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Kino im Kopf
Text: TOBIAS HÜRTER Illustrationen: RICARDO RIO RIBEIRO MARTINS
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Stellen Sie sich ein Wesen vor, das exakt so aussieht wie Sie, sich exakt so bewegt und so spricht wie Sie. Mit einem Unterschied: Diesem Wesen fehlt das innere Kino, das Sie in jedem wachen Moment erleben. Ein Sonnenuntergang lässt zwar seine Neuronen feuern, bewirkt aber kein Erlebnis. Es registriert das Goldrot des Abendhimmels wie ein Lichtmessgerät, gibt Laute von sich, die nach Wohlgefallen klingen, bleibt aber innerlich ungerührt. Philosophen haben einen Namen für solch ein Wesen: Zombie. Es lebt, doch es erlebt nichts. In seinem Kopf spielt sich nicht der bunte, klingende Kinofilm ab, der gemeinhin Bewusstsein heißt.
Bewusstsein ist ein Geistesphänomen wie kein anderes: scheinbar selbstverständlich und gewohnt aus jeder wachen Sekunde – und gleichzeitig zutiefst rätselhaft. Wissenschaftler und Philosophen versuchen seit Jahrhunderten vergeblich, es zu entschlüsseln, ohne sich auch nur darauf einigen zu können, was Bewusstsein eigentlich ist. Schon die Definition von Bewusstsein und die Frage, ob es sich überhaupt definieren lässt, sind umstritten.
Dennoch haben Bewusstseinsforscher enorm viel gelernt über das Wesen des Menschen und seine Beziehung zur Welt. Es zeichnet sich ab, dass Bewusstsein ein viel universelleres Phänomen ist, als seine frühen Erforscher glaubten. Menschen haben nicht nur Bewusstsein, wenn sie wach sind, sondern auch im Schlaf. Und nicht nur Menschen sind bewusstseinsbegabt, sondern wahrscheinlich auch viele Tierarten – nach Ansicht mancher Philosophen sogar der Thermostat an einem Heizkörper.
Bewusstsein und Gehirn
Die Geschichte des Bewusstseinsrätsels begann im 17. Jahrhundert mit dem französischen Philosophen René Descartes. Er war „Dualist“, er glaubte, dass die Welt aus zwei grundverschiedenen Substanzen besteht: Geist und Materie, oder wie er sie nannte, „res cogitans“ und „res extensa“. Auf der einen Seite Gedanken, Überzeugungen, bewusstes Erleben. Auf der anderen Seite Tische, Stühle, menschliche Körper und Gehirne. Das Bewusstsein seiner selbst sei die größte Gewissheit, die ein Mensch überhaupt haben kann, argumentierte Descartes: Cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich. Der materiellen Dinge dagegen könne ein Mensch niemals sicher sein. Wenn man die Welt so aufgeteilt hat, wie kriegt man sie dann wieder zusammen? Wie hängen Geist und Körper zusammen? Das ist das berühmte Leib-Seele-Problem, ein Klassiker der Philosophie.
Heute teilen nur noch wenige die Welt in zwei Substanzen auf, wie Descartes es tat. Doch das Rätsel bleibt. Wie bringt die Gehirnmaterie aus Neuronen und Synapsen die wunderbare Welt des bewussten Erlebens hervor, in der wir unsere Tage verbringen? Wie entsteht das leuchtende Blau des Himmels über dem Mittelmeer im Kopf? Wie der Geschmack von Wein und Schokolade, das Gefühl von Seide auf der Haut, der Schmerz eines gestoßenen Zehs? Wie die Empfindung von Freundschaft bei einem guten Gespräch? Unser Dasein ist eine lange Folge solcher Erlebnisse. Doch wie bewusstes Erleben mit den neuronalen Prozessen im Gehirn zusammenhängt, bleibt bisher ein Rätsel. Was und warum haben diese Prozesse mit Bewusstsein zu tun? Warum sind Menschen nicht einfach Roboter oder Zombies, die ohne einen Funken bewussten Erlebens, ohne diesen inneren Kinofilm durch ihren Alltag gehen?
