Wissenschaftler konnten nämlich Knochen von mindestens vier Individuen identifizieren. Sie interpretieren diese Häufung als ein Zeichen, dass die kleinen Dinos in Gruppen lebten. Derartiges Sozialverhalten ist von jüngeren Dinosaurierarten bereits durchaus bekannt, unklar ist aber bisher, wann das Sozialverhalten in der Evolutionsgeschichte der Dinosaurier erstmals auftauchte. „Nun können wir das früheste Sozialverhalten der Vogelbecken-Dinosaurier belegen“, sagt Sánchez.

Außergewöhnlich ist den Forschern zufolge auch der Lebensraum, in dem Laquintasaura venezuelae einst lebte. Paläontologen gingen bislang davon aus, dass die tropischen Breiten insbesondere Südamerikas für Dinosaurier zu unwirtlich waren. Entsprechend fand man bisher im nördlichen Teil des Kontinents keine Fossilien. „Nun offenbart sich gerade der tropische Gürtel als der Ort, an dem sich einer der ältesten bekannten Vogelbecken-Dinosaurier entwickelt hatte“, so Sánchez. Grund für diesen bisher weißen Fleck auf der paläontologischen Landkarte sei möglicherweise nur die fehlende Suche in dieser Region, vermutet der Forscher. Aufgrund seiner Entdeckungen rechnet er in Zukunft mit mehr Funden aus dem nördlichen Südamerika. 

Quellen:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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