Was haben uns die Apollo-Missionen gebracht? - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik Nachgefragt

Was haben uns die Apollo-Missionen gebracht?

Astronaut Buzz Aldrin läuft auf der Mondoberfläche in der Nähe eines Beins der Mondlandefähre. (Bild: NASA)

Es war ein Paukenschlag in der Geschichte der Menschheit: Am 21. Juli 1969 betrat erstmals ein Mensch einen fremden Himmelskörper – den Mond. Der Erfolg des gigantischen Aufwands hat den Ehrgeiz und die Neugier der Menschheit befriedigt – doch brachten die bemannten Mondmissionen denn auch praktischen Nutzen? Wie die NASA hervorhebt, haben wir dem Apollo-Programm wichtige Erfindungen und Technologien zu verdanken und auch bei zukünftigen Missionen wird sich dieser praktische Nebeneffekt sicherlich erneut einstellen.

Es scheint erstaunlich, was die Technik bereits vor 50 Jahren leisten konnte: Der Erfolg des Apollo-Programms der NASA basierte neben der Raketen- und Raumfahrttechnik auch auf raffinierten Lebenserhaltungssystemen. Ein Großteil der Technologien, die nötig waren, um Menschen zur Mondoberfläche und zurück zu bringen, existierten zum Zeitpunkt von Kennedys berühmter Rede zur geplanten Mondlandung von 1962 noch nicht. Um sie zu entwickeln, wurden keine Kosten und Mühen gescheut: Zu Spitzenzeiten waren rund 400.000 Menschen in verschiedenen Einrichtungen mit dem Apollo-Programm beschäftigt. Das Resultat waren technische Meisterleistungen, von denen einige nicht auf die Raumfahrt beschränkt blieben, sondern auch breite Anwendung fanden. Zum Jubiläum der Mondlandung hebt die NASA fünf Bespiele für Apollo-Technologien hervor, die noch 50 Jahre nach ihrer Entwicklung im Einsatz sind.

Digitale Flugsteuerung

Das vielleicht deutlichste Beispiel für eine grundlegend wichtige technologische Entwicklung ist das Steuerungssystem, das die Raumfahrzeuge der Apollo-Missionen auf ihrer Reise geleitet hat. Zu Beginn des Apollo-Programms basierte die Technik noch auf den mechanischen Verfahren der Luftfahrt: Kabel und Stangen verbanden die Armaturen mit Steuerelementen. Um menschliches Versagen zu vermeiden und höhere Präzision zu gewährleisten, wurde im Rahmen des Apollo-Programms ein Computerleitsystem entwickelt. Es konnte die Eingaben der Piloten in elektrische Signale umwandeln und sie zusammen mit Informationen von verschiedenen Sensoren in den Apollo-Leitcomputer einspeisen. Das System löste dann die Steuerzündungen aus, um die gewünschte Bewegung oder Position des Raumfahrzeugs zu erzielen. Nach den Apollo-Missionen avancierte das digitale Fly-by-Wire-System zu einer wichtigen Technologie in der Luftfahrt sowie in der Automobiltechnik.

Lebensmittelsicherheit

Eine der vielen Herausforderungen, mit denen die NASA bei der Planung der bemannten Weltraummissionen konfrontiert war, bildete die Lebensmittelsicherheit: Es musste unbedingt verhindert werden, dass die Astronauten etwa durch Keime im Proviant auf der Reise erkrankten. Im Rahmen des Apollo-Programms wurde deshalb ein systematisches Konzept zur Qualitätskontrolle von Lebensmitteln entwickelt. Anstatt nur die Endprodukte zu prüfen, kontrollierte das sogenannte HACCP-System (Hazard Analysis and Critical Control Point) den gesamten Herstellungsprozess – von den Rohstoffen über die Verarbeitungsverfahren bis hin zum Vertrieb und den beteiligten Personen. Wie die NASA berichtet, prägt dieser Ansatz bis heute Vorschriften in der modernen Lebensmittelindustrie.

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Rettungsdecken

Eine buchstäblich „glänzende“ Entwicklung des Weltraumprogramms ist besonders in seiner Form als Rettungsdecke bekannt: Das reflektierende und mehrschichtige Isolationsmaterial ist in Notfallausrüstungen zu finden und wird am Ende von Marathons verteilt. Noch wichtiger ist es aber eigentlich bei weniger sichtbaren Anwendungen. Das Material wurde seit seiner Entwicklung in nahezu allen NASA-Raumfahrzeugen und Raumanzügen verwendet und avancierte zu einer weitverbreiteten Komponente von Kleidung, Feuerwehr- und Campingausrüstungen und Gebäudeisolierungen, um nur einige der vielen Anwendungen zu nennen.

Erdbebenschutz

Einer Technologie, die ursprünglich für die Stoßdämpfung beim Schwenken der Halterungsarme beim Start der Mondflugraketen entwickelt wurde, war ebenfalls eine weitreichende Karriere beschert. Es handelte sich um ein computergesteuertes System zur Stoßdämpfung, das für damalige Zeit beispiellose Leistungen erbringen konnte. Auf der Grundlage dieses Verfahrens stellt das damals mit der Entwicklung beauftragte Unternehmen bis heute Systeme her, die Gebäude, Brücken und andere Bauwerke auf der ganzen Welt vor Erdebenen schützen.

Wiederaufladbare Hörgeräte

In einem interessanten Fall entwickelte sich aus Apollo-Technologie erst mit Verspätung eine Anwendung, berichtet die NASA: Die weltweit ersten wiederaufladbaren Hörgerätebatterien, die 2013 erstmals vorgestellt wurden, basieren auf Forschungsarbeiten im Rahmen des Apollo-Programms. Ziel war es damals, die besonders leichten Silber-Zink-Batterien wiederaufladbar zu machen. Die Konzepte führten allerdings nicht mehr zu einer Anwendung bei den Missionen. Eine 1996 gegründete Firma griff sie dann aber schließlich erneut auf und entwickelte sie weiter. So entstand die Lösung für die Energieversorgung von Hörgeräten. Aufgrund von technischen Schwierigkeiten konnten diese bis dahin nur mit Einwegbatterien bestückt werden. Die neuen Silber-Zink-Hörgerätebatterien können nun genug Energie für den ganzen Tag bereitstellen und bis zu 1000 Mal aufgeladen werden.

Ein Prinzip zeichnet sich ab

Wie die NASA betont, sind dies nur einige der zahlreichen Technologien und Produkte, die Wurzeln in den Entwicklungen des Apollo-Programms besitzen. Es ist nun davon auszugehen, dass sich dieses Prinzip auch in Zukunft fortsetzen wird, so die Raumfahrtbehörde. Erneut sind nun bemannte Missionen zum Mond geplant und auch der Mars steht bekanntlich bereits im Visier. In diesem Zusammenhang arbeiten Wissenschaftler erneut an Lösungen, um die großen Herausforderungen zu meistern. Die NASA ist überzeugt davon, dass einige der dafür neu entwickelten Technologien wieder in praktische Anwendungen auf der Erde einfließen werden – so wie es bei vielen der Apollo-Erfindungen der Fall war.

Quelle: NASA

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