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Grönlands gewaltige Gletschermühlen

Gletschermühle
(Bild: Jason Gulley)

Bei dieser Aufnahme fällt der Blick sofort auf das tiefe Loch inmitten des grönländischen Eises. In diese Schlucht scheinen von allen Seiten Wassermassen einzuströmen und wie ein Wasserfall in die Tiefe des Gletschers zu stürzen.

Eislöcher wie auf diesem Foto werden Gletschermühlen genannt. Sie entstehen, wenn Schmelzwasser im Sommer auf der Gletscheroberfläche oder in Gletscherspalten entlangströmt. Das Wasser enthält kleine Gesteinstrümmer, die in Senken durch Strömungsturbulenzen kreisförmig bewegt werden und so nach und nach Löcher von bis zu 20 Meter Durchmesser in die Eisfläche schleifen. So gelangt das Schmelzwasser von der Eisoberfläche in tiefere Eisschichten und staut sich dort an.

Wie tief die Gletschermühlen werden und wie viel Schmelzwasser sie aufnehmen können, haben nun Forscher um Matt Covington von der University of Arkansas untersucht. Dafür modellierten sie eine Gletschermühle und reisten zudem im Oktober 2018 und 2019 zum grönländischen Eisschild. Dort seilten sich die Wissenschaftler in zwei große Gletschermühlen ab – wie die auf dieser Aufnahme – bis sie fast die Oberfläche des unten aufgestauten Schmelzwassers erreichten.

Bei ihren Messungen zeigte sich, dass die Gletschermühlen sich in der Tiefe erweiterten und viel größer waren als bisher angenommen. Ihr Querschnitt erreicht demnach bis zu 500 Quadratmeter Fläche, so dass die Forscher auch von einem enormen Gesamtvolumen der Löcher ausgehen. Daraus folgerte das Team, dass die Gletscherlöcher große Mengen Schmelzwasser auffangen können.

Wie die Forscher erklären, können die Wassermassen, die sich in den Gletschermühlen unter dem Eis stauen, den Druck im Inneren des Gletschers und in den subglazialen Wasserreservoiren erhöhen. Durch den Druck beschleunigt sich die Geschwindigkeit, mit der die Gletscher über den Untergrund gleiten. Ähnlich, als wenn ein Eiswürfel auf einem dünnen Wasserfilm gleitet. „Die Speicherung von Wasser in diesen Gletschermühlen während der täglichen Schmelzwasserströme hat einen großen Einfluss darauf, wie stark sich der Wasserdruck unter dem Eis verändert“, erklären Convington und seine Kollegen.

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Sollten zukünftig die Sommerperioden in Grönland aufgrund des Klimawandels noch wärmer werden, vermuten die Forscher, dass noch mehr Schmelzwasser in die Mühlen und subglazialen Wasserreservoire gelangt und sich so das Gleiten der Gletscher noch beschleunigt. Als Folge davon gelangt mehr Schmelzwasser ins Meer und die Meeresspiegel steigen.

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