Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik

Wo die Wiege der Marsbakterien steht

Die Herkunft des weltberühmten Allen-Hills-Marsmeteoriten ist sehr wahrscheinlich geklärt: Der knapp zwei Kilogramm schwere Steinbrocken vom Mars, der 1984 in der Antarktis gefunden worden war, soll aus einer Talenge namens Eos Chasma stammen, einem Seitenarm einer Valles Marineris genannten riesigen Schlucht. Das vermuten amerikanische Wissenschaftler. Wenn sich diese Annahme als wahr herausstellen sollte, könnte in der Eos Chasma schon bald nach Hinweisen auf Leben gesucht werden.

Das Gestein des auch unter dem Kürzel ALH84001 bekannten Meteoriten wurde bereits vor rund 4,5 Milliarden Jahren gebildet. Vor etwa 15 bis 17 Millionen Jahren wurde er durch den Aufprall eines anderen Meteoriten auf dem Mars von dessen Oberfläche weggesprengt und ins Weltall geschleudert, bis er schließlich auf einem Eisfeld in der Antarktis niederging. 1996 wurde ALH84001 weltweit berühmt, als Wissenschaftler des Johnson-Space-Centers der Nasa erklärten, im Innern des Gesteins könnten Fossilien einer mikrobiellen Lebensform vorhanden sein. Bislang ungeklärt blieb jedoch, woher der Stein ursprünglich stammte.

Die Wissenschaftlerin Vicky Hamilton und ihre Kollegen suchten nun in ihrer Arbeit nach Übereinstimmungen in der Zusammensetzung des Meteoriten ? einer Mischung aus dem Mineral Orthopyroxen und basaltischen Mineralien ? und der Oberfläche des Mars. Die Untersuchungen lassen darauf schließen, dass der Allen-Hills-Meteorit von einer Stelle in der Eos Chasma stammt: Von allen Orten, die die Forscher untersuchen konnten, da sie nicht zu dunstig waren, gibt es „nur diese eine Stelle, die eine gleiche Zusammensetzung hat wie der Meteorit ALH84001“, erklärte Hamilton dem Wissenschaftsmagazin „New Scientist“.

Die besagte Stelle sehe aus wie ein lappenförmiger Abfluss, der entsteht, wenn ein einschlagender Gegenstand den Boden streift. Am mutmaßlichen Herkunftsort des Meteoriten gibt es einen Krater mit einem Durchmesser von rund 20 Kilometern. Dies deute auf einen Einschlag hin, der genug groß war, um ein Stück Felsen aus dem Gravitationsfeld des Mars zu katapultieren, erklären die Wissenschaftler.

Die Forscher vermuten, der Meteorit sei tief unter der Marsoberfläche gebildet und später zur besagten Stelle in der Eos Chasma transportiert worden. Dafür sprechen die vier Kilometer hohen Klippen, welche die Schlucht in der Eos Chasma säumen. Sie bestehen aus unterschiedlich alten Felsen. Durch Einschläge oder Erosionen könnten die Steinbrocken in die Schlucht gefallen sein, erklärt Hamilton. Eine Untersuchung des vermeintlichen Herkunftsorts von ALH84001 würde es daher ermöglichen, an ein und derselben Stelle Gesteine aus verschiedenen Zeitaltern zu sammeln. Und wenn es wirklich die Stelle sei, von der ALH84001 seine Reise auf die Erde begann, könnte eventuell endlich das Geheimnis gelüftet werden, ob es auf dem Mars tatsächlich Leben gibt.

Anzeige

New Scientist, Online-Dienst Forschung von Vicky Hamilton ( Universität von Hawaii) et al.: Beitrag auf einem Treffen der Meteoritical Society, Tennessee ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

ho|mo|log  〈Adj.〉 1 gleichliegend, gleichlaufend 2 übereinstimmend; ... mehr

Brom|bee|re  〈f. 19; Bot.〉 Angehörige einer Gruppe der Gattung Rubus; Sy 〈süddt.〉 Kroatzbeere ... mehr

Frei|sprech|an|la|ge  〈f. 19; Tel.; Kfz〉 Telefonanlage in Autos, die ohne Einsatz der Hände betätigt werden kann; Sy Freisprecheinrichtung ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige