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Was die schönsten Sonnenuntergänge verraten

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Edvard Munch wurde bei seinem Bild "Der Schrei" womöglich vom Ausbruch des Krakatoas beeinflusst. Bild: wikipedia.de
Die Maler Gustav Klimt, Edgar Degas, William Turner und Caspar David Friedrich lebten zwar in verschiedenen Jahrhunderten, aber sie haben eines gemeinsam: Sie alle malten gerne Sonnenuntergänge. Diese Tatsache nutzte jetzt ein Forscherteam um Christos Zerferos vom National Observatory in Athen für eine wissenschaftliche Untersuchung: Die Atmosphärenphysiker ermittelten anhand der farblichen Darstellung der Sonnenuntergänge, wie viel Vulkanstaub sich in der Atmosphäre befand.

Heftige Eruptionen wie die des Pinatubo (1991), des Krakatoa (1883) oder des Tambora (1813) blasen so viel Schwefel-Schwebteilchen in die höhere Atmosphäre, dass sich die Erde für einige Jahre merklich abkühlt. Gleichzeitig streuen die Aerosole das Sonnenlicht, was besonders farbenprächtige Sonnenuntergänge erzeugt.

Viele Künstler ließen sich durch derart in Flammen getauchte Himmel inspirieren. Auf dem Gemälde „Sonnenuntergang“ von William Turner aus dem Jahr 1833 dominieren beispielsweise glühende Rottöne. Solche Sonnenuntergänge könnten in diesem Jahr tatsächlich typisch gewesen sein: 1831 war der Vulkan Babuyan auf den Philippinen ausgebrochen. Ein Bild Turners aus dem Jahr 1828 wird dagegen von einem eisblauen Himmel bestimmt.

Das berühmte Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch, das einen blutroten Himmel zeigt, ist womöglich durch den Krakatoa-Ausbruch beeinflusst. Da allerdings nicht ganz klar ist, wann „Der Schrei“ entstand, bezogen die Forscher das Werk nicht in ihre Studie ein. Sie wählten mehr als 500 Gemälde aus dem Zeitraum zwischen 1500 und 1900 aus, deren Entstehungsjahr genau bekannt war und auf denen ein Sonnenuntergang zu sehen ist. 54 der Bilder waren in einem Zeitraum von drei Jahren nach einer größeren Vulkaneruption entstanden. In den vier Jahrhunderten hatten sich elf Vulkanausbrüche von katastrophalem Ausmaß ereignet.

Zerefos und seine Kollegen ermittelten bei allen Werken das Verhältnis von Rot- zu Grüntönen und rechneten dies in einen Index um, der die Menge von Schwefel-Aerosolen in der Atmosphäre der mittleren Breiten der nördlichen Hemisphäre angibt. Das Ergebnis stimmte erstaunlich gut mit anderen Messreihen der Vulkanaktivität überein, schreiben die Forscher. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Maler die natürlichen Farbenverhältnisse recht präzise wiedergeben und dass Kunstwerke eine bislang ungenutzte Fundgrube für Umweltinformationen aus früheren Jahrhunderten sein können.

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Christos Zerefos (National Observatory of Athens, Griechenland) et al.: Atmospheric Chemistry and Physics, Bd. 7, S. 4024 Ute Kehse
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