Das Gespräch führte FRANK FRICK
Herr Professor Winter, bei einem Interview vor acht Jahren haben Sie mir gesagt, dass es eine Superbatterie für alle Anwendungen und Ansprüche nicht geben wird. Bleiben Sie dabei?
Unabhängig vom Thema suchen wir in der Wissenschaft immer nach dem Super-Super-Ding. Aber es zeichnet sich ab: Mit der Lithium-Ionen-Batterie haben wir die Superbatterie eigentlich schon gefunden: Sie in allen Eigenschaften zu übertreffen, ist extrem schwierig. Die noch junge Lithium-Ionen-Technologie ist bereits sehr stark. Sie wird aber wahrscheinlich nicht die einzige Technologie für das gesamte Anwendungsspektrum bleiben, das vom Auto über Smartphones und andere mobile elektronische Geräte bis hin zu stationären Stromspeichern reicht. Ich sehe das Ziel unserer Forschung an neuen Technologien nicht darin, die Lithium-Ionen-Batterie komplett zu verdrängen. Vielmehr geht es darum, die Möglichkeiten der Energiespeicherung sowie das Anwendungsspektrum von Batterien zu erweitern. Die Zukunft ist technologisch vielfältig.
Geht es bei dieser Diversifizierung auch darum, unabhängiger von einzelnen Batterie-Rohstoffen zu werden?
Ja. Dazu ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Der Preis für Lithium war Anfang 2022 zehnmal so hoch wie anderthalb Jahre zuvor. Nach diesem wahnsinnigen Anstieg ist er wieder gefallen. Warum? Weil Unternehmen angekündigt haben: Wir sind mit der Natrium-Ionen-Batterie so weit, dass wir sie bald auf den Markt bringen. Inzwischen gibt es tatsächlich die ersten Natrium-Ionen-Batterien in kleinen Fahrzeugen. Diese Konkurrenz zur Lithium-Ionen-Batterie hilft, den Lithium-Preis niedrig zu halten. Wir profitieren also alle von dem Preisdruck, der von einer alternativen Technologie ausgeht. Hinzu kommt: Wenn wir uns breit aufstellen, verringern wir auch unsere Abhängigkeit von einzelnen Ländern – gerade auch von denen, mit denen wir nicht so gute Beziehungen haben.
Wird die Suche nach Alternativen für die Lithium-Ionen-Batterie nicht oft auch damit begründet, dass man nachhaltiger werden will?
Das ist eine aktuelle und wichtige Forschungsrichtung. Doch die Situation ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick erscheint. Beispielsweise lohnt es sich, die Lithium-Ionen-Batterie zu recyceln, weil sie teure Metalle enthält, die sonst in Minen abgebaut und umweltbelastend aus den Erzen aufbereitet werden. Baut man nun eine Batterie ohne diese Metalle, gibt es für das Recycling kein profitables Geschäftsmodell mehr. Niemand nimmt die recycelten Materialien ab, wenn sie neu günstiger zu haben sind. Allerdings: Batterien auf der Deponie zu entsorgen, ist sicher auch keine nachhaltige Lösung. Ein anderes Beispiel ist die herkömmliche Automobilbatterie.





