Von THORSTEN DAMBECK
Der 15. Februar 2013 begann im russischen Ural für viele Menschen mit einem Schock: Ein greller Blitz schreckte sie um 9 Uhr 20 Ortszeit auf, überstrahlte kurz sogar die Sonne. Was war geschehen? Ein Meteorit von knapp 20 Metern Durchmesser raste über den Himmel von Tscheljabinsk, bis er Dutzende Kilometer über der Erde explodierte. Späteren Analysen zufolge entsprach die dabei freigesetzte Energie etwa 500 Kilotonnen TNT. Zum Vergleich: Die Atombombe, die 1945 Hiroshima zerstörte, detonierte mit der Wucht von 13 Kilotonnen – allerdings mit 580 Metern Höhe viel bodennäher.
Das Schadenausmaß blieb deshalb begrenzt. Lediglich etwa 1.500 Personen mussten in Krankenhäusern behandelt werden, meist mit Verletzungen durch zersplittertes Fensterglas. An über 3.600 Gebäuden wurden Schäden gemeldet. Glück im Unglück: Der kosmische Felsbrocken war in einem sehr flachen Winkel der Erde entgegengestürzt. „Wenn der Anflugwinkel steiler gewesen wäre, hätte es eine Katastrophe geben können, denn dann wäre der Meteorit näher am Boden explodiert“, zitierte der Spiegel damals den Berliner Planetologen Alan Harris. Die Millionenstadt wäre womöglich zerstört worden, so der Experte.
Dass die Region relativ glimpflich davonkam, verdankt sie nicht zuletzt unserer Lufthülle. Denn diese ist weit mehr als nur ein Gemisch atembarer Gase – sie bewahrt uns auch vor den vielfältigen Bedrohungen aus dem Weltall. Auch wenn der Meteor von Tscheljabinsk ein Jahrhundertereignis war, kleinere solcher Irrläufer treffen täglich auf die Erde – vom winzigen Staubkörnchen bis zum stattlichen Gesteinsbrocken.
Der russische Meteorit traf die obersten Luftschichten mit etwa 19 Kilometern pro Sekunde, das entspricht mehr als dem 25-fachen Tempo der Kugel einer Kalaschnikow. Ohne die Lufthülle würden solche Körper ungebremst auf der Erdoberfläche einschlagen. Doch durch die Reibung mit den Luftmolekülen werden diese Geschosse stark abgebremst. Dabei erhitzen sie sich und der Löwenanteil verglüht vollständig in großer Höhe, sie lassen dann als Sternschnuppen die Herzen von Romantikern höherschlagen. Bis zum Boden schaffen es nur die größeren Brocken – und die geben im besten Fall interessante Studienobjekte für die Wissenschaft ab. Wenn sie jedoch eine gewisse Größe übersteigen, können sie wie im Ural zu einer gefährlichen Bedrohung werden.
Der Weltraumschrott wächst
Doch das Arsenal, mit dem uns der Kosmos bedroht, ist damit nicht erschöpft: Ständig trifft die energiereiche kosmische Strahlung die Erde. Sie stammt von Eruptionen auf der Sonne oder aus den Tiefen der Milchstraße, beispielsweise von explodierenden Sternen. Auch diese Teilchenstrahlung ist potenziell gefährlich: Sie schädigt Zellen und verändert das Erbgut, was zu einem erhöhten Krebsrisiko oder genetischen Defekten führen kann. Zum Glück wird ein Großteil dieser Strahlen von der Erdatmosphäre absorbiert, und zwar bereits in Luftschichten 15 bis 30 Kilometer über dem Boden. Auch das irdische Magnetfeld hilft, solche Gefahren zu mindern, indem es viele Partikel ablenkt oder im sogenannten Van-Allen-Gürtel weitab im Weltall einfängt.





