von ROLF HEßBRÜGGE
Handelsübliche Batterien sind das Gegenteil von umweltverträglich: Sie bestehen in der Regel aus einem Stahlgehäuse. Darin schwappt ein Elektrolyt aus Kalilauge, in dem die Ionen zwischen den beiden Elektroden – der Anode und der Kathode – fließen können. Anode und Kathode sind aus Zink beziehungsweise Manganoxid. Der zwischen die Elektroden gebaute Separator, der für die räumliche Trennung von Anode und Kathode sorgt, um einen Kurzschluss zu verhindern – dabei aber den Ionen-Durchfluss gewährleisten muss –, besteht aus dem Kunststoff Polyethylen. All diese Stoffe lassen sich bei der Entsorgung nur schwer voneinander trennen, und jeder für sich ist problematisch – nicht zuletzt die hoch konzentrierte Lauge.
Angesichts von jährlich ungefähr 50 Millionen Tonnen Elektronikschrott weltweit wäre es ein Riesenfortschritt, Batterien aus biologisch abbaubaren Materialien herzustellen – mit möglichst ebenbürtigen elektrochemischen Eigenschaften, gleicher Lebensdauer und zu einem konkurrenzfähigen Preis. Bisherige Bio-Batterien sind zwar nicht sonderlich leistungsstark, eignen sich aber immerhin zum Betrieb verschiedener Klein- und Kleinstgeräte: intelligente Implantate zur temporären Gabe von Medikamenten im Körperinnern, Mini-Softroboter zum Einsatz gegen Tumore, auf die Haut aufgebrachte elektronische Tattoos zur Überwachung von Körperfunktionen oder smarte Versandpakete mit eigenen Tracking-Chips.
Für den Verzehr geeignet
Ein Forscherteam um die beiden Molekularelektroniker Mario Caironi und Ivan Ilic vom Italienischen Institut für Technologie (IIT) in Mailand hat eine Mini-Batterie entwickelt, die so „bio“ ist, dass man sie sogar essen kann: Das Stützgerüst des Gehäuses ist aus Zellulose, die dichte Ummantelung aus Bienenwachs. Als Elektrolyt der Batterie dient eine wässrige Lösung von Natriumhydrogensulfat, einem leicht sauren, genießbaren Salz, das Ladungen in Form von Protonen transportieren kann. Die Anode besteht aus dem natürlichen Vitamin Riboflavin, das als Vitamin B2 in vielen Nahrungsergänzungsmitteln steckt. Die Kathode ist aus Quercetin, einem in vielen Pflanzen enthaltenen Polyphenol, das in saurer Umgebung ein aktives Redox-Potenzial zeigt. Beide Elektrodenmaterialien sind mit Aktivkohle vermischt, um die Leitfähigkeit zu erhöhen. Der Separator besteht aus Nori-Algenblättern, wie sie auch zur Sushi-Zubereitung verwendet werden. Für die elektronischen Kontakte verwendete das Team essbares Blattgold.
Mögliche Anwendungsfelder für ihre fast ausschließlich pflanzenbasierte Flower-Power-Batterie sehen Caironi, Ilic und Kollegen in medizinischen Sensoren zum Schlucken und Kameras zur Untersuchung des Magen-Darm-Trakts. Einmal dort angelangt, wird die Batterie nach dem Einsatz problemlos vom Körper zersetzt, wie Ivan Ilic betont: „Alle Zutaten in der Zelle bleiben deutlich unter der empfohlenen Tageshöchstdosis.“





