Das Gespräch führte CAROLIN SAGE
Frau Mathies, welche Arten von Ernährungsstudien gibt es?
Zum einen gibt es Beobachtungsstudien. Zu ihnen gehören Kohortenstudien, die in der Regel prospektiv angelegt sind, also in die Zukunft blicken. Dann gibt es Fall-Kontrollstudien, die retrospektiv ausgerichtet sind. Als „Fall“ bezeichnet man hier eine Person mit einer Erkrankung und als „Kontrolle“ eine gesunde Person, die als Vergleich dient. Als drittes gibt es noch die Querschnittstudien, die eine Momentaufnahme des Querschnitts der Bevölkerung darstellen. In allen Beobachtungsstudien zur Ernährung wird das Ernährungsverhalten der Menschen in ihrem normalen Umfeld beobachtet. Wir versuchen so zu ermitteln, wie sich Ernährung im Laufe der Zeit auf die Gesundheit auswirkt.
An der Uniklinik Jena beraten Sie Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkrankung zur Ernährung. Spielt Zucker dabei eine besondere Rolle?
Ja, Zucker spielt in der Beratung oft eine große Rolle. Wir empfehlen eine ausgewogene und vielseitige Ernährung, je nach individueller Verträglichkeit. Dazu gehört, dass Zucker nicht überkonsumiert wird, aber auch nicht verboten ist. Es kommt nämlich häufig vor, dass Patienten und Patientinnen während der Erkrankung stark an Gewicht verlieren. Diesen Menschen raten wir dann dazu, den Zuckerkonsum nicht einzuschränken, damit sie nicht noch stärker in ein Kaloriendefizit rutschen.
Kann man die Ernährung denn so einfach von anderen Faktoren wie Bewegung, Rauchen oder Alkoholtrinken entkoppeln?
Oft sind „gute“ Lifestylefaktoren wie gesunde Ernährung, wenig Stress und viel Bewegung miteinander verknüpft. In Studien wird deshalb oft auch nach diesen Faktoren gefragt. Man versucht, eine Gruppe entweder so auszuwählen, dass sie möglichst durchmischt ist, oder Untergruppen zu bilden, in denen sich die Testpersonen möglichst ähnlich sind.
Gibt es neben den Beobachtungsstudien noch andere Herangehensweisen?
Grundsätzlich anders sind die Interventionsstudien. Hier wird aktiv in die Ernährung eingegriffen – zum Beispiel, indem man einer Testgruppe ein Nahrungsergänzungsmittel gibt oder eine bestimmte Diät festlegt, an die sich Versuchspersonen halten müssen. Die Teilnehmenden werden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhält die Intervention, die andere Gruppe stellt die Kontrollgruppe dar. So kann man durch den Vergleich der Gruppen bestimmen, wie sich die Intervention auf bestimmte Gesundheitsparameter auswirkt. Das hochwertigste Studiendesign ist das randomisiert kontrollierte, bei dem die Personen zufällig in eine der beiden Gruppen eingeteilt werden und selbst nicht wissen, zu welcher Gruppe sie gehören. Das nennt man Verblindung.