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Unser Gehirn blendet negative Wörter aus
17. Juni 2026
Normalerweise erregen negative Begriffe sofort unsere Aufmerksamkeit. Doch wenn wir gerade mit etwas anderem beschäftigt sind, blenden wir sie eher aus.
Eine tiefe Kluft scheint Gehirnaktivität und Bewusstsein zu trennen. Der US- amerikanische Philosoph Thomas Nagel nannte sie „explanatory gap“ (Erklärungslücke). Sein australischer Kollege David Chalmers spricht vom „hard problem of consciousness“ (schwieriges Bewusstseinsproblem) – im Unterschied zum vergleichsweise einfachen „easy problem“, das darin besteht, die Funktionsweise des Gehirns zu klären, von Wahrnehmung, Kognition und der Steuerung von Handeln und Verhalten. Psychologen und Neurowissenschaftler bringen mehr und mehr Licht in diese Fragen: wie Neuronen miteinander sprechen, welche Aufgaben verschiedene Gehirnareale haben. Doch Chalmers vermutet, dass eine Lösung des einfachen Problems das schwierige nicht einmal berühren würde. Er ist überzeugt, dass der Reichtum des menschlichen Bewusstseins sich nicht auf biologische Prozesse im Gehirn zurückführen lässt. Chalmers und andere Philosophen sprechen von „Qualia“ (Singular: Quale), den qualitativen, subjektiven Eigenschaften unseres Erlebens: dem Wie der Klänge, Farben, Geschmäcker, Gerüche, Freuden und Schmerzen.
Anschaulich wird die Bedeutung dieser ominösen Qualia beim Farbensehen. Etwas Seltsames geschieht in einem Menschen, der zum Beispiel auf das blaue Meer blickt. Der objektiv messbare Reiz auf seiner Netzhaut führt zu einem subjektiven Erleben. Es „fühlt sich auf eine bestimmte Weise an“ (what it is like), wie Thomas Nagel es formulierte, Blau zu sehen. Man stelle sich eine Sinnesphysiologin vor, die genau erforscht, wie Farbreize in den Augen und im Gehirn verarbeitet werden, aber von Geburt an nur in einem schwarz-weißen Labor lebt. Trotz all ihrer Forschung kann sie nicht wissen, wie es ist, Blau zu sehen – dazu müsste sie es selbst erleben, nicht nur wissenschaftlich verstehen.
Chalmers und Nagel sind überzeugt, dass die Qualia und die objektiv messbaren Größen der Naturwissenschaften grundverschiedene Aspekte der Wirklichkeit sind. Die Naturwissenschaften werden das Bewusstsein nicht enträtseln, weil sie von etwas anderem reden. Chalmers und Nagel sind Dualisten, ähnlich wie Descartes. Doch dabei haben sie längst nicht alle Philosophinnen und Neurowissenschaftler hinter sich. Andere suchen andere Brücken über die Kluft zwischen Gehirn und Bewusstsein.
Verschiedene Überlegungen
Da gibt es die „Materialisten“ (oder Physikalisten), die darauf beharren, dass Bewusstsein sich mit neurobiologischen Prozessen erklären lässt. So ist die kanadische Neurophilosophin Patricia Churchland zuversichtlich, dass das schwierige Problem des Bewusstseins sich mit dem wissenschaftlichen Fortschritt in das einfache auflösen werde.
Die „Eliminativisten“ gehen noch rigoroser mit dem Bewusstseinsrätsel um, sie weisen es rundweg zurück. Daniel Dennett aus Boston hält die Existenz subjektiver Erlebnisse für eine Illusion. Ihm zufolge gleichen Menschen tatsächlich Zombies, die von sich selbst behaupten, eine seltsame Begabung namens Bewusstsein zu haben.
