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Das Mysterium der Seedrachen

Seedrache
(Bild: Frank Schneidewind)

Dieses farbenfrohe Tier trägt wegen seiner reptilähnlichen Form und den flügelartigen Rückenanhängseln den deutschen Namen „Seedrache“. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Fisch, der eng mit den Seepferdchen verwandt ist.

Seedrachen (Phyllopetryx taeniolatus) kommen weltweit nur in einer Region vor: Sie leben in den Tang- und Seegraswiesen vor der West- und Südküste Australiens. Ihre Färbung und die blattartigen Anhängsel sind in dieser Umgebung eine perfekte Tarnung für die Garnelen und andere kleine Wassertiere fressenden Seedrachen. Die knapp 50 Zentimeter langen Seepferdchenverwandten lassen sich im Wasser treiben und nähern sich so unauffällig ihrer Beute, dann saugen sie die Garnele blitzschnell mit ihrem röhrenartig verlängerten Maul ein.

Neben ihrem zahnlosen, Röhrenmaul unterscheiden sich die Seedrachen noch in einigen weiteren Merkmalen von „normalen“ Fischen. Sie haben die für Fische typischen Bauchflossen und Schwanzflossen sowie ihre Schuppen verloren, dafür tragen sie einen knöchernen Panzer, der den ganzen Körper umhüllt. Die auch als Kleine Fetzenfische bezeichneten Seedrachen schwimmen zudem nicht waagerecht durchs Wasser, sondern gleiten langsam, fast vertikal – wie bei einem Pferd – mit dem Kopf nach unten durch flache Küstengewässer. Mit ihrem Ringelschwanz können sie sich – wie Affen – an Gegenständen festhalten.

Welche Genetik hinter diesen speziellen Anpassungen der Seedrachen steckt hat kürzlich ein Forscherteam unter Mitwirkung von Axel Meyer von der Universität Konstanz untersucht. Dabei konnten die Wissenschaftler unter anderem ermitteln, dass die fetzenartige Anhänge der Seedrachen auf umgewandelte Flossenstrahlen zurückgehen. Ihre Zahnlosigkeit verdanken sie dem Verlust mehrerer Gene, die mehrere Gene, die bei anderen Fischen und auch beim Menschen zur Entwicklung der Zähne beitragen.

Typisch für die Seepferdchen-Familie ist zudem, dass bei ihnen die Männchen die befruchteten Eier austragen. Während Seepferdchen dafür schon einen Brutbeutel entwickelt haben, tragen die evolutionsgeschichtlich älteren Seedrachen die klebrigen Eier noch sichtbar unter ihrem Schwanz. Interessant auch: Das Geschlecht der Seedrachen wird nicht durch Geschlechtschromosomen festgelegt wie bei den meisten Säugetieren. Stattdessen bestimmt bei ihnen und bei den Seepferdchen ein spezielles Hormon, das Mullerian-Hormon, ob sich ein Männchen oder Weibchen entwickelt.

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