von DIRK EIDEMÜLLER
Rosetta war eine der wichtigsten Raumsonden, die die Europäische Weltraumagentur ESA gestartet hat. Der Späher war im Jahr 2004 ins All aufgebrochen, erreichte 2014 den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko und begleitete ihn bis Ende September 2016. Die Mission ging zu Ende, als Rosetta planmäßig auf dem Kometen zerschellte. Während dieser Zeit hat die Raumsonde einen riesigen Schatz an Daten gesammelt, die weiterhin ausgewertet werden (bdw 10/2014, „Landung auf dem Doppelkometen“ und 12/2014, „Lebenszeichen von Philae“).
Zwar konnte Rosettas Lander Philae nicht so auf der zerklüfteten Oberfläche des eisigen Brockens aufsetzen wie geplant, sondern landete schräg zwischen zwei Felsen. „Leider erhielt er dort zu wenig Licht für seine Sonnenkollektoren und musste deshalb nach nur zwei Tagen abgeschaltet werden. Philae konnte auch keine Bodenproben nehmen“, erinnert sich Kathrin Altwegg, die als Professorin für Astrophysik an der Universität Bern die Mission über viele Jahre in führender Position begleitet hat und mittlerweile emeritiert ist. „Aber wir haben immer noch riesige Datenmengen, die analysiert werden und neue spannende Erkenntnisse ergeben.“
Das Massenspektrometer ROSINA (Rosetta Spectrometer for Ion and Neutral Analysis) hat allein schon insgesamt zwei Millionen Datensätze geliefert, die von Hand ausgewertet werden. „Mit diesem Gerät hat Rosetta Gas aus der Koma des Kometen eingesammelt“, erläutert Altwegg. „Das stammt also nicht aus dem ausgedehnten Schweif, sondern von der sonnenbeschienenen Vorderseite.“ Die Sonnenwärme sorgt dafür, dass viele leichtflüchtige Bestandteile aus dem Kometen ausgasen. Mit hochempfindlichen Messgeräten wie ROSINA, das für gasförmige Moleküle ausgelegt war, und dem Staubmassenspektrometer COSIMA (Cometary Secondary Ion Mass Analyzer) spürten die Wissenschaftler zahlreiche unerwartete Moleküle auf.
Molekulare Vielfalt
So fanden die Wissenschaftler unter anderem Phosphormonoxid in der Koma. Dieses Molekül entsteht in der Nähe sterbender Sterne, ballt sich dann mit anderen zu Kometen zusammen und wird von diesen zu Planeten wie die Erde transportiert.
„Wir können nun den gesamten Weg dieser Stoffe von ihrer Entstehung bis zu unserem Planeten nachvollziehen“, sagt Altwegg. „Eine der größten Überraschungen war es aber, so viel organisches Material zu finden.“
Rund die Hälfte des Staubs auf Tschurjumow-Gerassimenko besteht aus organischen Molekülen, also Kohlenwasserstoffen: von einfachen Verbindungen bis hin zu Aminosäuren wie Glycin. Die Analyse ist aufwendig, denn zahlreiche Moleküle haben eine sehr ähnliche Masse. Auch müssen die Moleküle zur Untersuchung ionisiert werden, wobei viele auseinanderbrechen. „Dann müssen wir anhand der Fragmente überlegen, wie das Ursprungsmolekül zusammengesetzt war“, erläutert Altwegg.