Das andere Extrem stellen die „Panpsychisten“ dar: Sie halten Bewusstsein für allgegenwärtig im Universum. Nicht nur komplexe Gehirne haben ihnen zufolge Erlebnisse, sondern auch einfachere Dinge, bis hinunter zu Elementarteilchen – natürlich nicht im gleichen Ausmaß, sondern eben unvorstellbar elementare Formen von Erlebnissen. Panpsychisten wie der englische Philosoph Philip Goff müssen eine Antwort auf die knifflige Frage finden, wie das voll ausgeprägte Bewusstsein eines menschlichen Gehirns sich aus dem Bewusstsein seiner Bestandteile zusammensetzt. Knifflig, aber immer noch einfacher zu bewältigen als die Erklärungslücke, vor der die Vertreter anderer Theorien stehen, so Goff.
Und schließlich sind da noch die „Mysterier“, wie zum Beispiel der englische Philosoph Colin McGinn, die das schwierige Bewusstseinsproblem für unlösbar halten. Der menschliche Geist sei zu beschränkt für dieses Rätsel, argumentiert McGinn, so wie eine Maus keine algebraische Gleichung lösen kann.
All diese Theorien stehen seit Jahrzehnten und Jahrhunderten gegeneinander, ihre Verfechter haben raffinierte Argumente und Gedankenexperimente in Stellung gebracht – doch das alltägliche Kino in unseren Köpfen bleibt rätselhaft. Deshalb gehen Philosophen es inzwischen auf neuen Wegen an, in Experimenten und Studien, im Anschluss an die empirische Forschung.
Experimente und Studien
Der Philosoph Thomas Metzinger von der Universität Mainz beschäftigt sich seit vier Jahrzehnten mit Phänomenen des Bewusstseins. Dabei stellt er sich vor allem die Frage, wie die subjektive Ich-Perspektive, mit der Menschen durchs Leben gehen, vereinbar ist mit der vermeintlich objektiven Dritte-Person-Perspektive der Wissenschaft. Er hat eine Theorie der „Selbstmodelle“ entwickelt, die erklären soll, wie eine Ich-Perspektive in natürlichen Systemen wie Gehirnen entstehen kann. Ihm zufolge erzeugt das menschliche Gehirn in seinen neuronalen Prozessen ein „phänomenales Selbstmodell“ – und bewirkt damit, dass der Organismus die Welt nicht nur registriert wie ein Messgerät, sondern sie als erkennendes Selbst erlebt, mit subjektiven Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen. Das Selbst ist nicht die letzte Gewissheit, für das Descartes es hielt, sondern ein Werkzeug des Gehirns mit dem Zweck, die Überlebenschancen des Organismus zu verbessern. Aus der so erzeugten Perspektive ist es schwer zu glauben, dass wir eigentlich kein Selbst haben. Wir verwechseln das „robuste Ich-Gefühl“ mit der Wirklichkeit.
In einem Forschungsprojekt hat Metzinger versucht, Bewusstsein möglichst von Störeffekten zu isolieren – wie es auch Naturwissenschaftler mit physikalischen oder chemischen Phänomenen im Labor tun: Gibt es so etwas wie pures Bewusstsein jenseits des Erlebens von Farben, Formen und Gedanken? Metzinger hat mehr als 500 Meditierende aus 57 Ländern nach ihren Erfahrungen befragt, auf der Suche nach der einfachsten Form bewussten Erlebens. Was bleibt übrig, wenn man vom Bewusstsein das Sehen und Hören abzieht, das Denken und Fühlen, das Körpererleben und die Zeiterfahrung?
Von alledem versuchen Meditierende sich zu lösen. Solch ein Minimalbewusstsein gebe es tatsächlich, sagt Metzinger nun, und er folgert aus seinen Daten noch mehr: „Bewusstsein ist gar kein subjektives Phänomen“, sagt er. Zwar mag es in unserer alltäglichen Erfahrung so wirken, als gehöre zum Bewusstsein ein Ich-Gefühl, eine erlebte Innenperspektive. In den Erfahrungsprotokollen mancher Meditierender zeigt sich jedoch ein Bewusstsein ohne diese Subjekt-Perspektive. Demnach gibt es ein waches Erleben ohne ein erlebendes „Selbst“, ohne das Erleben einer Farbe, eines Klangs, eines Geschmacks oder des Körpers – pures Bewusstsein. Metzinger beschreibt diesen erstaunlichen Befund, der der bisherigen Bewusstseinsforschung zuwiderläuft, in einem Buch, das im November 2023 mit dem Titel „Der Elefant und die Blinden. Auf dem Weg zu einer Kultur der Bewusstheit“ erscheint.
