Die Antarktis ist für ihre einzigartigen Ökosysteme bekannt. Dort leben vielfältige, aber oft bedrohte Tierarten – darunter zahlreiche Vögel. Die Region steht daher unter besonderem Naturschutz. Durch ihre abgelegene Lage bleibt die antarktische Tierwelt allerdings ohnehin meist isoliert und dadurch von vielen Infektionskrankheiten verschont, die Wildtiere in anderen Regionen der Welt befallen. Jüngste Funde deuten jedoch darauf hin, dass das H5N1-Virus, das in den vergangenen Jahren zu weltweiten Vogelgrippe-Epidemien geführt hat, diese natürliche Isolierung der Antarktis durchbrochen hat. Im Oktober 2023 wurden dort erstmals mit dem Grippe-Erreger infizierte Vögel entdeckt.

Zahlreiche Vögel und Säugetiere betroffen
Daraufhin hat ein Team um Ashley Banyard von der britischen Animal and Plant Health Agency genauer untersucht, wie viele Tiere betroffen sind. Für ihre Bestandaufnahme sammelten die Biologen während der Brutsaison im Polarsommer 2023 Proben von toten Tieren in Südgeorgien und auf den Falklandinseln, analysierten das darin enthaltende Erbgut und beobachteten das Verhalten der Tiere. Dabei zeigte sich, dass nicht nur einzelne Exemplare, sondern eine Vielzahl von Tierarten in der antarktischen und subantarktischen Region mit der Vogelgrippe infiziert sind und daran starben. Banyard und seine Kollegen fanden das H5N1-Virus im Körper zahlreicher Vogelarten und Säugetiere, darunter Eissturmvögel, Schwarzbrauenalbatrosse, Braune Raubmöwen, Südgeorgien-Krähenscharben und Antarktische Seeschwalben sowie Südliche Seeelefanten und Antarktische Seebären. Zum Zeitpunkt der Probennahme nicht betroffen waren hingegen einzelne Pinguin-Arten.
Der Erreger gelangte wahrscheinlich über Zugvögel aus Argentinien in die Antarktis, wie genetische Vergleiche mit früheren Proben ergaben. In Südamerika kursiert diese besonders aggressive Variante des Influenza-Virus seit November 2022. In der Antarktis breitete sich das Virus im Polarsommer 2023 ebenfalls rasch aus und infizierte verschiedene Tierarten in unterschiedlichen Teilen der antarktischen Randzonen, wie die Tests zeigen. Doch dabei wird es vermutlich nicht bleiben. „Es besteht die Möglichkeit einer weiteren Ausbreitung des Virus“, schreiben die Biologen. Es könnte demnach künftig auch auf weiter südlich gelegene Regionen und das antarktische Festland übergreifen und mit Zugvögeln auch bis nach Neuseeland gelangen. Im Februar 2024 traten bereits erste Fälle auf dem Festland der Antarktis auf. Dabei könnten dem H5N1-Virus das enge Zusammenleben der Vogelkolonien und das Polarklima zugutekommen: „Die Überlebenswahrscheinlichkeit des Virus in dieser kalten Umgebung ist größer und es ist möglich, dass infektiöse Viren in Kadavern, die durch das lokale Klima konserviert wurden, länger erhalten bleiben“, so Banyard und seine Kollegen.





