Der Meteorit, der vor ungefähr 65 Millionen Jahren auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan einschlug, war womöglich gar nicht für das Ende der Dinosaurier verantwortlich. Der Geologe Markus Harting von der Universität Utrecht berichtet in der kommenden Woche auf einer Tagung in Argentinien, dass zwischen dem Einschlag und dem Massensterben am Ende der Kreidezeit etwa 300.000 Jahre lagen.
Harting untersuchte die chemische Zusammensetzung winziger Glaskügelchen, die rund um den Chicxulub-Krater in Nordost-Mexiko, Texas, Guatemala, Belize und Haiti gefunden wurden. Die Kügelchen, so genannte Spherulen, entstanden aus geschmolzenem Gestein, das beim Einschlag hochgeschleudert wurde und anschließend schnell erstarrte. Harting stellte fest, dass sämtliche Spherulen bei dem Chicxulub-Einschlag erzeugt wurden. “Das zeigt, dass es nur einen einzigen Einschlag gab”, sagt Harting. Einige Forscher hatten bislang vermutet, gegen Ende der Kreidezeit könnten mehrere Meteoriten auf die Erde gestürzt sein.
Allerdings zeigt Hartings Analyse auch, dass der mexikanische Meteorit nicht die Ursache für den Untergang der Dinosaurier und der anderen großen Echsen des Erdmittelalters gewesen sein kann: An einigen Stellen befanden sich die Kügelchen zehn Meter unter der berühmten Iridium-Anomalie, die die Grenze zwischen den Erdzeitaltern Kreide und Tertiär markiert. Der Geologe Walter Alvarez, der die stark erhöhten Iridium-Werte in der Grenzschicht 1980 entdeckte, vermutete damals, das seltene Metall sei von einem Meteoriten auf die Erde gebracht worden war. Anfang der 90er Jahre wurde dann der verschüttete Chicxulub-Krater entdeckt, der vom Alter und von der Größe her passend erschien.
Harting zufolge haben das Iridium und der Meteorit aber nichts miteinander zu tun. “Es sind zwei völlig verschiedene Ereignisse”, sagt der Forscher. Er spekuliert, dass sich die Erde vor 65 Millionen Jahren durch eine dichte Wolke kosmischen Staubs bewegte. Die Staubkörnchen seien als Sternschnuppen in der Erdatmosphäre verglüht, hätten aber Iridium mitgebracht, das vom Regen schnell ausgewaschen wurde und sich auf die Erde niederlegte. Für diese Theorie spricht Harting zufolge, dass in der Grenzschicht in der Nähe des Chicxulub-Kraters weniger Iridium als an anderen Stellen der Erde, zum Beispiel in Dänemark, zu finden ist.
Ob der Einschlag das Leben auf der Erde überhaupt beeinflusste, kann Hartin nicht sagen. Womöglich raffte er die Ammoniten dahin. Die verabschiedeten sich vermutlich nämlich schon einige Jahrhunderttausende vor den anderen Opfern des Massensterbens von der Erde.
Ute Kehse