Wenn Metzinger damit recht hat, dann ist die traditionelle Trennung zwischen dem objektiven Standpunkt der Wissenschaft, die sich auf nachvollziehbar messbare Phänomene stützt, und der subjektiven Perspektive des bewussten Erlebens nicht so strikt, wie manche Philosophen glauben. „Das reine Bewusstsein, wie es sich in der Meditation erfahren lässt, könnte eine Konvergenzzone sein, in der das vom Gehirn erzeugte Modell der Wirklichkeit in seltenen Fällen dem Weltbild der Wissenschaft ähnelt“, sagt Metzinger.
Biologisches Phänomen
Wenn das menschliche Bewusstsein ein biologisches Phänomen ist wie andere Gehirnfunktionen, dann liegt die Frage nahe, ob nicht nur Menschen, sondern auch Tiere bewusstseinsbegabt sind – eine Frage, die Descartes einst entschieden verneinte. Der Philosoph Albert Newen von der Universität Bochum gibt in seinem Artikel, der im Juni 2023 in der Fachzeitschrift Cognition erschienen ist, eine differenziertere Antwort. Er hält Bewusstsein für ein vielgestaltiges Phänomen, das sich nicht nur in Menschen, sondern auch in Tieren in unterschiedlichen Graden und Aspekten finden lässt.
Mäuse, Oktopusse und viele andere Arten zeigen Newen zufolge Aspekte von Bewusstsein, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Menschen. Oktopusse, die zu ihrem Zentralgehirn noch autonome Minigehirne in ihren acht Armen haben, erleben die Welt und sich selbst sicherlich ganz anders als Menschen oder Mäuse, aber sie erleben etwas. Gemeinsam mit seinem Doktoranden Leonard Dung hat Newen eine Liste mit zehn Aspekten von Bewusstsein erstellt, um die Unterschiede zwischen Menschen und verschiedenen Tierarten messbar zu machen, darunter ein reiches emotionales Innenleben, beständige Selbstwahrnehmung, ein Gefühl von Urheberschaft eigener Handlungen und eine komplexe Lernfähigkeit. Zum Beispiel sind Affen, Papageien und Hunde gut darin, Objekte in Kategorien zu ordnen. Elefanten, Delfine und weitere Spezies erkennen sich selbst im Spiegel. Bei Ratten und manchen Vögeln ist ein episodisches Gedächtnis nachgewiesen, sozusagen eine innere Biografie: Sie erinnern sich an vergangene Lebensereignisse samt Ort und Zeit – laut Newen und Dung ein starker Hinweis auf Bewusstsein.
Ein Irrtum vieler philosophischer Theorien des Bewusstseins ist laut Newen die Annahme, dass bewusstes Erleben mit ganz besonderen Inhalten verbunden ist. „Eine bestimmte Wahrnehmung kann im Gehirn bewusst oder nicht bewusst erfasst werden“, sagt er. „Der Inhalt selbst ändert sich nicht. Erst die Art der Verarbeitung führt zu subjektivem Erleben.“ Zum Beispiel zeigen manche Patienten mit geschädigten Schläfenlappen in Experimenten, dass sie zwar einen Brief in einen Briefkasten einwerfen können – ohne jedoch das Ding, das vor ihnen steht, bewusst als Briefkasten erkennen zu können. Ihre Augen sehen den Briefkasten, der Reiz wird erfolgreich verarbeitet und in eine Handlung überführt. Aber der Briefkasten wird nicht bewusst.
Warum dann überhaupt der Aufwand des Bewusstseins? Was könnte der evolutionäre Vorteil eines bewusstseinsbegabten Gehirns sein? Bewusstsein sei als biologisches Alarmsystem entstanden, antwortet Newen. In einem Organismus laufen Gleichgewichtsprozesse, die für ihn überlebenswichtig sind: Atmung, Schlaf, Temperaturregelung und andere. Wenn die Kerntemperatur eines menschlichen Körpers zu stark von 37 Grad Celsius abweicht, wird es gefährlich für ihn. Die meiste Zeit läuft die Temperaturregulierung außerhalb des Bewusstseins. Manchmal aber, beim Verbrennen an einem Feuer zum Beispiel, hilft auch Schwitzen nicht mehr. Der Körper sendet ein Signal, um das ganze System zu alarmieren: Schmerz. Aus dieser ursprünglichen Alarmfunktion entwickelte sich später eine weitere, ausgefeiltere Form von Bewusstsein: Alltagswachheit. Menschen und manche Tiere können ihre Aufmerksamkeit gezielt auf etwas richten, ein Geräusch, eine Berührung oder eine andere Empfindung. So entwickelte sich das Bewusstsein, mit dem wir Menschen heute durchs Leben gehen, nach und nach aus früheren Formen, als Ergebnis eines uralten Strangs in der Evolutionsgeschichte, so Newen: „Wir können hoffen, stärkere Nachweise für Bewusstsein auch bei Tieren zu finden, die nicht wie Säugetiere organisiert sind, zum Beispiel bei Fischen und Vögeln.“
Wenn Thomas Metzinger und Albert Newen auf der richtigen Spur sind, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Bewusstsein irgendwann enträtselt wird wie andere Naturphänomene, die einst als unerklärlich galten. Dann wäre es auch denkbar, Bewusstsein in technischen Systemen wie Robotern oder Computern zu erzeugen. Allerdings sind die bisherigen KI-Systeme noch weit davon entfernt. Das Forschungsgebiet des künstlichen Bewusstseins (machine consciousness) ist noch klein. „Künstliche Intelligenz und künstliches Bewusstsein sind zwei ganz verschiedene Dinge“, sagt Metzinger und plädiert dafür, sie getrennt zu halten. „Wir sollten nicht unbedacht versuchen, bewusste Zustände in solchen Systemen zu erzeugen. Denn dann würden wir riskieren, damit auch eine unglaublich große Menge an bewusstem Leiden zu erzeugen.“ Denn wenn eine Maschine Bewusstsein entwickelt, dann damit womöglich auch bewusste Empfindungen. Sie könnte leiden.
Bewusstsein, ein Konstrukt?
Aber warum scheint ausgerechnet das Bewusstsein, gerade dieses jedem Menschen so gewohnte Phänomen, so mysteriös zu sein? Die englische Philosophin Kathy Wilkes vermutete, dass das Bewusstseinsproblem ein Kunstprodukt unserer europäischen Denktradition sei. Andere Kulturen, andere Sprachen haben gar kein Wort für Bewusstsein und auch kein Problem damit. Der Begriff des Bewusstseins sei ein Konstrukt weißer europäischer Männer, die zu viel Descartes gelesen haben und nicht von der Vorstellung einer unsterblichen Seele lassen wollen. „Menschen sind möglicherweise die ersten Wesen in der biologischen Evolution, die eine klare Einsicht in ihre eigene Sterblichkeit haben“, sagt Thomas Metzinger, „diese Einsicht ist eine toxische Information für das Selbstmodell.“
Vielleicht nehmen Menschen sich selbst schlicht zu wichtig, wenn sie sich etwas so Besonderes und Rätselhaftes wie Bewusstsein zuschreiben. Vielleicht ist das Rätsel so schwer zu lösen, weil es gar keines ist. Wenn da nur nicht die hartnäckige Intuition wäre, dass unsere Erlebnisse mehr sind als ein Neuronenfeuer.
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